Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 30 (1889)
- Issue
- Heft 86 (4.11.1889)
- Date
- 1889-11-04
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
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1482 im Alter von 92 Jahren. — In der Somogycr Gemeinde Böhönye wurde jüngst die wegen ihrer Wohlthätigkeit allgemein beliebte junge Gattin des Pächters Margalit gcb. Löwy zu Grabe getragen. Am Sarge sprachen der Kaposvarer Rabbiner und der reformirte Seelsorger und die Beisetzung erfolgte unter Glockengeläute. Die Budapester aut. orth. Judengemeinde hat kein Glück bei der Wahl ihres künftigen Rabbiner,. Nach Lazar Löw in Unghvar, wählte die Gemeinde den Lberrabbiner Launen bäum von Puttnok mit Stimmeneinhelligkeit zu ihrem Ober- Rabbiner. Nun schreibt man aus Puttnok: „Als dies bekannt wurde, begab sich der hiesige Vorstand mit dessen Präses an der Spitze in die Wohnung des Rabbiners, um ihn dringend zu ersuchen, daß er den Posten nicht annehme und weiter hier verbleibe. Der Rabbiner, gerührt von diesem Beweise der Liebe und Verehrung, sagte sein Weiterverbleibcn zu, so schmeichelhaft auch die Wahl für ihn gewesen sei. Dieser Entschluß hat in den Kreisen der hiesigen Gemeinde lebhafte Befriedigung hervorgerufen." D. H. 8. Preßburg, 10. October. Der hiesige königt. Gerichtshof vcrurtheilte am 23. d. den Rabbiner Winter aus Magyarfalva zu einer Gefängnißstrafe von 6 Monaten, weil er bei einem Paare die Trauung vor der gesetzlich vorgeschriebenen Verkündigung vornahm. Der Fall ist für uns ebenso beschämend, wie bedauernswerth. Obwohl die berüchtigte antisemitische Presse die Angelegenheit hiezu benützt, für sich neues Material zu verschaffen, würde ich cs doch unterlassen, von der Sache Notiz zu nehmen, wenn ich nicht Ursache hätte zu glauben, daß diese Angelegenheit in einer allgemein verbreiteten jüdischen Zeitschrift besprochen, zur Verbesserung der Lage so mancher Rabbiner in den kleineren Städten viel beitragen könnte. Wer Gelegenheit hatte, sich persönlich zu überzeugen, was für Molesten und gar oft Gefahren solch ein Rabbiner aus dem Lande ausgesetzt ist, wird sich dieser Ansicht gewiß anschließen. Es ist nämlich gesetzlich vorgeschricben, daß jeder Trauung eine Zmalige Verkündigung an 3 Samstage vorausgehen müsse. Nun kommt cs oft vor, daß die iuteressirten Parteien diese Vorschrift nicht beachten und die nöthigen Schritte zu thun verabsäumen, der Tag der Hochzeit ist jedoch schon unwiderruflich festgesetzt, die Einladungen schon ausgeschickt re. Man kommt zum Rabbiner, um ihn zur Vornahme der Trauung aufzufordern; da nützt keine Weigerung und Entschuldigung. Man verspricht, man bittet, man droht mit Anfeindungen gefährlicher Art, bis man endlich den Betreffenden, wenn nicht mit Gutem, so noch mit mehr Schlechtem gleichsam zwingt, das Gesetz unbeachtet zu lassen. Was für Folgen solch eine Handlung nach sich zieht, beweist zur Genüge der angeführte Fall, wo noch, nebenbei bemerkt, mit Milde vorgegangeu wurde. Es sei dies daher eine strenge Warnung denen, die leider manchmal in solche Lage kommen und ein noch eklatanteres Beispiel für die ans dem Lande Wohnenden, daß sie ihren m zu keiner ungesetzlichen Handlung zwingen sollen; da sie hiedurch nicht nur sich selbst schaden, (denn eine solche Trauung wird vom Gesetze nie anerkannt) den Rabbiner seines Amtes und Brodes berauben, sonder» auch einen „Chilul Haschem" sondergleichen veranlassen. L. G-g. Budapest. Wie das heutige Amtsblatt meldet, hat der König auf Vorschlag des Unterrichtsministers Grafen Albin Czakh mittels eines ans Eisenerz, 10. October, datirteu Dekrets dem bekannten Reichstagsabgeordneten, Advokaten und Privatdozenten an der hiesigen juridischen Fakultät Dr. Armin Neumann den Titel eines außerordentlichen öffentlichen Professors für Handels- und Wechselrecht, mit der seiner Qualification als Privatdozent entsprechenden Bortragsberechtigung verliehen. Es ist dies eine Auszeichnung, die eine ehrende Anerkennung für die hervorragenden Verdienste bedeutet, die sich Dr. Neumann auf wissenschaftlichem Gebiete, namentlich auf seinen großar.gelcgten Kommentar zum ungarischen Handelsrecht und durch anderes tiefes Wissen verrathende Arbeiten erworben und die aus diesem Grunde allseitige Befriedigung Hervorrufen wird. Törökbeese. Der Temesvarer griechisch nichtunirte Bischof, serbischer Nationalität, Herr Georg Ban ko Vits, besuchte anläßlich der amtlichen Bereisung seines Bisthums auch unser Städtchen. Eine Deputation der hiesigen Jsraelitengemeinde unter Führung des Rabbiners Herrn Philipp Pollak, machte ihre Aufwartung, und auf die Ansprache derselben gab der Bischof die folgeude, hochbcdcutsame Antwort: „Es freut mich, hier in Törökbecse bemerken zu können, daß alle Eonsessionen friedlich nebeneinander leben. Nur das einträchtliche und brüderliche Zusammenwirken aller Gesellschaftsklassen kann das Wohl des Staates fördern. — Ich achte und schätze die Juden wegen ihrer Begeisterung für den Glauben, sowie wegen ihrer Opferwilligkeil; ich mahne auch bei jeder Gelegenheit meine Gläubigen, sich die Juden als Muster vor Augen zu halten. Die anderen Con-