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Der Israelit · 1889-11-04 · Heft 86 (4.11.1889) · page 18

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Journal
Der Israelit
Volume
30 (1889)
Issue
Heft 86 (4.11.1889)
Date
1889-11-04
Page
– (sequence 18)
Language
German
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1486 Jacques Ufcher fjatte dann als Vertreter des Majors v. Heydebrandt, gegen dessen Einbeziehung in die Untersuchung die Beschwerde beim Obergerichte ergriffen, weil, wie er etnwendete, sein Klient, Major Heydebrandt, als Ausländer — derselbe ist preußischer Unterthan — für ein im Auslande begangenes Delikt hier nicht zur Verantwortung gezogen werden könne. Das Obergericht wies jedoch die Beschwerde mit einer höchst interessanten und ganz neuen Begründung zurück. Ungarn sei zwar, so hieß es in der betreffenden Entscheidung, im gegenseitigen Verkehre mit Oesterreich als Ausland zu betrachten, dem Angehörigen eines dritten Staates gegenüber müffen Oesterreich und Ungarn als Ganzes angesehen werden. So wird denn auch Major v. Heydebrandt in die Anklage einbezogen werden. Provinz Posen, 27. October. Am 25. d. M. feierte Lehrer Horwitz in Gr ätz sein fünfzigjähriges Dienstjubiläum. Zur Beglückwünschung desselben hatten sich die städtischen Behörden und das Lehrerkollegium im Stadtverordneten-Sitzungssaale versammelt. Herr Landrath Daum beglückwünschte zunächst den Jubilar und überreichte demselben den Adler der Inhaber des Königlichen Hausordens von Hohenzollern mit der Zahl 50, worauf Herr Bürgermeister Ba ent sch die Verdienste des Jubilars, der nahezu 43 Jahre an der dortigen israelitischen Schule gewirkt hat, hervorhob und demselben als Ehrengabe der Stadt ein Geldgeschenk überreichte. Nachdem noch Herr Cantor-Otto als Senior des Lehrerkollegiums gesprochen, dankte der Herr Jubilar in bewegten Worten und schloß mit einem Hoch auf Se. Majestät unseren allergnädigsten Kaiser. Herr Horwitz tritt nunmehr in den wohlverdienten Ruhestand. Möge demselben noch ein recht heiterer Lebensabend beschieden sein! Rogowo. (Regb. Bromberg.) Der auf Anregung des Herrn Lehrer Krisch im Verein mit einigen Gemeindemitgliedcrn unter dem Namen tron ahn ">ip2 «mp hierorts ius Leben gerufene „Israelitischer Wohlthätigkeits-Krankeupflege- und Begräbnißverein" hat mit dem 1. October c. seine Thätigkeit begonnen. Der Verein zählt z. Z. 22 Mitglieder. Dem Vorstande gehören an die Herren Lehrer Krisch, Elias Lewin und Hermann Hanse, während Herr David Abraham die Geschäfte des Rendanten unentgeltlich verwaltet. Oesterr.-Ungar. Monarchie. Wien. Die evangelische General - Synode, welche vorige Woche hier unter starker Betheiligung der evangelischen Geistlichkeit tagte, faßte unter anderm einen Beschluß, in welchem sie ihren Abscheu über den Antisemitismus ausdrückte. Wien, 24. Oct. Der Professor des Strafrechtes von der Wiener Universität, Salamon Mayer, legte, gekränkt durch seine Uebergehung bei den letzten Besetzungen, seine Professur unter freiwilliger Verzichtleistung ans Pensionsbezüge nieder. Mayer übersiedelt nach Paris, um sich dort als Advokat für internationales Recht niederzulassen. Wien, 27. October. Der Statthalter Graf Kielmansegg empfiehlt in einem Erlaß an die Unterbehörden denselben strenges Vorgehen gegen deutschnationale und antisemitische Ausschreitungen. Wien, 30. October. Eine Correspondenz im Hamagid Nr. 36, welche auf den „Israelit und Jeschurun" Bezug nahm, hat nicht verfehlt, hier großes Aufsehen zu erregen. Die Correspondenz beleuchtete in grellen Farben die monatliche 10,000 Gulden-Stiftung des Baron Moritz von Hirsch und die Art. wie diese zur Vertheilung kommen. Die ganze Schuld wird dem Sekretär in die Schuhe geschoben. Der Correspondent scheint ein ganz wackerer Mann zu sein. Er versteht es, wie Adam jedes Ding bei seinem eigentlichen Namen zu nennen (Gen. 2,19). Er nennt die Katze, Katze und Oskar Waldek, einen Schützling der Mission. Oskar Waldek ist aber nur Schriftsteller - Name des Sekretärs der Baron Hirsch'schen 10,000 Gulden - Stiftung. Sein jüdischer Familienname ist Friedländer; aber unter dem Namen Oskar Waldek hat derselbe dahier in Wien vor gar nicht langer Zeit eine Zeitschrift „für Kritik und Reform", von der Mission subventionirt, herausgegeben, und bet der auch Missionäre mitgewirkt haben. Nach dem, was der New-Aorker Herold über die Tendenz der Hirsch'schen 50,000,000 Schenkung für die Juden Rußlands und der 12,000,000 Schenkung für die galiz. Juden veröffentlicht hat, ist diese Thatsache eine geradezu vernichtende. Lange war man bemüht, jene Correspondenz todtzuschweigen, aber endlich mußte doch zur Druckerschwärze gegriffen werden, um den guten Friedländer weißzuwaschen. Jellinek, der Berather des Baron Hirsch und Schleppenträger der Brüder Friedländer (einer soll Sekretär der hies. Israelitischen Alliance sein), übernahm diese Arbeit in einem leitenden Artikel der „Neuzeit"; nur setzte er das I. nicht darunter. Man weiß eben nicht warum; entweder wollte er mit seinem I. die Brüder Fr. nicht decken oder wollte er nicht den Hamagidcorrespondenten herausfordern. Der Leitartikel der

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