Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 30 (1889)
- Issue
- Heft 85 (31.10.1889)
- Date
- 1889-10-31
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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XXX. Jahrgang. BrilllgeM^8ZSes,,Isrnellt"L,Leschurun". Zeitungsnachrichten und Correfpondenzen. Deutschland. München. Professor Dr. Fritz Hommel hier, eine der ersten deutschen Autoritäten für die Erforschung der Geschichte und der Sprachen der semitischen Völker, veröffentlicht in der Münchener Allgemeinen Zeitung einen Artikel über die zahlreichen und werthvollen Stein - Inschriften , welche der österreichische Reisende Eduard Glaser bei seinen Reisen durch Süd-Arabien in und bei Marib, dem alten Saba, gefunden und auf Grund deren er jüngst eine „Skizze der Geschichte Arabiens von den ältesten Zeiten bis zum Propheten Mahomed" zu veröffentlichen begann. Das erste Heft dieser „Skizze" ist während des Stockholmer Orientalisten- Congresses einigen compctenten Fachgenossen und am 17. d. der Berliner Akademie Her Wissenschaften vorgelegt worden, wo es von allen Fachmännern auf dem Gebiete der „Sabäistik" mit wahrer Begeisterung ausgenommen wurde. Auch Professor Hommel erklärt in der Münchener Allgemeinen Zeitung, daß Glaser durch die aus seinen Jnschriftcnfuudcn gewonnenen Ergebnisse die wichtigsten Beiträge zur Geschichte Süd-Arabiens in vor-islamitischer Zeit — bisher eines der dunkelsten Gebiete der Geschichte Vorder-Asiens — geliefert und alle daran geknüpften Erwartungen weit übertroffen hat. Besonders hebt Herr Professor Hommel hervor, daß Glaser neues überraschendes Licht auf die Geschichte der Semiten im zweiten vorchristlichen Jahrtausend geworfen hat, indem er die Gleichzeitigkeit der Machtblüthe des Volkes der Minäer mit der Periode der israelitischen Richter nachwies und die Geschichte von Saba etwa 1100 bis 400 vor der gewöhnlichen Zeitrechnung aufklärte. Als nicht minder werthvoll bezeichnte Professor Hommel die von Glaser aus seinen jüdischen und christlichen Inschriften gezogenen Resultate, indem sich daraus unter Anderm ergab, daß vom vierten Jahrhundert nach der gew. Ztr. ab eine mächtige jüdische Strömung in Süd-Arabien platzgriff und zum Beispiel der von den Abyssinern im Jahre 525 seines Thrones und Lebens beraubte König Dhu-Rua ein Jude war. Professor Hommel sagt zum Schluffe seines Artikels, Glaser habe durch seine Jnschriftenfunde für die semitische Philologie eine neue Aera eröffnet, und es sei sein Verdienst, daß die Geschichte der alten Reiche Arabiens nunmehr in detaillirter Weise reconstruirt werden kann. Hannover, 23. October. Die hiesige Gemeinde hat gestern und heute zwei Tobte zur letzten irdischen Ruhestätte geleitet, deren Hinschetden in allen Kreisen tief beklagt wird. Im kräftigen Manncsalter verschied Herr Albert S. Cohen, ein Sprößltng der in weitesten Kreisen bekannten alt eingeseffenen hiesigen Familie dieses Namens. Der Verstorbene hat sich um die humanen Bestrebungen im Kreise unserer Gemeinde außerordentlich verdient gemacht. Er war stets bereit, für jedes allgemeine, wie persönliche menschenfreundliche Werk mit voller Kraft einzutreten. Das jüngst hier errichtete israelitische Krankenhaus verdankt ihm sehr viel. Er widmete sich demselben mit einem erstaunlichen Eifer und sorgte für dessen Verwaltung in der hingebendsten Weise. Obgleich er selbst nicht den Vorschriften des Religionsgesetzes in allen Theileu nachlebte, so sorgte er dennoch in großer Gewissenhaftigkeit für die strengreligiöse Führung des Hospitals. — Und in Frau Betty Seelig, einer Schwester des verewigten Landrabbiner Dr. Meyer jn, hat unser Frauenverein ein Mitglied seines Vorstandes verloren, welches in Treue und Liebe für die frommen Zwecke des Vereins lange Jahre gewirkt hat. Frau Seelig hatte speziell der weiblichen Armen- und Krankenpflege vorzustehen und enlfaltete in diesem schönen aber schwierigen Amte die herrlichste Bethätiguug echt weiblicher Charaktervorzüge. Sie lieh den Hilfsbedürftigen nicht nur ihr Ohr, sondern widmete ihnen ein mitfühlendes Herz, ein verständnißvolles Eingehen auf ihre Sorge und Roth. Sie war eine *»n r\m in ihrem ganzen Handeln. — Das große Leichengefolge legte ein beredtes Zeugniß von der Verehrung und Liebe ab, deren sich die beiden Verstorbenen in der Gemeinde und außerhalb deren Kreise zu erfreuten hatten. Herr Landrabbiner Dr. Gronemann widmete ihnen warme, tiefempfundene Worte ehrenden Gedächtnisses. Hannover, im October. Der hiesige jüdische Verein zur Förderung des Gartenbaus und des Handfertigkeits-Unterrichts hatte die Genugthuung, daß bei der jüngst hier stattgefundenen Gartenbauausstellung ihm der dritte Preis, silberne