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Der Israelit · 1889-11-04 · Heft 86 (4.11.1889) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
30 (1889)
Issue
Heft 86 (4.11.1889)
Date
1889-11-04
Page
– (sequence 11)
Language
German
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1479 auä) ba wo er um seine eigenen, menschlichen Anliegen bittet. Deßhalb öffnet sich Gottes reiche Segensfülle erst nachdem der menschliche Mund sich öffnet und sich durch die ihm entgnillende Gotteshuldigung des Gottessegens würdig macht. Erlangen wir doch auch sonst naturgemäß keine von den höchsten bis herab zu den gewöhnlichsten Errungenschaften des Lebens ohne unser Zuthun. Der reichste Schatz liegt todt und werthlos da, wenn ihn niemand hebt, wenn sich niemand bücken wollte, um ihn aufzunehmen; und wir könnten verlangen, daß die höchsten Güter des Lebens uns ohne unser Zuthun zu Theil würden!? Vom Säugling an der Mutterbrust bis zum vollendet ausgebildeten Menschen, spricht sich diese Wahrheit in allen Lebensphasen unverkennbar aus. In der Mutterbiust quillt der Quell für die Erhaltung und Erstarkung des Säuglings. Aber das Kind könnte neben diesem seinem Lebensborn der Entkräftung und dem sicheren Tode verfallen, wenn es keine Thätigkeit entwickelte, um diese Quelle sich nun auch zuzuführen. Die höchsten Blüthen menschlicher Vollkommenheit, alle Vorzüge des Geistes und Herzens, Weisheit, Einsicht und Herzensbildung müssen von dem, der sie besitzen möchte, errungen imb in Geist und Gemüth ausgenommen werden, wie die erste Nahrung dem Körper zugeführt wird. 4) Reich ist unser Schriftthum an Metaphern, welche den im Gebete die Verbindung mit Gottes Vaterliebe suchenden, mit dem Kinde au der Mutterbrust vergleichen, als sollte uns vom ersten Eintritt in die Welt der Gedanke nahegelegt werden, dieselbe Art und Weise, mit der wir unsere uothwendigsten irdischen Bedürfnisse zu befriedigen streben, ist auch Gott gegenüber für die höchsten menschlichen Anliegen die allein zum Ziele führende.2) Als aber diese tägliche Erfahrung sich zwei Jahrtausende nicht als genügend erwies, um die 1) Auf diese Gleichartigkeit der Zuführung der ersten körperlichen und geistigen Nahrung verweist ddn (Berachoth lo) i mit den Worten ru’3 DlpEO □,Tini? Wenn der Weiseste der Weisen zur nm auspornen will, so mahnt er (nach Berachoth 57) geradezu „Mutter" zu nennen nj’3? DN ’D tnpn. . , , 2) Man vergl. Ps. 131. 2. 'dp?«3JD ’tPSJ ’IPSJ 'dp ferner Pj. 103. 3. TDtrn 'H HN do. Die oben erwähnte Bemerkung von HDN '~i Berachoth 10 lehnt sich an diese Pfalmstelle resp. an das Wort an. Auch der gewöhnliche Ausdruck läßt die uns von Gottes Liebe zufließenden Wohlthaten nnter diesem Bilde begreifen. — Man vergl. auch die Ableitung des Wortes DNT; von orn in Hirsch's Pentateuch Commentar zu II. B. M. 34. 6. Menschen zum Gebete zu führen, veranstaltete die göttliche Vorsehung in den ersten Anfängen des jüd. Volkes eine ganze Verkettung von wunderbaren Fügungen, die sich geradezu zu einer Geschichte des ersten Gebets gestalten, und zu ihrer richtigen Würdigung einen Excurs auf die Lebensgeschichte des ersten Beters erfordern. (Fortsetzung folgt.) Zeitnngsttachrichten und Eorrespondeuze«. Deutschland. A. Berlin. Der „Centralverein zur Vorbereitung der jüdischen Gemeindewahlen" versendet nachstehendes Einladungsschreiben: Berlin 25. October 1889. Geehrter Herr College! Angesichts der nunmehr für den 26. November cr. festgesteüten Repräsentantenwahlen laden wir Sie zu der am Dienstag, den 29. ds., Abends 81/2 Uhr, in den Gratweil'schen Bierhallen, Kommandantenstr. 77/79 stattfindenden Versammlung sämmtlicher Vorstandsmitglieder der 5 Sectionen ergebenst ein. Tagesordnung: l. Mittheilung des vom Centralvorstand festgesetzten Wahlprogramms und Besprechung desselben; 2. Berathung über die nunmehr sofort zu beginnende Wahlagitation. Es erübrigt wohl Sie wieder auf die ganz besondere Wichtigkeit dieser Versammlung aufmerksam zu machen, und Ihr bisher betätigtes Interesse verbürgt uns Ihr pünktliches Erscheinen. Mit Hochachtung Siegs riedLeichtentritt, Vorsitzender, Brückenstraße 7. Alex Haber, Schriftführer, Alexanderstr.22. Wie die Herren vom Centralvorstande sich eine Wahlagitation denken, und welche Ziele sie derselben zu geben beabsichtigen, das ist uns vorläufig noch nicht recht klar. Der erste Anstoß zu der offensiven Bewegung ging von dem Vorsitzenden der 75er Commission, dem Fabrikanten I. Weinberg aus. Derselbe verstand es vortrefflich die Schwächen der beiden Gemeindebehörden in schlichter und bündiger Art vor den versammelten Gemeindegliedern bloszulegen. Auf Grund dieser überraschenden Enthüllungen, welche die Zuhörer über die Schäden in der Gemeindeverwaltung ausklärten, entschlossen sich viele hunderte Gemeiudemitglieder in den Wahlvereiu einzutreten, für dessen Bildung Herr Weinberg mit aller Wärme plaidirte. Nun ist aber, merkwürdiger Weise, ein Mitglied des bisherigen Repräsentanten-Collegiums in den Vorstand desWahl- * Vereins gewählt worden. Da nun der Schlachten-

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