Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 30 (1889)
- Issue
- Heft 89 (14.11.1889)
- Date
- 1889-11-14
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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XXX. Jahrgang. KeilkgeM^8ghes„IsraM"L»,Ieschurilir". Leitende r Artikel. Die bisher spurlos nerschmuiiene Frau DM. Auerbulh uus Jerusalem soll angeblich in einem französischem Kloster in der Nähe von Jerusalem seit 9 Jahren gefangen gehalten werden! Viele unserer geehrten Leser werden sich erinnern, daß der Rabbiner der aschkenasischen Gemeinden in Jerusalem, der berühmte Gelehrte Rabbi Me'ir Auerbach ehedem Rabbiner in Kalisch in Polen, vor ungefähr 12 Jahren verschieden ist. Drei Jahre nach seinem Tode, also vor 9 Jahren, am Tage vor omsan qv a-iy, ging dessen Wittwe auf den jüdischen Friedhof, um am Grabe ihres Gatten zu beten, und ist von da nicht zurückgekehrt. Man machte die größten Anstrengungen, die Verlorene zu suchen, sowohl von Seiten Einzelner, als auch der Gemeinde und Behörden — Frau Auerbach blieb spurlos verschwunden. Kein Kleidungsstück von ihr war aufzufinden, nichts, was auch nur der geringsten Vermuthung über ihren Verbleib hätte Raum geben können. Da sie, wie man behauptet, ihr Vermögen in Werthpapieren bei sich zu tragen pflegte, so nahm man an, sie sei Räubern in die Hände gefallen, die sie erschlagen, beraubt und verscharrt hätten. Nunmehr veröffentlicht die in Warschau erscheinende, hebräische Zeitschrift „Hazephirah" (Jahrgang 16, Nr. 219) die nachstehende Eorrespondenz: Jerusalem. Vor 9 Jahren besuchte die Wittwe des berühmten Rabbiner Maier Auerbach, hochseligen Andenkens, (vormals Rabbiner ju Kalisch, Nuss. Polen) das Grab ihres Gatten Hierselbst und kehrte nicht mehr zur Stadt zurück! Frau Rabbiner Auerbach, so hieß es plötzlich, ist verschwunden! Man ließ es an Kosten, Mühen und Anstrengungen nicht fehlen, die Verschwundene wieder zip'gewinnen; doch vergebens; Nun wird nach vollen 9 zuverlässigen Aussagen zweier er h eit behauptet, Frau Rabbiner^^^^^^Wbefindet sich in einem fr anzö sisch em Jerusalem! Ihre Jndentität sei sestg^^^^WM „So handelt es sich jetzt da^^^MlAnerbach aus ihrer Gefangenschaft zu befreien." Die Nachricht tritt, wiMer geehrte Leser sieht, mit voller Bestimmtheit auf. Sollte sie sich vollinhaltlich bestätigen, so ist jeder Israelit, der dabei! Mitwirken kann, verpflichtet, zur Befreiung jener Unglücklichen das Seinige zu thun. Die I Alliance Jsr. Univ. in Paris, die Anglo Jewish Association in London und wer sonst Einfluß besitzt, seien hiemit dringend ersucht, ihre Agenten in der heiligen Stadt telegraphisch zu beauftragen, der Angelegenheit nachzuforschen, event. die geeigneten Schritte zur Befreiung jener edlen, frommen und wahrhaft gottesfürchtigen Frau, der Wittwe eines der bedeutendsten Rabbinen der jüngsten Vergangenheit, zu thun. — Gebe Gott, daß wir bald Günstiges über den Verlauf der Angelegenheit mitzutheilen im Stande seien. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen Deutschland. Breslau. Am p"wv des Sabbat 5650 trat einer unserer Edelsten und Besten den Weg zur ewigen Heimath an. Den in den weitesten Kreisen wohl gekannten und von allen religiösen Parteien unserer Gemeinde hochgeachteten W. Jani betteten sie in den kühlen Sand, und mit ihm sank ein Kranz unserer schönsten Hoffnungen in die finstere Gruft. — Der Verblichene war einer der wenigen Männer unserer Gemeinde, die den Versuch wagten, dem gesetzestreuen Häuflein innerhalb des Gemeindelebens eine achtunggebietende Stellung zu erobern, und — wir behaupten dies ohne, von Schmerz überwältigt in eitle Ruhmrednerei zu verfallen — der bescheidene Versuch gelang auch dem zielbewußten Streiter. Denn er begann den Aufbau seines Werkes mit einer festen und sichern Grundlegung, welche der Gewalt der herrannahenden Stürme zu widerstehen vermochte. Jani suchte das Vereinsleben zu heben und zu kräftigen. Er gründete den Talmudverein, dessen Mitglieder sich allabendlich in dem von dem Dahingeschiedenen eingerichteten Bet-Hamidrosch zur Pflege der talmudischen Wissenschaften vereinigen. Dieser Verein läßt auch ca. 70 Kinder in Mischna, Talmud, Pentateuch und andern hebräischen Disciplinen von 2 Lehrern unterrichten. — Ein zweiter Verein zur Erziehung jüdischer Waisen ist über ganz Deutschland verbreitet und sorgt dafür, daß unglückliche Kinder in religiösen Familien untergebracht werden. Eine dritte Schöpfung ist der Verein zur Speisung der armen Wanderer, denen sich nicht