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Der Israelit · 1889-11-04 · Heft 86 (4.11.1889) · page 13

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Journal
Der Israelit
Volume
30 (1889)
Issue
Heft 86 (4.11.1889)
Date
1889-11-04
Page
– (sequence 13)
Language
German
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1481 Stern ersuchte den brutalen Nachbar, derselbe möge ihn doch in Ruhe lassen, da er ihm ja nichts in den Weg gelegt habe, Dworzak stand aber auf, faßte Stern bei der Gurgel, riß ihm die Cravate, das Gilet und das Hemd herunter und versuchte ihn niederzuwerfen. Nunmehr sah Stern ein, daß jedes weitere Verweilen die Gefahr für ihn steigere, und entfernte sich. In Folge der von ihm eingebrachten Klage hatte sich Dworzak vor dem Bezirksgerichte Schwechat wegen der Uebertretung der Ehrenbeleidigung zu verantworten. Dworzak gab als möglich zu, sich in der erwähnteu Weise benommen zu haben, schützte aber vor, ziemlich betrunken gewesen und von seinen Nachbar aufgereizt worden zu sein. Die vernommenen Zeugen bestätigten, daß der Kläger in keiner Weise Dworzak zu seinem Vorgehen Anlaß gegeben habe. Der klägerische Vertreter Dr. L. Mandl plaidirte auf Anwendung des strengeren Strafsatzes des f§ 496 und Verhängung einer angemessenen Arreststrafe, indem er die Aufreizung gegen eine ganze Religions- Gesellschaft und die Gefährlichkeit der Situation als erschwerend bezeichnete. Der Richter verhängte über Dworzak strengen Arrest in der Dauer von vierzehn Tagen, verschärft mit zweimaligem Fasten, indem er als erschwerend hervorhob die besondere Rohheit der Beschimpfungen, die Grundlosigkeit derselben, die Gefahr, welche für den Privatkläger vorhanden war, nachdem diese Beschimpfungen während einer antisemitischen Versammlung stattfanden, und endlich auch die Erwägung, daß in den incriminirten Aeußerungcn eine absichtliche Geringschätzung einer Religions-Genoffenschaft gefunden werden muß. Der Verurtheilte meldete die Berufung an. Vor dem Bezirksgerichte Währing fand gestern eine Verhandlung über die Klage des Beamten der Assicurazioni Generali, Adolf Pollitzer, gegen Marie Aumann statt. Die Geklagte war Hausbesorgerin in dem Hause, in welchem der Kläger Sommerwohnung genommen hatte. Eines Morgens wird die Familie des Klägers durch großen Lärm geweckt. Herr Pollitzer öffnete das Fenster und nimmt war, daß der Lärm von Frau Aumann herrühre und sie über seine Kinder raisonnire, weil dieselben einige Blumen abgepflückt haben sollen. Als Herr Pollitzer Frau Aumann zur Ruhe mahnte, beschimpfte sie ihn mit den Worten: Sie dalketer jüdischer Affl Sie S . . jud! u. s. w. Der Vertreter des Klägers, Dr. Nechansky, erklärte in seinem Schlußantrage, daß es ihm zwar ferne liege, in den Gerichtssaal Fragen hereinzutragen, welche nicht hierher gehören, daß er aber sich für berechtigt halte, darauf hinzuweisen, daß sich in dem Verhalten der Geklagten eine absichtliche Geringschätzung einer Religions-Genossenschaft kund gebe, und verlangte daher die Anwendung des im §. 496 enthaltenen schweren Strafsatzes. Der Richter v. Haydt, verurtheilte die Geklagte zu vterundzwanzig Stunden strengen Arrests. Aus Ungarn. In Großwardein hat jüngst die dortige 150 Jahre alte Chewra Kadffcha ihr Jahresbankett abgehalten. — Daselbst starb im Alter von 72 Jahren der Rabbiner Samuel Deutsch. Derselbe war lange Zeit Rabbiner von Bekes-Gyuala, kam dann nach Groß Wardein, wo er bis zu seinem Ableben als Vortragender des „Jüdischen Unterstützungsvereins" wirkte. Der Verblichene besaß außer bedeutender theologischer, auch eine umfassende weltliche Bildung. — In Gajar (Gairing) im Preßburger Comitat, leben unter 5000 Einwohnern ungefähr 40 jüdische Familien, welche ihren eigenen Gottesacker haben. Jüngst haben zwei Miffethäter denselben förmlich geschändet. Die Grabsteine wurden zertrümmert und eine vor Kurzem beerdigte Kinderleicht ausgegraben und auf den Anger geworfen! — In Galgücz feierte der jüdische Lehrer D avid Feld heim sein 40jähriges Jubiläum. An der Feier betheiligte sich die gesammte Intelligenz der Stadt, darunter auch zahlreiche Damen und die Geistlichen aller Konfessionen. Oberrabbiner Dr. Moritz Klein hielt die Festrede. Kön. Rath Anton Steinbach beglückwünschte den Jubilar im Aufträge des Obergespans Hertelendy, welcher krank ist und daher nicht persönlich erscheinen konnte. Advokat Michael als Präses der isr. Cultusgemeinde übergab dem Gefeierten die Prachtadresse der Gemeinde und das Ehrengeschenk von 50 Dukaten. Bürgermeister Dr. Kr oztics beglückwünschte Feldheim im Namen der Stadt. Dergleichen beglückwünschte Feld heim der Ordenspriester und Director des Obergymnasiums Rappensberger. Dr. Samuel Mangold übergab dem Gefeierten im Namen der nahen und fernen Schüler ein Ehrengeschenk, bestehend aus 1000 fl. Gold-Rente. — Der Pesther Großhändler Max Bettelheim spendete ein Paraucheß im Werthe von 600 fl. für den Galgüzar Kultustempel. — Die Pariser Edelsteinhändler Ignaz undSamuelSeszler spendeten eine werthvolle Kollektion von Edelsteinen der Galgozer isr. Volksschule. — In Stuhlweißenburg starb Jacob Cohn aus Högyvtz

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