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Der Israelit · 1889-10-31 · Heft 85 (31.10.1889) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
30 (1889)
Issue
Heft 85 (31.10.1889)
Date
1889-10-31
Page
– (sequence 6)
Language
German
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1458 und deßhalb lehren unsere Weisen, daß durch das Gebet, welches einen Glauben an göttliches Walten bedingt, der Zweck des Menschen zur Hälfte erreicht wird; aber dieser Glaube allein ohne unser heiliges Religionsgesetz, welches unserem ganzen Leben, Wirken und Streben eine feste Grundlage verleiht, bleiben die Menschen 12, sie bewegen sich auf einem unsichern schwankenden Boden ijn* vb\ Deßhalb, so schloß ich, hat auch das Beth Hamidrasch durch Errichtung dieses Bethauses seine Aufgabe nnr zur Hälfte gelöst und kann diese nur dann als vollendet betrachten, wenn dasselbe wie bisher auch in Zukunft durch gründliches Forschen in der heiligen Gotteslchre und Verbreitung derselben in den weitesten Kreisen unseren Glaubensgenossen eine feste, unerschütterliche Basis für ihr ganzes Leben und Streben, Wirken und Schaffen verleihen wird. — G. Libermann, M. D. New-Aork, 6. Oktober. Während die große Mehrzahl der Israeliten sich zur Feier des „Jom Kippur" in ihren Synagogen einfanden, um den Versöhnungstag unter Fasten und Beten zu begehen, rüsteten sich die „Pioniere der Freiheit", eine aus russisch-jüdischen Arbeitern bestehende Gewerkschaft mit socialistischen und anarchistischen Ideen, den höchsten Festtag ihrer Glaubensgenossen durch einen Ball, dem eine musikalisch-deklamatorische Soiröe vorangehen sollte, in Clarendon Hall zu feiern. Bei den Israeliten der Ostseile hatte diese beabsichtigte Entweihung ihres höchsten Festtages große Aufregung hervorgerufen. Die „Pioniere" hatten schon einige Tage vorher eine lange Adresse an ihre Landsleute erlassen, in welcher auseinandergesetzt wurde, daß „Jom Kippur" ursprünglich ein Freudentag für die jüdische Jugend gewesen sei und mit Tanz in den Weinbergen gefeiert worden sei. Diese Adresse war in so ultra-radikalem Tone gehalten, daß die hier erscheinenden jüdischen Zeitungen die Veröffentlichung ablehnten, weßhalb sie als Flugblatt ausgegeben und im jüdischen Quartier der Ostfeite in Tausenden von Exemplaren vertheilt wurde. Die Orthodoxen versuchten zuerst, den Wirth von Clarendon Hall, Fred. Scharmann, zu bewegen, die Halle für den beabsichtigten Zweck nicht herzugeben, doch wollte sich der Wirth anfänglich dazu nicht verstehen. Sie wandten sich hierauf an Richter Steckler und Coroner Levy und diese suchten, wie es heißt, in Begleitung von Ober-Rabbi Joseph Herrn Scharmann nochmals auf und unter dem Versprechen, daß sie für jeden etwaigen Schadenersatz-Anspruch aufkommen würden, gelang es ihnen, Scharmann zu einer Sinnesänderung zu veranlassen. Es war dies um so leichter, als es sich herausgestellt hatte, daß die „Pioniere" für das abzuhaltende Konzert keine Ltzens gelöst hatten. Als sich die „Pioniere" nun Abends gegen 8 Uhr mit ihren Familien vor Clarendon Hall einstellten, fanden sie die Eingänge durch eine Anzahl von Capt. McCulagh's Polizisten besetzt und das vor der Thür stationirte Coniito deutete ihnen an, daß das Fest nicht stattfäude und daß die Theilnehmer sich nach dem Labor Lyceum, 25 Ost 4. Str. begeben sollten. Eine große Anzahl begab sich auch dorthin, fand aber auch hier den Eingang von einer etwa 30 Mann starken Polizeimacht besetzt. Wenngleich sich viele dadurch zur Umkehr veranlaßt sahen, füllte sich der Saal doch vollständig und die beabsichtigte Feier wurde, freilich in sehr verkürzter Weise, abgehalten. Es wurden Reden gegen die „Gewaltthat" der Polizei gehalten, Gedichte in russischer und deutscher Sprache deklamirt und folgende Resolutionen angenommen: In Anbetracht, daß F. Scharmann, der Besitzer von Clarendon Hall, nachdem er die Halle an die „Pioniere der Freiheit" zur Abhaltung einer Arbeiter-Massenversammlung am Freitag vermiethet hatte, dieselbe ohne Angabe der Ursache absperrte und In Anbetracht, daß die jüdischen Orthodoxen alle möglichen Anstrengungen gemacht haben, diese gegen den Fanatismus gerichtete Versammlung zu vereiteln, es fast mit Gewißheit angenommen werden kann, derselbe habe sich durch den Einfluß jener Orthodoxen verleiten lassen, zum Verräther an der Sache der Arbeiter zu werden, Beschließen die unter den Auspicien der jüdischen Sektion, S. A. P., und der „Pioniere der Freiheit" versammelten Arbeiter, gegen eine solche Schandthat von Seiten eines Wirthes, der seinen Wohlstand den organisirten Arbeitern zu verdanken hat, energisch zu protestiren. Und ferner alle organisirten Arbeiter aufzufordern, Clarendon Hall als arbeiterfeindliche Halle zu meiden. Ein Tanzkränzchen beschloß die im Uebrigen nicht besonders gemüthliche Feier. Die „Pioniere" gedenken, in den nächsten Tagen gerichtlich gegen die Polizei vorzugehen, Scharmann auf Schadenersatz zu verklagen und die zu Wasser gewordene Festlichkeit binnen Kurzem unter allen Umständen stattfinden zu lassen. Das sind die russisch-jüdischen Arbeiter, die für in Europa gesammeltes Geld nach Amerika befördert wurden!! Süd-Afrika. Johannisburg, 24. September. Vergangenen Sonntag fand die Einweihung unserer neuen Synagoge, des ersten jüdischen Gotteshauses in der Transvaalrepublik, statt. Die Synagoge, in prachtvollem Style erbaut, hat exclusive der inneren Einrichtung einen Aufwand von 100,000 M. erfordert

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