Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 30 (1889)
- Issue
- Heft 85 (31.10.1889)
- Date
- 1889-10-31
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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1459 und Bietet für 750 Personen Raum. Um den Bau haben sich die Herren E. Mendelssohn, H. Morris, B. Danziger, M. Davis, B. Lipinski, I. Bauman, I. Gundelfinger, A. Lee, W. Miller, B. Lappin, I. Ginsberg und Albert Levy besonders verdient gemacht. Die Einweihungsrcde hielt Rev. Mr. Harris, in welcher er hervorhob, daß die Israeliten zu den ersten zählten, die sich in dieser Republik niedergelassen und welche die Cultur des Landes gefördert haben; er schildert hieraus, wie sie sich zu einer Gemeinde geeinigt und nunmehr die Frucht dieser Einigung dieses Haus zu Ehren Gottes errichtet hätten. Die Rede, ein Muster der Rhetorik, fand bei dem zahlreich versammelten Publikum aus den verschiedenen Confessioneu uugetheilten Beifall. Feuilleton. Waööi Weser AschKenast. XI. Die große Synagoge in Alexandria war überfüllt; es hätte, wie man zu sagen pflegt, kein Apfel zur Erde niederfallen können, denn alles war hervetgeftrömt, den berühmten Fremden reden zu hören. Es war am Sabbat Paraschat Schemoth, und der Redner hatte die Anfangsworte der Sidrah zum Texte gewählt: „Und dieses sind die Namen der Söhne Israel, die da kamen nach Mizrajim, mit Jakob, ein Jeder und seine Familie waren sie gekommen." Der Redner hob hervor, daß es eigentümlich erscheine, daß das neue Buch mit dem Wörtchen „und" beginne. Es liege diesem Umstande ein tiefer Gedanke zu Grunde. Das Wörtchen „und" knüpft an das Vorangegangene an. Das Galuth Mizrajim war schon Jahrhunderte zuvor unserem Vater Abraham von Gott verkündet worden. Hieran knüpfte Rabbi Elieser eine gelehrte und tiefe Abhandlung in Bezug auf den scheinbaren Widerspruch zwischen dem Vorauswissen Gottes und der menschlichen Freiheit des Willens. Er nahm Gelegenheit, die irrigen Ansichten des berühmten Rabbi Lcvi den Gerson zu bekämpfen und zu widerlegen. Mit gespannter Aufmerksamkeit hörten ihm die gelehrten Mitglieder der Gemeinde zu; aber die große Menge des Volkes fing an sich zu langweilen. Der Redner sprach nicht populär genug; sie vermochten den Sinn seiner Worte nicht zu fassen, dem Gedankengange nicht zu folgen. Der weltgewandte Mann merkte das bald; er führte diesen Theil seiner Rede rasch zu Ende und ging zu einem andern Thema über. „Mit Jakob, ein Jeder und seine Familie waren sie gekommen." Mit Jakob, das heißt, treu dem Glauben des Vaters Jakob, Diener des einzigen Gottes; ein Jeder und seine Familie, das ist das jüdische Familienleben. Zwei Dinge sind es, die unser Volk erhalten haben, von Anbeginne an bis auf den heutigen Tag : der treue unerschütterliche Glaube an den einzigen Gott und das innige Familienleben. Mit glühenden Farben schilderte er den Einfluß dieses großen, mächtigen Glaubens auf unser Volk. In der Finsterniß der cghptischen Knechtschaft war er es, der unsere Voreltern nicht gänzlich verließ und sie befähigte, das Gottesvolk zu werden. Als der heilige Tempel in Trümmer fiel und Israel über die ganze Erde zerstreut wurde, war es der Glaube an den einzigen Gott, der unsere Nation erhielt und zusammenhielt. Nicht minder aber war es das jüdische Familienleben, welches uns wie eine schützende Mauer umgab. Hier in Mizrajim wurde» unsere Väter zu Sklaven herabgewürdigt. Trotzdem hielten sie die Ehre ihres Hauses hoch, und unter den Hunderttausenden israelitischen Frauen und Mädchen hat es nur eine gegeben, welche der Verführung eines Egypters unterlag. Die Herrlichkeit und Schönheit des israelitischen Familienlebens mußte selbst der größte Feind Israels, der heidnische Prophet Bileam, anerkennen. Als Israel in die Verbannung zog, als es bis auf den Tod verfolgt, gequält und gepeinigt wurde, da gewährte unfern Voreltern das innige, glückliche Familienleben Ersatz für alle Qualen und Leiden, die sie im Verkehr mit der andern Nation erdulden mußten. „Und es stand auf ein neuer König in Mizrajim, der von Joseph nichts wissen wollte." Rabbi Elieser sprach von der Undankbarkeit der Völker und der Könige gegen Israel. Joseph war der Retter Egyptens geworden, und zum Danke dafür machte man seine und seiner Brüder Nachkommen zu Sklaven. Israel hat der Welt das Licht gebracht, das Licht der Gotteserkenntniß. Die Religionen des Orients und des Occidents beruhen auf den heiligen Schriften des Judenthums. Zum Danke dafür verfolgt und peinigt man die Nachkommen Jakob's. Wenn der Jude sich noch so sehr bestrebt, für das Wohl des Landes, in welchem er lebt, thätig zu sein, wenn sein Bestreben auch vom besten Erfolge gekrönt wird — der Jude wird gehaßt, gequält, verfolgt, mit denr Tode bedroht. Das ist die Dankbarkeit der Könige und Völker von Pharao, dem Könige von Mizrajim, an, bis auf den heutigen Tag. Du aber, unser Gott, bist unser Schild, unsere Ehre und lassest uns immer wieder