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Der Israelit · 1889-10-31 · Heft 85 (31.10.1889) · page 12

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Journal
Der Israelit
Volume
30 (1889)
Issue
Heft 85 (31.10.1889)
Date
1889-10-31
Page
– (sequence 12)
Language
German
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des SekundarzteS und neben derselben der wirklich überaus bescheiden gehaltene BerathungSsaal des Spitalvorstandes, wie denn überhaupt die sogenanten Luxusräume mit lobenswerlher Sparsamkeit, dagegen Alles, was für die Kranken bestimmt ist, mit dem größten Komfort auSgestattet ist. Non den 120 Kranken, für welche das neue Spital Belegraum faßt — es können übrigens ohne jede Gefährdung deS Heilzweckes bequem 180 Kranke untergebracht werden, so weit und groß sind die Säle — können im Centralgebäude 20 und überdies in Extrazimmern noch 8 Kranke untergebracht werden. Man muß in einen dieser für je 8 Kranke eingerichteten Säle treten, um von der wahrhaft wohligen Athmosphäre derselben einen rechten Begriff zu erhalten. Im Vorraume hat die Wärterin ihr Zimmrrchen, aus welchem sie durch ein Fenster in zwei Säle blicken kann. Eine „Theeküche" neuesten Systems gibt ihr stets das nöthige warme Wasser, oder hält ihr die Speisen warm. Im Saale stehen je vier Betten an einer Längenwand, für jeden Kranken sind 51 Kubikmeter Luft, für jedes Bett 11 Quadratmeter Saalraum vorhanden. Das Ideal eines Krankensaales. Bei jedem Krankensaal befindet sich ein Reconvalezentenzimmer, in welchem die bereits genesenden Kranken, ohne ihre leidenden Gefährten zu stören, konversiren können. Mit welcher Sorgfalt die Einrichtungen für die Kranken getrosten sind, beweist der Saal für Augenlcidende, dessen Fenster mit Milchglas versehen sind, dessen Jalousien durch eine sinnreiche Vorrichtung jede Lichtnuance zu erzeugen gestatten. Auf den breiten Hellen Korridor des ersten Stockes mündet der freundliche Betsaal, der für 50 Männer und 25fFrauen eingerichket, trotz seiner schlichten Einfachheit einen feierlichen Eindruck macht. Verläßt man daS Centralgebäude, dessen Souterrainlokalitäten theils als Magazine, theils als Wohnungen für die Bediensteten verwendet sind, so gelangt man in den großen Hof, durch den gedeckte Gallerten zu den übrigen Pavillons führen; rechts zur chirurgischen — Primarius Dr. Jonas Baron —, links zur internen Abtheilung — Primarius Prof. Dr. Berthold Stiller. — In der ersteren sind die im Halbrund gebauten Operationssäle im Erdgeschoß und im 1. Stock wunderbar eingerichtet, und die Sammlung ärztlicher Instrumente, zu deren Beschaffung Dr. Rozsay 5000 fl. gewidmet hatte, wird ein Spezialität für sich. Hier mag bemerkt werden, daß, mit Rücksicht auf das antiseptische Verfahren, auf jedes Einrichtungsstück die größte Sorgfalt verwendet wurde, so daß z. B. in den Instrumenten und Verbandschränken gläserne Fächer sind. In der chirurgischen Abtheilung haben 40 Kranke — 4 Säle zu je 8 Betten und 8 Extrazimmer —, in der für interne Krankheiten 60 — 5 Säle zu je 10 Betten und 10 Extrazimmer — Kranke Raum. Der Hintergrund des Hofes bildet das große Wirthschaftsgebäude, dessen Hauptbestandtheil die wahrhaft überraschend angelegte Küche bildet. Das nicht am wenigsten interessante Kapitel wäre über die vortreffliche Einrichtung der Heizung — Niederdruck-Dampfheizung mit Donneley'schem Rost — und der Ventilation zu schreiben, doch erforderte dasselbe eine fachmännische Darstellung und das Eingehen in die kleinsten Details. Daß für Bäder und Waschapparate genügend gesorgt ist, daß sonst allen Bedürfnissen genügend Rechnung getragen, daß Telephons- und Telegraphenleitung eingeführt ist, erscheint nach dem Gesagten wohl als selbstverständlich. Noch eines Gebäudes haben wir zu gedenken, jenes stillen Hauses, das von jungeir Bäumen umstanden, dereinst in ernsten Schatten gehüllt sein wird, wie e8 für das Leich, nhaus geziemt. Seit einigen Tagen erst ist das neue Krankenhaus seiner Bestimmung übergeben worden. Noch ist manche Kleinigkeit unvollendet, doch der Hauptsache nach ist alles so fertig und vollendet, daß die 28 Kranken, die es birgt, sich in den hellen, lustigen Sälen, deren Riesenfenstern ein wirkliches Meer von Licht einströmen lassen, sich sichtlich wohl fühlen. Die ambulanten Kranken finden sich, wie wir aus dem auflicgendcn Ordinationsbuche ersehen, recht zahlreich ein, und von der befürchteten Störung durch die vorbeifahrcnden Eisenbahnzüge haben wir während des ganzen Nachmittags nichts verspürt. Ab und zu hört man einen leifcii Pfiff der Lokomotive, das ist aber auch Alles. Gleichzeitig mit uns war auch der Abgeordnete Moritz Wahrmann erschienen, dessen Opfcrwilligkeit und energischer Wirksanikeit das Ausbringen der Baukosten — an 500.000 fl. — zum guten Theil zu danken ist. Wohl wäre da noch eine ganze Reihe von eifrigen, humanen Männern zu nennen, die sich um das Zustandekommen des neuen Krankenhauses unsterbliche Verdienste erworben haben, doch dazu wird sich anläßlich der im November stattfindenden feierlichen Einweihung Gelegenheit finden. Unsere Aufgabe war diesmal nur eine Schilderung dessen, was wir niit wahrer Herzensfreude, mit gehobenen Empfindungen gesehen und bewundert haben. —d. England. London , 24. October. Unter der jüdischen Arbeitcrbcvölkerung im Ostende Londons findet eine Agitation statt, welche auf eine Verkürzung der Arbcitszeits abzielt und mit einem allgemeinen Strike zu enden droht, falls die Meister nicht nachgeben. Es sind hauptsächlich Schuster, Uhrmacher, Hutmacher Pelzarbeiter, Drechsler und Bäcker. Diese letzteren haben einen Zwcigverein des großen Londoner Gewerkcvereins der Bäckergesellen gebildet und werden mit diesen am 9. November striken, falls der zehnstündige Arbeitstag nicht gewährt wird. Es ist ein Gewerke-Rath aller jüdischen Arbeiter im Ostende gegründet worden, in dem alle Gewerke vertreten sein werden. Thatsächlich fand diese Gründung vor dem Strike der Schneider statt, und die Vereinigung aller Gewerbe hat durch den erfolgreichen Ausgang dieses Ausstandes neues Leben erhalten. Herr Winsberg ist Präsident, Herr Wiß, Schriftführer. Lord Rothschild wird Ende der Woche in der Toynbec-Halle, wo sich der jüdische Gewerke-Rath konstituiren wird, den Vorsitz führen. Nach Konstituirung des Vereins tritt eine Regel in Kraft, daß nur solche Arbeiter als Mitglieder ausgenommen werden, welche sich über den Besitz einer gewissen Befähigung in einem Gewerke ausweisen können. Durch diese Vorschrift soll die Einwanderung ungeübter Arbeiter beschränkt werden. _

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