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Der Israelit · 1889-10-31 · Heft 85 (31.10.1889) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
30 (1889)
Issue
Heft 85 (31.10.1889)
Date
1889-10-31
Page
– (sequence 8)
Language
German
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1460 das Haupt hochheben." Mögen sie uns vernichten wollen, Gott ist unser Schild, der die tödtlichen Pfeile auffängt, auf daß wir unversehrt bleiben. Mögen sie uns noch so sehr verachten — gibt es eine größere Ehre als die, daß der allmächtige Gott, der Schöpfer des Weltalls, der König aller Könige, unser Schützer ist? Mögen sie uns noch so sehr in den Staub treten, Gott ist es, der unser Haupt wieder erhebt. Jede andere Nation wäre in der Fülle des Elends, der Schmach und des Schreckens längst verkommen; aber in unsere Herzen hat Gott die Kraft gelegt, daß wir uns stets aufs Neue wieder erheben können. „Was ich Euch sage, habe ich selbst erlebt, an mir selbst erfahren. Im finstern Kerker sowohl als an den Stufen des Thrones war Gott stets meine Zuversicht. Deßhalb hat Er mich errettet aus jeder Noth und Gefahr, und deßhalb rufe ich: Heil dem Manne, der an Ihm sich kräftigt, dem Menschensohne, der zu Ihm mit unerschütterlichem Vertrauen emporschaut." Daß durch diese Deraschah der Fremdling die Herzen der Gemeinde gewann, braucht wohl nicht erst gesagt zu werden. Die Gelehrten bewunderten des Redners Gelehrsamkeit und Gedankentiefe; die große Menge war entzückt von der Gluth der Beredtsamkeit, die tief in ihre Herzen eingedrungen war. Nur einer theilte die allgemeine Begeisterung nicht; es war Chezron, der Sohn des ersten Vorstehers Simon Karmi. Der junge Mann hatte eine tiefe Neigung für Zedaka, die liebliche Tochter des Chacham Baschi gefaßt. Er fühlte, daß, wenn der Fremdling der Nachfolger des Chacham werden würde, derselbe damit das Anrecht gewinnen würde, Zedaka als die Seine heimzuführen. Er verschloß jedoch seine Gedanken in sich, wohl wissend, daß er gegen die allgemeine Stimmung nicht anzukämpfen vermöchte. Im Triumphe wurde Rabbi Elieser Aschkenasi in das Haus des Chacham Baschi geleitet. Die Vorsteher der Gemeinde beglückwünschten ihn als ihren künftigen Rabbiner und wünschten sich selbst Glück, einen solchen Mann für das heilige Amt gewonnen zu haben. Schon am folgenden Tage wurde eine Gemeindeversammlung abgehalten, und man beschloß einstimmig, Rabbi Elieser Aschkenasi zum Nachfolger des bisherigen Chacham Baschi zu ernennen. Ein Mitglied des Vorstandes wollte an diese Ernennung die Bedingung knüpfen, daß der neue Rabbiner die einzige Tochter seines Vorgängers zum Weibe nehme, damit die Gememde nicht nöthig habe, für ihren langjährigen Rabbiner und dessen Tochter zu sorgen. Allein, es wurde geltend gemacht, daß es sich nicht zieme, einem Manne von der Größe und Bedeutung eines Rabbi Elieser Aschkenasi irgend welche Bedingung zu stellen. Als Rabbi Elieser in sein neues Amt eingeführt war, begab er sich zu seinem Vorgänger und sprach: „Rabbi, Ihr habt mich, den armen Fremdling, wie einen Sohn ausgenommen und seid mir wie ein Vater gewesen, seitdem ich die Schwelle Eures Hauses betrat. Nun aber möchte ich noch Größeres von Euch erbitten. Schenket mir das köstlichste Kleinod, das Ihr besitzt, gebet mir Eure Tochter Zedaka zur Frau." „„Wir wollen das Mädchen rufen und ihren Mund befragen"", antwortete der alte Rabbi. Er rief die Tochter herbei und sprach: „„Willst Du mit diesem Manne gemeinsam durch das Leben ziehen, seine Gattin werden?"" Zedaka schlug die Augen nieder; tief erröthend sprach sie leise: „Ich will." (Fortsetzung folgt.) „Israelit" und „Jeschurun" erscheint wöchentlich zweimal, Montags und TonucrstagS, jedesmal in mindestens 2 Bogen Preis deS Jahrgangs für Deutschland und Oesterreich 12 Reichs-Mark, für'S Ausland 16 Reichs-Mark. Man abonnirt ganzjährig, halbjährig oder vierteljährig. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen SdefteüunQen an. — Durch den Buchhandel jn btjitljtn bei E. F. Ktetnacker« Leipzig, Uoßplah 16. — Inserate 25 Pfennige die dreigespaltene Petitzeile oder dcren Raum. — Oesterreichische Banknoten laut Cours. — Directe Francozusendung unter Streifband pro Jahrgang für Deutschland und Oesterreich 14 Reichs-Mark oder 8 fl. österr., für'S Ausland 16 Reichs-Mark an die Expedition franco einzusenden. L-1 Inhalt (Hauptblatt): Leitender Artikel: Perek Schirah. — Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Mainz. Berlin. Ratibor. — Oesterr. - Ungar. Monarchie: Wien. Budapest. Pesth. — Frankreich: Paris. — England: London. — Rußland. — Amerika: 2mal Rew-Dork. — Feuilleton: Rabbi Elieser Aschkenasi. — Inhalt der Beilage: Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: München. 2mal Hannover. — Oest.- Ung. Monarchie: Wien. Budapest. — England: London. — Inhalt der Extra-Beilage: Spenden-Verzeichnisse. Verantwortliche Redaction: vr. Lehmann in Mainz. — Expedition des „Israelit" und „Jeschurun" Schottstrahe Skr. 2, Mainz. Druck und Verlag der Joh. Wirth'schen Hofbuchdruckerei (Oscar Lehmann) in Mainz. Hierzu zwei Beilage«.

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