Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 30 (1889)
- Issue
- Heft 84 (28.10.1889)
- Date
- 1889-10-28
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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1444 „Ich zähle jetzt 26 Jahre." „„In so früher Jugend habt Ihr schon bedeutend mehr erlebt als Andere während einer langen Lebensdauer. Was denkt Ihr nun zu beginnen? Ihr seid zum Staatsmann geboren. Werdet Ihr wieder in den Fürstendienft einzutreten suchen?"" „Davor bewahre mich Gott. Nie war es mein Wille als Fürstendiener über die Menge zu herrschen, Gottes weise Vorsehung hatte es so gefügt; aber ich flehe zu Gott, daß Er mich künftig davor bewahre." „„Gedenket Ihr Eure Kunst als Arzt auszuüben?"" „Auch das nicht. Meine Seele sehnt sich nach der Gotteslehre. Keine größere Freude gibt es für mich als ungestört in ihr zu forschen und ihr mein ganzes Leben zu weihen. Ich will nach Italien zurückkehren, um in meiner Heimath eine Stelle als Rabbiner zu erlangen. In einer solchen Stellung ist es mir am ehesten vergönnt zu lernen und zu lehren." „„Bleibet hier, vielleicht trifft sich hier für Euch das, was Ihr ersehnt. Seht, ich bin alt und hochbetagt, und die Bürde meines Amtes lastet schwer auf meinen Schultern. Schon längere Zeit trage ich mich mit dem Gedanken mich ihrer zu entledigen und ste auf jüngere, kräftigere Schultern zu legen. Ich werde mit den Vorstehern meiner Gemeinde reden; vielleicht gelingt es mir, sie zu bestimmen, Euch zu meinem Nachfolger zu erwählen. Wie auch die Sache ausfallen möge, so bitte ich Euch, mein Gast zu bleiben, solange Ihr in Alexandria weilt."" Der Chacham befahl, daß man für seinen verehrten Gast ein Zimmer in seinem Hause einrichte. Er selbst rüstete sich zum Ausgehen, um die Vorsteher der Gemeinde zu besuchen und mit ihnen wegen seines Planes Rücksprache zu nehmen. Er kam nicht dazu. Schnell hatte sich unter den Juden Alexandriens das Gerücht verbreitet, daß der berühme Rabbi Elieser Aschkenasi, der ehemalige Großvezier von Persien, beim Chacham Baschi weile. Alles strömte herbei, um den berühmten Fremden zu sehen, und die Vorsteher der Gemeinde waren nicht die Letzten, welche das Haus des Chacham Baschi aufsuchten. So fand dieser Gelegenheit, seinen Plan mit ihnen zu besprechen. Freudig gingen sie darauf ein. Welch' ein Ruhm für Alexandria, einen Rabbiner zu besitzen, der kurz zuvor als Großvezier ein mächtiges Reich beherrscht hatte! Seit den Tagen des Maimonides hatte Egypten keinen so berühmten Mann besessen. Man beschloß, eine Gemeindeversammlung zu berufen, und der versammelten Gemeinde den Wunsch des Chacham Baschi vorzutragen. Unterdeß hatte Rabbi Elieser Aschkenasi sich die Herzen aller jüdischen Bewohner von Alexandria gewonnen. Die jüdische Bevölkerung dieser großen See- und Handelsstadt bot damals wie heute ein Gemisch der verschiedensten Sprachen dar. Die Eingeborenen sprachen arabisch, die Sefardim spaniolisch, die Italiener italienisch, die Perser persisch, die Türken türkisch und auch Deutsche gab es dort, wenn auch nur in geringer Anzahl. Der Umstand, daß der sprachgewandte Mann — er beherrschte 12 Sprachen vollkommen — mit jedem Einzelnen in dessen Muttersprache sich unterhielt, begeisterte die Menge für ihn. Die Gemeindeversammlung beschloß, den berühmten Gast zur Abhaltung einer Deraschah in der großen Synagoge aufzufordern und nachher über die Anstellung Beschluß zu fassen. (Fortsetzung folgt.) „JSraelit" und „Jeschur,m" erscheint wöchentlich zweimal, Montags und Donnerstag-, jedesmal in mindestens 2 Bogen Preis des Jahrgangs für Deutschland und Oesterreich 12 Reichs-Mark, für'S Ausland 16 Reichs-Mark. Man abonnirt ganzjährig, halbjährig oder vierteljährig. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — Durch dett Kuchhanüct M bestehen bei L. F. Sirtnarker, Frlpstg, Noßptatz 18. — Inserate 25 Pfennige die dreigespaltene Petitzeile oder d<ueil Raum. — Oesterreichische Banknoten laut Cvurs. — Directe Francozusendung unter Streifband pro Jahrgang für Deutschland und Oesterreich 14 Reichs-Mark oder 8 fl. österr., für'S Ausland 16 Reichs-Mark an die Expedition franco einzusenden. Inhalt (Hauptblatt): Leitender Artikel: Die Schaffung eines preußischen Staatsjudenthums. — Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: 2mal Berlin. Gollantsch. — Schweiz: Zürich. — Oesterr. - Ungar. Monarchie: Wien. — Feuilleton: Rabbi Elieser Aschkenasi. — Inhalt der Beilage: Leitender Artikel: Ein Wort über Wissen und speciell über naturwiffenschastliche Anschauungen des Judenthums. — Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Mainz. Ems. — Oest.-Ung. Monarchie: Wien. — Verantwortliche Redaction: vr. Lehmann in Mainz. — Expedition des „Israelit" und „Jeschurun" Schottslraße 9fr. 2, Mainz. Druck und Verlag der Joh. Wirth'schen Hvfbuchdruckerei (OScar Lehmann) in Mainz. Hierzu eine Beilage.