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Der Israelit · 1889-10-24 · Heft 83 (24.10.1889) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
30 (1889)
Issue
Heft 83 (24.10.1889)
Date
1889-10-24
Page
– (sequence 6)
Language
German
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1426 lich machen, wird auch ganz genau diejenige beschrieben, die wir heute unter dem Namen Tuberkulose kennen. Schon Guennau de Mussy hat diese Thatsache 1885 vor der medizinischen Akademie hervorgehoben, und er trug kein Bedenken, die bemerkenswerthe Lebenskraft des jüdischen Volkes gerade der strengen Beobachtung der mosaischen Vorschriften in Bezug auf die Prüfung des geschlachteten Fleisches zuzuschreiben. Unter anderen auffälligen Thatsachen erklärte er, vom Großrabbiner Frankreichs erfahren zu haben, daß die jüdischen Fleischschauer zuweilen 26 von 30 geschlachteten Thieren ausscheiden und daß sie sich besonders unerbittlich zeigen in Bezug auf die geringsten Fehler der Lungen. Ueber tausend Jahre vor unfern Gelehrten hat schon der Talmud ein einfaches und praktisches Mittel gelehrt, der tuberkulösen Ansteckung auf dem Wege der Nahrungseinnahmen zu entgehen, indem er das Aufblasen und die sorgfältige Untersuchung der Lungen jedes geschlachteten Thieres vorschrieb. Daher rührt auch offenbar die durch viele Thatsachen erwiesene verhältnißmäßige Immunität der jüdischen Rasse gegen ansteckende Krankheiten. Tie Londoner medizinischen Jahresberichte konstatiren regelmäßig eine geringere Sterbkeit für diejenigen Bezirke, in welchen viele arme Juden wohnen. Für das Quartier Whitechapel stellt Dr. Loane fest, daß die Lungenschwindsucht dort unter den Juden höchst selten ist. Das Nämliche ist nach Dr. Gibbon in Holborn der Fall. Die Aerzte des Metropolitanhospitals, in welchem besondere Säle für Juden reservirt sind, konstatiren, daß die Juden selten die Lungenschwindsucht haben und noch seltener an dieser Krankheit sterben. Dr. Vehrend selbst sagt, daß er nach einer Praxis von dreißig Jahren unter fast lauter Juden noch nicht einen einzigen lungenkranken Juden gefunden habe. Professor Hosmes bemerkt auf der anderen Seite, daß die Israeliten bei Epidemien immer weniger , gelitten hätten, als andere Völker und daß ihre Langlebigkeit von Alters her bekannt sei, weßwegen viele Versicherungsgesellschaften ihnen billigere Sätze gewähren. Die Statistik bestätigt diese Aufstellungen. In der Provinz Posen, wo Deutsche, Polen und Juden in ziemlich gleichen Verhälinissen leben, kommen auf drei Todtgeburten bei Christen nur eine bei den Juden. Für Kinder unter einem Jahr ist die Sterblichkeit in ganz Preußen 23 Prozent bei den Christen, bei den Juden nur 15 Prozent, für Kinder von 1 bis 5 Jahren ist die Sterblichkeit bei den Christen 36, bei den Juden 25 Prozent. Aehnlich verhält cs sich in allen Lebensaltern, und so allgemein ist dieses Gesetz, daß z. B. in Fürth die mittlere Lebensdauer für Christen 26, für Juden aber 36 beträgt, obgleich es sich zumeist um Israeliten handelt, die nicht im Reichthum leben, sondern die arm sind, von der Hand in den Mund und unter Verhältnissen leben, die mit Bezug auf die Gesundheit, eben die Fleischbeschau ausgenommen , nicht die besten sind. Alle diese Thatsachen sind geeignet, die Aufmerksamkeit der Hygieniker auf die talmudischen Vorschriften hinzulenken. So die wesentlichen Ausführungen Dr. Behrends. London, 6. Oktober. Der gestrige Gottesdienst des -ueo di» in der Dukes-Place-Synagoge kann als einzig in seiner Art bezeichnet werden. Jeder Anwesende wurde mit gerechtem Stolz erfüllt, dadurch, daß er sich in brüderlicher Gemeinschaft vereint mit den hervorragendsten Mitgliedern der Gemeinde und des Staates sah, die mit gleicher Andacht und mit gleicher Hingebung ihre Gebete verrichteten. Der neuerwählte Lord-Mayor Sir Henry Jsaacs sowohl als der Gemeinde-Präsident Lord Rothschild waren während des ganzen Tages anwesend und hielten es nicht unter ihrer Würde sich vorschriftsmäßig mit Filzschuhen zu bekleiden und die miay genau nach herkömmlicher Weise zu verrichten. — Lord Rothschild besuchte, wie alljährlich, in Begleitung des zweiten Vorstandes, Herrn Rosenfeld, die Freischule, woselbst Tausende von Andächtigen versammelt waren. Der p'N Red. Spiers hielt dortselbst eine ergreifende Ansprache. London, 10. October. Der gestern verstorbene Sir Benjamin Samuel Phillips war von 1830—1886 das Haupt der Firma Faudel Phillips u. Co. in Newgate Street. 1859 wurde er Sheriff der City os London und 1865—66 Lordmayor. Sein Amtsjahr war durch zwei Ereignisse bemerkenSwerth. London wurde von der Cholera heimgesucht und Indien von einer Huugersnoth, und Lordmayor Phillips eröffnete eine Sammlung im Mansionhouse zur Linderung des Nothstandes. Der König von Belgien, der während des Jahres London besuchte und im Mansionhouse mit der Königin bcwirthet wurde, verlieh ihm den Leopold-Orden und die Königin gab ihm für die Dienste, welche er den von der Cholera betroffenen Mitbürgern und den Hindus geleistet hatte, am Schluß seines Amtsjahres den Rittertitel. Er war der zweite jüdische Lordmayor von City.

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