Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1889-10-31 · Heft 85 (31.10.1889) · page 11

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
30 (1889)
Issue
Heft 85 (31.10.1889)
Date
1889-10-31
Page
– (sequence 11)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/2446951-2447947-2448007--28947-2476656
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

1463 feit zu einer Widerlegung der vorgebrachten Argumente gegeben seien. Das Neichsgericht beschloß, die.diesmalige Verhandlung blos auf die formalen Einwendungen zu beschränken und erst dann in eine meritorische Verhandlung einzugehen, wenn diese formalen Einwendungen vom Reichsgerichte als nicht stichhaltig erkannt werden sollten. Diese meritorische Verhandlung würde dann in der nächsten Session stattsinden. Nachdem die beiden Parteienvertreter sich über die formalen Einwendungen geäußert, zog sich der Gerichtshof zur Beralhung zurück. Das Reichsgericht beschloß, daß den formalen Einwendungen des Ministeriums des Innern nicht Folge zu geben sei, aus Gründen, welche nachträglich veröffentlicht werden sollen. Präsident Dr. Ungcr kündigte an, daß in der nächsten Session eine neuerliche Verhandlung über die vorgebrachten, der beschwerdeführenden Partei bisher unbekannt gewesenen meritorischen Thatsachen stattfinden werde. Budapest. Ein Spital! Welch' herzbeklemmende, düstere Bilder knüpften sich sonst an diesen Namen; wie graute es uns, wenn wir an die dunklen Gänge, die engen, dumpfen Zellen, die drückende Atmosphäre dachten, ohne welche man sonst ein Krankenhaus sich gar nicht vorftellen konnte, und heute wandelten wir stundenlang durch die Korridore und Krankensäle, durch Magazine und Kellerräume, durch die Operationssäle, ja selbst durch das Leichenhaus des neuen israelitischen Spitals, und wenn wir von dem Gesammteiudruck Rechenschaft geben sollen, müssen wir sagen, daß er ein erhebender war, daß wir ein neues großartiges Monument der werkthätigen Menschenliebe vor Augen hatten. Nicht inmitten des bunten Getriebes des hauptstädtischen Lebens, wie das bisherige Spital in der Fabrikengasse, liegt das neue Krankenhaus, doch auch nicht so weit draußen, daß der Verkehr ein schwieriger wäre. Jenseits der Schienenstränge der Oesterreich-Ungarischen Staatsbahu mit der Hauptfayade in der Szabolcsgafse hineinragend, gegen Süden vom Arenaweg begrenzt, mit der Rückfront in eine bislang namenlose Gasse reichend, gegen Norden von der hauptstädtischen Baumschule flau« kirt, erhebt der freundliche Rohziegelbau sich auf gesundem, von einer mächtigen Sandschichte bedecktem Boden. Frei blickt man nach allen Himmelsrichtungen aus und erfrischende Luftströme bestreichen das Gebäude. Tritt man durch das eiserne Gitter in den Vorhof, von welchem eine sanft ansteigende Rampe zur Hauptpforte emporleitet, so empfängt man sofort den wohlthuendsten Eindruck durch die harmonischen Linien des vom Architekten Wilhelm Freund ausgeführten Baues. Wir stehen vor dem Centralgebäude, das hoch oben unter dem Sims in großen schwarzen Buchstaben die Inschrift trägt: „A pesti izr. Mtközsßg körhäza“ (Krankenhaus der Pesther isr. Kultusgemeinde) und durch seinen kräftig hervortretenden fünffenstrigen Mittelrisalit eine freundliche Gliederung erhält. Das ftockhohe Gebäude hat außer den fünf Mittelfenstern am rechten und linken Flügel je sieben Fenster. Tritt man durch die Mittelpsorte in das einfach gehaltene, geräumige Vestibüle, so schimmern Einem von den Wandfeldern rechts und links vier stattliche graue Marmorplatten entgegen, welche die Namen der Wohlthäter — d. h. jener Männer und Frauen, die eine Summe von 5000 fl. zum Spital beitragen — zu verewigen bestimmt sind. Sehr vornehm wirkt die doppelarmige Freitreppe, die aus dem taghellen Stiegenhause in das erste Stockwerk emporführt. Doch es hieße das eigentliche Wesen der neuen Anstalt verkennen, wollte man bei architektonischen Einzelheiten lange verweilen. Nicht in den äußeren Formen, nicht in der Schönheit des Styls, sondern in der Zweckmäßigkeit und seltenen Vollendung aller hygienischen Einrichtungen liegt die Größe der neuen Anstalt. Wenn man dieselbe unter der liebenswürdigen Führung eines Mannes wie Professor Dr. Julius Böte, der als Präsident des Spitalbaucomites die Seele und der leitende Geist der Anlage war, gründlich besichtigt hat, so weiß man, daß man ein Musterinstitut ersten Ranges kennen gelernt hat. „Licht uud Luft!" war die Devise, welche den Erbauern vorschwebte und wahrlich kein einziger Raum im ganzen Krankenhause entbehrt dieser beiden Hauptattribute. Die ganze Anlage ist nach dem System der Dezentralisation ausgeführt und zerfällt in fünf Bauten, welche auf einem Areale von 15.091 Quadratmeter eine bebaute Fläche von insgesammt 3647 Quadratmeter bedecken, so daß der freundlich parkirte Hof an 11.000 Quadartmeter Raum hat. Nach ihrer Bestimmung sind die einzelnen Bauten folgendermaßen eingetheilt: Im Centralgebäude, bei dessen Einrichtung hauptsächlich auf die ambulanten Kranken Rücksicht genommen wurde, sind die Räume im Erdgeschoß und im linken Flügel deS ersten Stockwerkes für Augenkranke, der rechte Flügel für interne Krankheiten eingerichtet. Für die ambulanten ^Kranken befindet sich im Erdgeschoß die Aufnahmekanzlei, rin großer Wartesaal und die Ordinationszimmer des Primarius — Privatdozent Dr. Adolf Szili —, im Korridor befindet sich die Wohnung

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.