Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 30 (1889)
- Issue
- Heft 84 (28.10.1889)
- Date
- 1889-10-28
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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Es sind dies naturwissenschaftliche Anschauungen, diedenAnspr uchaufvollkommne Wahrheit erheben dürfen. Ueber den U r a n f a n g alles Organischen, über Wachsen und Entwicklung derZellen, der ersten Constituanten organischen Seins, sind nach H.'s Auffassung Fundamentalanschauungen in den Wortwurzeln: bby bbn bbri bbn $n8) enthalten. Nach dieser Anschauung ist jeder Daseinsbeginn die Differenzirung d. i. die Verneinung des Ander-! seins -- bn =: das Hervortreten des ersten Punktes. Von diesem Centralpunkt strahlen Kräfte aus: (^n-Ausstrahlen), es bildet sich eine Höhlung: die Zelle --Aushöhlen), und von dieser Zelle aus beginnt die eigentliche Entwicklung organischen Seins: (bby — entwickeln bby das Kind). Es ist dies nichts anders als die Theorie, auf welcher die gesammte heutige Naturwissenschaft der organischen Gebilde beruht. Der Triumph des Mikroskops ist ja die Entdeckung der Zellen, auf welche seitdem allgemein die organische Entwicklung zurückgeführt wird. Virchow hat dann durch Schaffung seiner berühmten Ccllularpathologie die Zellentheorie auch auf die Entstehungen der krankhaften Veränderungen ausgedehnt. Merkwürdiger Weise weist bhn zugleich auf krankhafte.Zustände hin, und wäre dann bby die Entwickelung der Zelle in physiologischer, bbn in pathologischer Beziehung. — Nicht minder wahr sind die in den Worten selbst liegende Auffassung der den Thier- und Menschenleib bildenden -jko, 02p und n\ -rao, das Haut-, Muskel- und Nervensystem ist nach H.'s Erklärung 9) nichts anders als -ieod, als der Herold und Vermittler des Geistes an die Außenwelt und derAußenwelt an den Geist. Kürzer und treffender kann in der That, auch nach dem neuesten Standpunkt der Physiologie, das Muskel- und Nervensystem nicht charakterisirt werden. Die Nerven übertragen die Regungen des Geistes, des Willens, auf die Muskeln, und übersetzen dieselben (d. h. die Geistes- und Willensimpulse) vermittels der den Sprachorganen dienenden Muskeln in Wort, und vermittels der den übrigen Organen dienenden Muskeln in That (Wort als nur' durch Muskelcontraktion bedingt ist eigentlich ja auch That):---Nerv und Muskel ist Her¬ 8) Jeschurun VIII. pag. 168 ff. 9) Das. VIII. pag. 439. old des Geistes an die Außenwelt. Anderseits gelangen nur vermittels der Nerven (auch der in den Muskeln enthaltenen, den sog. Muskelsinn vermittelnden), die Eindrücke und Einwirkungen der Außenwelt an den Geist: — Nerven sind die Herolde der Außenwelt an den Geist. Ergänzend zu tritt Auch die Haut ist Vermittler der Außenwelt, ist der Wächter des Geistes und empfängt mittels der in ihr enthaltenen Tastkörperchen die Eindrücke der Außenwelt und leitet sie mittels der Nerven an den Geist. (M der Blinde, ist nach H. der Hautmensch, zur Beurtheilung der Außenwelt auf seine Tastkörperchen Angewiesene.) v2p Knochen, laut- und sinnverwandt mit ddk, ddh schließen, „den äußeren Eindrücken unzugänglich machen" „bezeichnet das feste Harte, Starke" „-,bq und E0j sind das eigentlich Aktive im lebendigen Organismus, oyy sind ihnen gegenüber passiv, allein sie sind das Mittel durch welches ihre Aktion eine widerstandleistende und überwältigende Macht wird."10) Ohne Knochen oder knorpelähnliche Gebilde sind die Muskeln in der That nur schlaffe St ränge, unfähig zur Thätigkeit. Und an, Blut und Lymphe, dasjenige Organ aus dem sich der gesummte Organismus aufbaut und regenerirt, in das sämmtliche durch Nahrung und Athmung aufgenommene Stoffe erst gelangen ehe sie assimilirt („simile“ ähnlich ") und zu eonstituirenden Elementen des Organismus werden können — m nach H. radix nen gleichen —: Blut ist das Prototyp des Gesammtorganismus, gleichsam „der Thierkörper im Fluß"*?), eine Erklärung. wie sie kürzer und treffender auch nach dem heutigen Standpunkt unserer physiologischen Kenntnisse nicht gegeben werden könnte. Auch die über das Verhältniß von rn zu ffsj, von Blut zur Seele entwickelten Anschauungenls) des Judenthums, sind von höchstem aktuellen Interesse, da sie der uralten und ewig neuen materialistischen Anschauung über Identität von Kraft und Stoff, die auch Geist und Seele nur als Funktion der Materie hinstellen und sich dabei auch aus mißverstandene Aussprüche der rmn stützen wollen, jeden Boden entziehen. Es würde zu weit führen, auf die wahrhaft genialen Forschungen die dies klarlegen, weiter einzugehen. Sie gehören zu dem glänzenden, wiffen- 10) ebend. 440. 11) ebendas. 443. 12) ebendas. 13) ebendas, und an den entsprechenden Stellen des Pentateuchcommentars.