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Der Israelit · 1889-11-14 · Heft 89 (14.11.1889) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
30 (1889)
Issue
Heft 89 (14.11.1889)
Date
1889-11-14
Page
– (sequence 2)
Language
German
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1534 lehrt: Auf drei Dingen steht die Welt, auf dem Studium der Gotteslehre, auf dem Gottesdienste und auf der Uebung von Wohlthaten. Es sind das die Säulen, von denen Rabbi Schimeon den Gamliel lehrt: Auf drei Dingen ruht der Bestand der Welt, auf dem Recht, auf der Wahrheit und auf dem Frieden. — „Die Säulen stehen auf dem Wasser." In der heiligen Schrift wird das Wasser, welches belebt, befruchtet, erquickt und durch seine stete Bewegung sich immer rein erhält, als ein Symbol für die Thora gebraucht, wie es heißt: „Wohlan, alle ihr Durstigen, gehet hin zum Wasser." Jene Säulen, auf denen die sittliche Weltordnung beruht, sie sind begründet auf dem lebendigen Quell der Gotteslehre. Durch die Erforschung der Gotteslehre lernen wir Gott dienen, unsere Mitmenschen lieben und ihnen Gutes erweisen; durch die Erforschung der Gotteslehre lernen wir Recht und Gerechtigkeit erkennen, dringen wir zur Wahrheit vor und erfahren, welch' unendlich segensreiches Gut der Friede ist. — „Das Wasser steht auf den Bergen." onn, Berge, zusammenhängend mit omn, Erzeuger, deutet in der heiligen Schrift häufig auf unsere große Stammväter, Abraham, Jizchak und Jakob hin. (onnn wy um ,ww onn tpxnn n) Nur dem gottgefälligen Wandel der Stammväter, die einer ganzen heidnischen Welt gegenüber unter gewaltigen Kämpfen, Gefahren und Versuchungen ihre Gottangehörigkeit bewährt haben, verdanken wir es, daß wir, ihre Kinder, die Thora haben empfangen dürfen. — rrro nnn „die Berge durch den Geist." Es war der Geist, der Geist Gottes, der in den Vätern waltete und von ihnen mit allen ihren Kräften genährt und gepflegt wurde, der sie so groß gemacht hat. Wohl hat Gott dem ersten Menschen von Seinem Geiste eingehaucht. Da Er ihm aber auch zugleich die Freiheit des Willens gegeben, so unterlag Adam der Leidenschaft und übertrat Gottes Gebot. Mit Gott wandelte Noach, aber er war nur gerecht und vollkommen im Vergleiche mit den bösen Menschen, welche die Sündfluth hinwegraffte. Abraham widerstand der Sünde und überwand alle Versuchungen und blieb siegreich in allen Kämpfen und Gefahren. In ihm kam der Gottesgeist erst zur rechten Gestaltung, in ihm und seinem Sohne Jizchak und in seinem Eukel Jakob. — nn n^yoa, „der Geist durch den Sturm." Unsere Weisen lehren im Traktat Baba Bathra 16 a., anlehnend an Jjob, Cap. 9, V. 17, daß nnyD, der Sturm, ein Symbol des jnn isp, des Triebes zum Bösen, der Leidenschaft sei. ,tb\y hm ucn vjb1* idm) aw p *pnrw yxto may myo nn). Nur durch den Sturm der Leidenschaften kann der Gottesgeist sich bewähren, nur durch die des bösen Triebes kann die menschliche Fre nachdem, bethäligen. Jedoch, könnte nicht der Mensch mit Jjob klagen: >yx£> nmm odw» (myo^) myw w djh. „Der im Sturme mich zerschmettert und meine Wunden mehrt ohne Grund — ohne Grund? Ja, da Gott selbst den Trieb zum Bösen in die Herzen der Menschen gelegt hat, so ist es ja naturgemäß, wenn die Menschen im Kampfe unterliegen. Dieser scheinbar berechtigten Klage gegenüber lehrt Rabbi Jose, daß der Sturm gehalten wird von dem Arme des allmächtigen Gottes, das heißt, daß, wenn der Mensch ernstlich den Trieb zum Bösen bekämpfen will, der allmächtige Gott ihm im Kampfe hilft und ihn zum Siege führt. Die Endzwecke der Schöpfung zu fördern ist der Trieb zum Bösen in des Menschen Brust unentbehrlich; denn ohne ihn gäbe es keinen Widerstand, keinen Kampf, keinen Sieg, keine Vollendung. Daß aber der Fromme in diesem Kampfe zu obsiegen vermag, das erwirkt die liebevolle Fürsorge Gottes, die den Sturm bändigt und ihm zur rechten Zeit zu schweigen befiehlt. Es steht die Erde auf den Säulen der Erkenntniß, des Gottesdienstes und der Liebe zur Menschheit, auf den Säulen des Rechts, der Wahrheit und des Friedens. Alle diese Säulen beruhen auf der Thora, und daß wir der göttlichen Offenbarung; gewürdigt wurden, verdanken wir unfern Stammj Vätern, die ihren Geist gottgefällig gestalteten, so daß sie den Stürmen der Leidenschaften zu widerstehen vermochten durch des allgüttgen Gottes liebevolle Fürsorge. Es lautet der Lobgesang der Erde: „Dem Ewigen ist die Erde und ihre Füllung, die Welt und ihre Bewohner." Die Erde legt Zeugniß ab, daß sie und Alles, was auf ihr lebt, nur besteht durch die Fürsorge Gottes. „Denn Er hat auf Meeren sie gegründet, und auf Strömen wird Er sie feststellen" (stellt Er sie fortwährend fest — das Futurum iu der Bedeutung der steten Dauer). Das unermeßlich große Meer der Gotteslehre ist die Grundlage der sittlichen Wellordnung, und auch die wilden Ströme der Leidenschaft sind unerläßlich, auf daß der Fromme im Kampfe sich bewähre; denn in diesem Kampfe führt zum Siege die liebevolle Fürsorge Gottes. (Fortsetzung folgt.)

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