Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 30 (1889)
- Issue
- Heft 86 (4.11.1889)
- Date
- 1889-11-04
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
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1487 „Neuzeit" entstellt auch die Anklagen des „Hamagid"- Correspondenten. So hat derselbe anch nicht gesagt, daß Oskar Waldek (Friedländer) ein Missionär sei, sondern daß er in ihrem Dienste thätig war; auch hat der Ham. Corr. sich noch gar nicht über den Wohlthätigkeitssinn der Wiener Millionäre — es gibt deren hier 400 — geäußert, und schon greift dem die Neuzeit vor und dcmonstrirt ad oculum die neuerliche Schenkung der Gebr. Ritter von Gutmann in der Höhe von 150,000 Gulden zum Baue eines Spitales. Das geschieht wohl im Allgemeinen und sür die Kranken; was thun diese Herren und Andere für die Einzelnen, für die Gesunden und zwar zur billigen Erhaltung der Gesundheit, damit man nicht erst an die Pforten des Krankenhauses soll anpochen dürfen? Darüber weiß die Neuzeit keinen Bescheid. Der Hamagid-Correspondent scheint aber Vieles zu wissen; er versprach Enthüllungen zu geben; leider sieht man denselben vergebens entgegen. Hat man den Correspondenten, er zeichnete sich xn: 'jx, ausfindig gemacht und sich sein Schweigen mit Gold erkauft? Es würde uns sehr betrüben, wenn dies der Fall sein sollte. Wir fordern ihn hiermit auf, sein Versprechen zu halten. Es geschehen hier Dinge, die des Dt*n wegen nur in einer hebräischen Zeitschrift gegeißelt werden müssen. Ueber die „monatliche 10,000 Gulden- Schenkung des Baron Hirsch können wir nicht umhin, ein grauenerregendes Gerücht hier mitzutheilen. Man erzählt, daß ein herabgekommener Kaufmann in arger Verlegenheit sich um Unterstützung an gedachte Stiftung gewendet. Die besten Referenzen standen ihm zur Seite. Nach langem Harren wurde dem Mann die Unterstützung gewährt und in dem Betrage von — 50 kr. ö. W., sage 50 Kreuzer ö. W., ausbezahlt. Verwirrt, beschämt und enttäuscht ging der Mann nicht mehr nach Hause, sondern machte seinem Leben in der Donau ein Ende. Ob die Sache sich richtig so verhält, kann nicht verbürgen; daß das Gebühren bei dieser Stiftung ein solches ist, das dazu führen kann, ist die Meinung, die weder Jellinek noch die Neuzeit wird entstellen können. Rudolf D. Krakarr. Professor Oettinger in Krakau, der jetzt aus seinem Lehramte ausgeschieden ist, war einer der wenigen ordenltichen Professoren der Geschichte der Medizin. Für die meisten Hygieniker ist sicherlich die^Geschichte der Medizin ein durchaus unbekanntes Gebiet. Prof. Josep Oettinger war seit 1850 Professor der Medizin in Krakau. Er schcidct aus seinem Lehramte, weil nach den österreichisch-ungarischen Universitäts-Gesetzen kein Dozent über sein siebenzigstes Lebensjahr hinaus (Oettinger ist jetzt 70 Jahre alt) Dozent bleiben darf. Oettinger's Hauptwerk ist eine Geschichte der medizinischen Fakultät in Krakau. Neben seinen strengwissenschaftlichen Studien pflegte Dr. Oettinger auch mit Erfolg die Tagesschriftstellerei. Er wurde ihr durch die Ereignifle des Jahres 1848 zugeführt. Auch hat er, obwohl Dozent eines rein theoretischen Faches der Medizin der praktischen Heilkunde nicht ganz entsagt. A. England. London, 25. Okt. Der neue Lordmayor, Sir Henry I s a a c s, wurde gestern im Oberhause dem Lordkanzler vorgestellt, um von demselben die Genehmigung der Königin zu seiner Erwählung zum Lordmayor entgegen zu nehmen. Der Citysyndikus, Sir Thomas Chambers, hob in seiner Ansprache an den Lordmayor hervor, Sir Henry Jsaacs wäre der dritte Israelit, welcher das hohe Amt eines ersten Beamten der Hauptstadt bekleide. Lord Halsburh bezeichnete es in seiner Antwort als einen Triumph der bürgerlichen und religiösen Freiheit, daß die Wahl der Bürge* Londons auf einen Juden gefallen sei. Genau vor 700 Jahren, im Jahre 1189 wurden die Juden infolge eines Ausbruches fanatischer Verfolgungssucht und Bigotterie aus England vertrieben. Jetzt empfange er (der Lordkanzler) als Vertreter der Königin einen Juden als ersten Beamten der größten Stadt der Welt. Die Juden hätten sich stets durch Gehorsam gegen die Gesetze jedes Landes, in welchem sie lebten, ausgezeichnet. Türkei. Das in London erscheinende „Jewtsh Chronicle" veröffentlicht eine Correspondenz aus Bagdad, in welcher die Lage der Juden daselbst als eine sehr schlimme dargestellt wird. Dieselben wollten, mit einer schriftlichen Erlaubniß des Generalgouverneurs versehen, einen ihrer hervorragendsten an der Cholera gestorbenen Rabbiner in dem Grabdenkmal, welches für dasjenige Josua's gilt, beisetzen, konnten dies aber nur mit Gewalt gegen den Willen des muselmanischen Wächters des Grabes ausführen. Auf Grund einer.falschen Anklage des Letzteren ließ nun der Generalgouverneur den Oberrabbiner und viele andere hervorragende Juden verhaften, ohne Urtheilsspruch eines ordentlichen Gerichts. Die .erschreckten Juden von Bagdad telegraphirten nach Konstantinopel, allein der Generalgouverneur fing das Telegramm auf und stellte die Sache dem Großvezir in einer ganz anderen Weise dar. So-