Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 30 (1889)
- Issue
- Heft 86 (4.11.1889)
- Date
- 1889-11-04
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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16 nugthuung aller der Menschenfreunde, die zum Gedeihen dieses schönen Werkes beigetragen haben, dass im abgelaufenen Jahre fünfundzwanzig arme verwaiste Kinder des vollen Segens einer guten körperlichen Verpflegung und einer sorgfältigen, geistigen und sittlichen Erziehung theilhaft geworden, dass ferner über hundert jüdischen Kindern in der heiligen Stadt ein geregelter Schulunterricht und das Nothwendigste an Nahrung und Kleidung gewährt wurde, und endlich, dass dieser Unterricht nach dem Urtheile von Fachmännern dem best organisirten europäischen nicht allzuweit nachsteht. Je mehr wir aber Grund haben, mit diesem Ergebnisse zufrieden zu sein, um so inniger und herzlicher müssen wir die Freunde dieser guten Sache bitten, uns auch weiter zu unterstützen. Die fünfundzwanzig Waisen, die schon das Glück einer für sie sorgenden, sie schützenden Obhut kennen, und die hundert Kinder, deren jugendliche Herzen den Segen einer systematischen Ausbildung empfinden, wären wieder verlassen, ihrem früheren Elende wieder anheim gegeben und jeder Hoffnung auf eine menschenwürdige Existenz beraubt, Alles, was an ihnen geschehen, wäre verloren, wollten nicht unsere Mitarbeiter auch ferner ihre thätige Menschenliebe diesem edlen Werke zuwenden. Darum erkaltet nicht, edle Brüder und Schwestern, in Eurem opferfreudigen Werke der Hilfe und des Beistandes! Erhaltet unserem Waisenhause und unserer Schule ihr Wachsthum, ermöglicht ihnen ein kräftiges Aufblühen, damit immer mehr Kinder ans dem Elende gerettet, damit immer mehr Kindern durch den Segen eines geordneten Schulunterrichts der Weg könne gebahnt werden aus Kummer zu freudigem Schaffen, aus dem Verfall zu reinem Streben, und damit in dem Lande der ruhmvollen Vergangenheit ein Geschlecht erblühe, das im Glauben der Väter fest und treu, in der Arbeit stark, in den Sitten rein und in der menschlichen Gesellschaft geachtet dastehen könne! Der Vorstand des Vereins zur Erziehung jüdischer Waisen in Palästina. Rabb. Dr. Horox<itz, Vorsitzender, in Frankfurt a. M. Adolf Baer-Goldschmitt, St. d. V. „ Dr. H. Hememann, Schriftführer „ Seligtnann M. Goldschmidt, St. d. Sehr. „ Henry Selig man, Cassier „ M. Gottschalk Leivy, Ehrenpräsident, in Berlin. Der Verwaltungsrath des Vereins besteht aus den Herren: Jacob S. Posen, Vorsitzender in Frankfurt a. M. Charles L. Hallgarten, Stellvertr. „ Alfred Geiger, Schriftführer in Frankfurt a. M. Joseph Baer-Friedmann „ Leopold Hamburger „ Felix Sachs „ M. T. Sondheimer „ M. J. Bodenstein in Berlin, Rabb. Dr. -F. Cohn „ C. Lachmann, Stadtrath „ Gustav Lözvenberg „ Rabbiner Dr. Ungerleider „ Prof. Dr. Grälz in Breslau, Ascher Levy „ Polzin, O Bezirkarabb. Dr. Salvemli, Ehrenmitgl. „ Dürkheim, Henry A. Franklin, „ „ London. Emanuel Baumgarten „ Wien, als Vertreter der von Lämmelschen Stiftung. —- II. Urtheile, die uns über die Prüfung zugegangen sind. Dieselbe erstreckte sich auf Biblische Geschichte, Rechnen, Arabisch, Deutsch, Geschichte, Geographie, Anschauung, Hebräisch (Propheten, Grammatik, Talmud), Englisch und Französisch, und währte von 8 bis V/3 Uhr. Der K. K. österreichisch-ungarische Consul Herr Ritter von Strautz schrieb unterm 28. März: Der Eindruck der heutigen Prüfung auf mich war, dass die Schule sich jeder anderen hiesigen Lehranstalt ebenbürtig an die Seite stellen kann. Dass die deutsche Sprache in Jerusalem Unterrichtssprache für die israelitische Jugend sein kann, dürfte wohl nicht mehr zu leugnen sein. Aber: Nil sine magno vita labore dedit mortalibus. Meine Glückwünsche zu dem schönen Resultate! Jerusalem, den 28. März 1889. (gez.) v. Strantz. Der Kaiserlich deutsche Consul Herr Dr. von Tischendorf schrieb unterm 31. März: Auf Ersuchen des Herrn Dr. Herzberg, demselben den Eindruck mitzutheilen, welchen die Prüfung vom 28. März d. J. auf mich gemacht hat, bezeuge ich demselben gern, dass mir der Verlauf der Prüfung ausserordentlich gefallen hat, und freue ich mich, für die vortrefflichen Leistungen sowohl den Schülern als den Lehrern der Anstalt hierdurch meine volle Anerkennung aussprechen zu können. Ich wünsche der Schule ferneres Gedeihen und glückliches Fortschreiten auf dem betretenen Wege. Jerusalem, den 31. März 1889. (gez.) Dr. von Tischendorf. (Schluss folgt.) Druck der Joh. Wirth’schen Hofbuchdruckerei (Oscar Lehmann) Mainz.