Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 30 (1889)
- Issue
- Heft 84 (28.10.1889)
- Date
- 1889-10-28
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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1443 doxer, der den Zürichern diesen Gefallen thut, so lange der Elsaß noch an die Schweiz grenzt, von wo auch der jetzt kalt gestellte frühere Züricher Dmti' seine Autorisation her hat. — Aber wäre der tsnw auch wirklich recht und gewissenhaft und bestünde er sein Examcli vor einem ganzen Collegium orthodoxer Rabbiner-,- die ganze Art und Weise seiner Anstellung ist cs nicht. Hat man wohl je einen Arzt, einen Fürsprech oder welchen Beamten sonst prakticiren lassen, auf Grund einer Prüfung, die er erst in Zukunft vielleicht bestehen wird? Vielleicht sieht mein Berichtiger nun ein, daß ich genügend orientirt bin, um auf seinen Rath, den er mir zum Schluß gibt, verzichten zu können. — Die Zustände in Zürich rechtfertigen, heißt einen Mohren weiß waschen wollen und das bringt die vollendetste Schönfärberei nicht fertig. Oesterr.-Ungar. Monarchie. Wien. Der Verein zur Unterstützung mittelloser israelitischer Studirender in Wien verausgabte im verflossenen Studienjahre 1888/89 3845 fl., indem er 284 Studirenden (40 Hörern der Rechte, 206 Studirenden der Medicin, 10 Hörern der Philosophie, 36 Technikern, 1 Veterinär und 1 Bildhauer) Unterstützungen und Beiträge zu den Collegiengeldern, Rigorosen- und Promotions-Taxen gewährte. Von den Unterstützten waren 21 aus Niederösterreich (19 aus Wien), 98 aus Ungarn, 80 aus Galizien, 43 aus Mähren, 23 aus Böhmen, je 4 aus der Bukowina und aus Rußland, je 3 aus Croatien und Rumänien, 2 aus Siebenbürgen und 1 aus Oberösterreich. Mehr als 100 Bittsteller mußten abgewiesen werden, da dem Verein die Mittel fehlen. F e u i l l e ton. Hlavöi ßkieser Aschkenasi. IX. In Alexandria in Egypten saß der hochbetagte Chacham Baschi, Rabbi Malkiel Benamozeg, über einen Folianten gebeugt, in dessen Inhalt er sich vertieft hatte. Da wurde ihm ein Fremder gemeldet, welcher den Chacham Baschi zu sprechen wünschte. Der Greis befahl, daß man ihn hereinführe. Ein noch junger Mann, aber mit sonnverbrannten, wettergebräuuten Zügen trat ein. Er begrüßte den Rabbinen in spanischer.Sprache. „„Redet lieber zu mir,"" sprach der Angeredete, „„in der heiligen Sprache; das Spanische ist mir nicht sehr geläufig."" „Wie Ihr befehlt," antwortete der Fremde hebräisch, „oder wollen wir uns lieber arabisch unterhalten? Hierzulande ist ja das Arabische die allgemeine Sprache des Volkes." „„Am liebsten spreche ich italienisch. Das Italienische ist meine Muttersprache."" „Ach," sprach der Fremde, „auch ich habe im schönen Italien zuerst das Licht der Welt erblickt." Der Rabbi sah seinen Besucher durchdringend an. Dann erhob er sich und sprach: „„Ihr seid Rabbi Elieser Aschkenasi, dessen Ruf die ganze Welt erfüllt."" „Mein Herr ist wie ein Engel Gottes, das Verborgene zu enthüllen, und ein Weiser, sagen unsere Lehrer, ist mehr denn ein Prophet." Der Rabbi hob seine Hände in die Höhe und sprach voll Andacht: „„Gelobt seiest Du, Ewiger, unser Gott, König der Welt, der von Seiner Weisheit Seinen Frommen zugetheilt hat."" Dann umarmte er den Fremden, der ihm nicht inehr fremd war, küßte ihn aus beide Wangen und sagte: „„Gelobt sei Gott, der mir das Glück hat zu Theil werden lassen, einen Mann zu schauen, der schon in früherer Jugend die Welt mit seinem Ruhme erfüllt hat."" Hierauf ging er an die Thüre und rief hinaus: „„Zedaka soll kommen!"" Alsbald erschien ein liebliches, junges Mädchen. „„Zedaka,"" sagte der Chacham, „„wir haben einen thenern Gast, Rabbi Elieser Aschkenasi, von dem ich Dir schon oft erzählt habe. Beeile Dich und lasse ihm einen Imbiß bereiten."" Das junge Mädchen verneigte sich erröthend vor dem Gaste und eilte hinaus. „„Es ist meine Tochter,"" sagte der Chacham, „„ein spätgeborenes Kind. Seit dem Tode ihrer Mutter besorgt sie meinen Haushalt."" Bald war der Tisch gedeckt, und Rabbi Elieser labte sich an Speise und Trank. Nachdem er das Tischgebet gesprochen hatte, mußte er erzählen. Zedaka wurde hereingerufen, um der Erzählung des Gastes zu lauschen. Auch ihr war das Italienische, das sie von Vater und Mutter erlernt hatte, gleich der Muttersprache. Staunend vernahmen Vater und Tochter die wunderbaren Abenteuer des verehrten Gastes; manche heiße Thräne netzte die Wangen der Jungfrau, da Rabbi Elieser von den vielen Leiden und Gefahren berichtete, die er hatte erdulden müssen. Als der Gast seine Erzählung beendet hatte, sprach der Chacham: „„Gelobt sei Gott, der Euch so viele Wunder gethan und aus so vielen Bedrängnissen errettet hat. Wie alt seid Ihr?""