Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 30 (1889)
- Issue
- Heft 89 (14.11.1889)
- Date
- 1889-11-14
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2446951-2447947-2448011--29022-2476731- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
1542 mehr wie ehedem die gastlichen Häuser der Familien öffnen. So wurde die Institution des Hachnosas Aurchim, die dem Großstädter im Laufe der Zeiten abhanden gekommen ist, der Vergessenheit entrissen. Ein vierter Verein zur Unterstützung conservativer Interessen hat die versprengten losen Glieder, in welche die Glaubenstreuen zerfallen waren, zu einem Ganzen vereinigt. Bis zu diesem Zeitpunkte durfte man über die Conservativen zur einfachen Tagesordnung übergehen, da die Einzelnen eines Einflusses auf die Gemeindeangelegenheiten entbehrten. Den Bemühungen der von dem sel. Jany geschaffenen Partei ist cs zu verdanken, daß in der Person des Dr. Rosenthal ein Rabbiner gewählt wurde, der den Strenggläubigen wohlwollend gegenübersteht. *) Erwähnen wir noch, daß I. Mitbegründer des Schaumre-Schabbos-Verein war und an der Entstehung des Montcfiore - Verbandes zur Förderung der Jüdischen Geschichte und Literatur mitgewirkt hat, so haben wir wohl den Beweis erbracht, daß einer der Besten unserer Zeit aus unserer Mitte gerissen wurde. Wir beklagen einen Getreuen, dessen warmes Herz für jeden Zweig edler Wohlthätigkeit, und dessen tiefe Empfindung für Thora und ihre Lehrer ihn den Würdigsten unserer Glaubensgemeinschaft zur Seite stellt. „Wer wird die so plötzlich gerissene Lücke ausfüllen?" Diese Frage schwebte auf allen Lippen, als wir tiefgebeugt der Bahre folgten. Der Sabbat war näher gerückt, als wir den Friedhof betraten, daher konnte der Rabbiner Dr. Rosenthal kein vollendetes Bild von der vielseitigen Wirksamkeit des Dahingeschiedenen geben, doch waren feine Worte ein sprechendes Zeugniß dafür, daß er mit uns empfand, welch theures Leben hier geendet. Der Allgütige tröste die tiefgebeugte Gattin, die Pflegekinder und die zahlreichen, trauernden Freunde. N. Floß, 21. Oktober. Die Israeliten in Weiden, welche schon seit zwei Jahren Synagoge und Schule in gemieteten Lokalitäten unterhielten, besitzen nun ein eigenes Cultusgebäude. Am Freitag vor n"-, wurde die geräumige und hübsch ausgestattete Synagoge eingeweiht. Die Einweihungs- Predigt hielt Herr Rabbiner Witztelshöfer von *) Wie wir vernehmen, hat Herr Dr. Rosenthal einen ehrenvollen Beruf nach Wien erhalten und — vorausgesetzt, daß eine Titularfrage günstig erledigt wird, — eine Annahme in Aussicht gestellt. Der Corresp. Floß und den Gesang führte Herr Lehrer Wetzler von da mit seinen Schülern aus, da Lehrer Hirnheimer von Weiden z. Z. zum Militär einberufen war. Dem jüdischen Leben in Weiden ist nun eine Zukunft gesichert. Das Verdienst der Israeliten in Weiden um diesen Bau ist um so anerkenuenswerther, da sie ganz bedeutende Opfer dafür brachten. Oesterr.-Ungar. Monarchie. Preßbrrrg, 30. October. Bei Berathung des Unterrichtsbudgets für 1890 wurden auch Fragen der internen konfessionellen Verhältnisse der Israeliten erörtert, worüber Folgendes berichtet wird: Auf die betreffs der Angelegenheit der Israeliten an den Unterrichtsminister Graf Csaky gerichtete Anfrage bemerkte derselbe, daß es der Administration zwar schwer sei, in bogmatifäfen Fragen zu entscheiden, daß er aber hoffe, es werde möglich sein, ein Statut zu schaffen, welches den bestehenden Differenzen ein Ende machen könne. Abgeordneter Karl Eötvös meint, die Staatsregierung könne es nicht ignoriren, daß die Israeliten behaupten, es beständen unter ihnen Differenzen dogmatischer Natur. Er kann es nicht billigen, daß das Ministerium sich in die Angelegenheiten der Juden — allerdings in Folge ihrer Klagen — tiefer einmenge, als dies richtig und zweckmäßig sei. Minister Graf Csaky wiederholt, daß er die Organisirung der Angelegenheiten im Wege des Gesetzes für wünschenswerth halte, dies werde jedoch derzeit durch den im Schooße der Judenheit obschwebenden Gegensatz erschwert. Er hofft, daß diese zumeist bei der Gründung von Gemeinden entstehenden Differenzen schwinden werden, und daß dann die einheitliche Regelung dnrch ein Gesetz am Platze sein werde. Man kann sich hieraus leicht die Ueberzeugung verschaffen, daß die Regierung viel eher geneigt ist, den Wünschen der Reformpartei Folge zu leisten, als die Bestrebungen der Orthodoxie, ihre Autonomie zu wahren, einer Berücksichtigung zu würdigen. Alles dieses sieht und hört man in Ungarn ganz ruhig zu, ohne sich mit dieser so wichtigen Sache ernstlich zu befassen. Wahrlich es wäre Zeit diese Lethargie abzuschütteln; es könnte mit der Zeit zu spät werden! L. G—g. Pretzbrrrg, 31. October. Wie Sie bereits berichtet haben, hat sich der Kultusminister jüngst dahin geäußert, daß er jeder Profelitenmacherei