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Der Israelit · 1889-11-04 · Heft 86 (4.11.1889) · page 12

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Journal
Der Israelit
Volume
30 (1889)
Issue
Heft 86 (4.11.1889)
Date
1889-11-04
Page
– (sequence 12)
Language
German
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1480 planzur Leitung der Wahlen in der Regel Geheimniß der vom Vertrauen der Wähler getragenen Centralleitrnig bleibt, so vermögen wir nicht gut zu fassen, wie sich dies bei der Doppelstellung des erwähnten Repräsentanten gestalten wird. Wir wollen abwarten, welche Lösung dieser complicirte Wahlknoten finden wird, da unser bescheidener Unterthanenverstand hier nur einen Ausweg kennt. Die Kunst zweien entgegenstehenden Parteien getreulich zu dienen, ist noch nicht entdeckt worden. D—r. Berlin. Wir haben wieder ein recht erfreuliches Ereigniß zu verzeichnen, das uns über den trostlosen, religiösen Niedergang in der Residenz hinweghebt. Wieder hat eine jüdische Gemeinde, die seit Jahrzehnten ihre geistlichen Hirten aus dem Kreise der sogenannten Mittelpartei gewählt hat, einem gesetzestreuen Candidaten den Vorzug gegeben. Wie die hochansehnliche Gemeinde Ratibor, so hat auch das intelligente L a u e n b u r g i. P. in der Person der Dr. D. Mannheimer einen Rabbiner erkoren, in dessen streng religiösen Charakter ihr ein ganzes und klares Programm gegeben ist. Die Gemeinden wissen wohl, daß die Männer, welche aus dem Berliner Rabbinerseminar hervorgehen, die Unantastbarkeit der schriftlichen und mündlichen Gotteslehre auf ihre Fahne geschrieben haben, daß dieselben wohl dem Zeitgeiste gerechte Würdigung entgegenbringen, aber für den Tagesgötzen, der sich im fortwährenden Verneinen unserer ewigen Satzungen gefällt, keine Sympathien haben. — Herr Dr. D. Mannheimer, der den Lesern dieses Blattes nicht unbekannt ist, verstand es, die Herzen seiner Zuhörer im Sturme zu erobern, so daß unmittelbar nach dessen am Sonnabend ru 's gehaltenen Probepredigt, die einstimmige Erwählung desselben zum Gemeinderabbiner und Dirigenten der Religionsschule erfolgte. Die letztere Stellung wird Herr Dr. M., der sich hier als Lehrer der Religionsschule Adaß- Jisroel vorzüglich bewährt hat, Gelegenheit bieten sein reiches pädagogisches Wissen zu verwerthen .und die empfänglichen Herzen des jungen Geschlechtes an die imnier herrlich blühenden Auen der Religion zu geleiten. — Mögen Gemeinde und Rabbiner, vom Geiste -der Einmüthigkeit, nur Heilsames im Dienste Gottes und seiner ewigen Lehre vollbringen. Berlin. Die „N. Pr. Ztg.", die jetzt ihr brennendes Verlangen die deutschen Juden zu schmähen, nicht stillen kann, versucht sich schadlos zu halten, indem sie das „grenzenlose Ueberhand nehmen des Jud enthums" in Galizien tief beklagt. Doch wer verschuldet dieses Anwachsen der Israeliten, die an Zahl und Einstuß von Jahr zu Jahr zunehmen? Das genannte Blatt macht den polnischen Adel dafür verantwortlich, der den Bauernstand immer mehr ausbeute und dadurch in die Arme des „polnisch-demokratischen Judenthums" treibe. — Ins Unbefangene übertragen würde dieser Bericht also lauten: Die galizischen Bauern sind endlich einmal zur Erkenntniß gelangt, daß der Mensch nicht, wie Fürst Kaunitz versichert, erst beim Baron anfängt, sondern daß auch sie ein ehrliches Anrecht auf ein menschenwürdiges Dasein haben. Da die Israeliten gleichfalls dieser — nach der N. Pr. Zt. demokratischen Ansicht huldigen, so ziehen es die „einfältigen" Bauern vor an der Seite ihrer Gesinnuttgsgenossen und Wohlthäter zu kämpfen, als sich von den Hochgeborenen gnädigst verspeisen zu lassen. — Nur um nicht ganz aus der Uebung zu kommen, und weil es doch einmal zur süßen Gewohnheit geworden ist, die Juden mit allerlei Schmutz zu bewerfen, wird auch Herr v. Bleichröder mit seinen Silberlingen der Vergessenheit entrissen. Wir erlauben uns unsere hochgeborene Collegin darauf aufmerksam zu machen, daß H. v. B. nur mit den sehr zarten Fäden der Steuerrolle mit uns verbunden ist, daß wir demnach die Streiche, welche gegen dieses Haupt geführt werden, nicht Mitempfinden. Doch vielleicht schießt die „Hammersteinerne" nach einem höheren Ziel. N. D. Oesterr.-Ungar. Monarchie. Wien. Für Sonntag den 22. September d. I. hatte der Reichsraths - Abgeordnete Vergani in Oberlva bei Schwechat eine Versammlung einberufen, bei welcher sich eine große Menschenmenge sich einfand. In der Nähe des Versammlungsortes befindet sich das Gasthaus „zur Rose", welches bei. diesem Anlasse von sehr vielen Antisemiten besetzt war. Unter den Gästen befand sich der jüdische Kleiderhändler Emanuel Stern, ueben welchem der in Wien, Favoriten. Waldgasse Nr. 17, wohnhafte Fuhrwerksbesitzer Joseph Dworzak eine geraume Zeit saß, ohne an seinem Nachbar irgend welchen Anstoß zu nehmen. Da mit Einemmale wendete er sich an Emanuel Stern mit der Frage: „Mir scheint, Sie sind ein Jud'?" Als Stern diese Frage bejahte, versetzte Dworzak ihm einen Stoß in die Seite und fragte ihn nochmals: „Sind Sie ein Jud'?" Nachdem Stern diese Frage auch das zweitemal bejaht hatte, gab ihm Dworzak abermals einen Stoß und fügte hinzu: „Wenn Sie nicht fortgehen, schmeiße ich Sie nieder, daß Sie hin werden, ein Jud' darf nicht an unserm Tische sein."

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