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Der Israelit · 1889-10-24 · Heft 83 (24.10.1889) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
30 (1889)
Issue
Heft 83 (24.10.1889)
Date
1889-10-24
Page
– (sequence 3)
Language
German
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1423 Leichtsinn, und unsere Feier wäre nicht die rechte von Gott gewollte gewesen. — nrot6 oftafo D^r.S pwsb'i, Leben sollte ihre Frucht sein, inneren Seelenfrieden, ungetrübte Freude, selige Wonne wollte sie uns bringen, geheiligt sollten wir durch sie werden, die Thora sollte unser ewiger Antheil werden, — und wir kehren arm zu unseren Zelten zurück, und auch unsere Feier zählte zu den Dingen — und wahrlich sie vor allen anderen — über welche der Weise sein bin kn aussprechen müßte. Wir hätten den Ruf zum Heiligthum, >npD vnyp, die große Zeit der cnyia, des innigen Anschlusses an Gott, nicht begriffen, ja gerade unsere Feier hätte vielleicht uns unserer Pflicht, der Aufgabe unseres Lebens, dem wahren Gottesdienst noch mehr entfremdet; sie hätte dem verhängnißvollsten aller Jrrthümer Vorschub geleistet, als ob es gältej, Gott durch das Opfer der Andacht und Feier einen Tribut darzubriugen, um alle übrigeu Tage des Jahres den selbstgeschaffenen Idealen nachzustreben, Gott gleichsam abzufinden, um Seiner erst wiederum zu gedenken, wenn das Jahr sich abermals zu Ende neigt und wir uns abermals erinnern, daß Gott auch eine Potenz sei, mit welcher der Sterbliche zu rechnen habe. So athmeten wir freudig auf, daß die anstrengenden, störenden Fefteswochen glücklich übersianden seien, daß wir das schwere Opfer gebracht hätten und nun das alte Leben mit erneuter Kraft wieder aufnehmen können, um möglichst schnell nachzuholen, was wir während der Feiertage versäumt haben. Wahrlich über eine solche Festesfeier würde der Stab gebrochen sein, sie fiele unter dem vernichtenden Gotlesworte 'wai nw# qdhjhoi D3'mn „Eure Neumonde und Festeszeiten hasset Meine Seele!" Denn wenn mit der Andacht und Festesfeier für uns der Zweck des tnip tapo und nyio erschöpft wäre, wir darin unserer Pflicht gegen Gott uns entledigt wähnten, wenn wir nicht vielmehr uns zu dem Bewußtsein erheben könnten, daß wir uns im Heiligthume und Feste Gott und unserer Pflicht näher zu bringen und uns mit dem von ihnen ausströmenden Geiste durchdringen zu lassen haben, auf daß unser ganzes Leben in allen seinen Momenten sich nach dem Gebote Gottes vollziehe, dann wahrlich wäre cs besser für uns, Wir blieben dem Heiligthume und dem Feste fern. inns* u’px nnsra 'n mn D^inp Wenn wir in der rechten Gesinnung im Gotteshause geweilt, dann gelangt das dort Gepflanzte zur vollen Blüthe außerhalb desselben; nw, ruft uns das Fest zu, hallet das Festopfer, haltet den Feftgedanken fest, und bethätigt ihn in dem Ernst des Lebens durch den unerschütterlichen Gehorsam gegen Gottes Gebot, durch die begeisterte, freudige Hingebung an eure Pflicht. rabni np:o rvtei Erst am Morgen nach dem Feste, w bm npk, nicht sofort, kehrst du zu deinem Zelte heim, or vmv bv vb pytw nwa bto. „So will das göttliche ^Gesetz nie und nimmer schon in der objektiven Vollziehung einer Opferdarbringung die mit der Stiftung seines Heiligthums erstrebte Absicht vollendet, sondern sie erst in der Wirkung seines Heiligthums und seiner ^Vollziehungen auf uns, in seinem Einfluß auf unser Denken und Sinnen, auf unser Wollen und Handeln abgeschlossen finden, und fordert daher nach jeder Darbringung ins jHeiligthum unser Weilen in dessen Umkreis, auf daß wir uns in seiner Nähe erst sammeln und in der Stille der Nacht die gesammelten Eindrücke reifen lassen, die wir dann mit Hellen Morgengedanken geistig bereichert als den Segensschatz des Heiligthums in die Heimath zum häuslichen Herde tragen", heißt es in Hirsch's Commentar zur Stelle. Das Licht des Heiligthums soll unser Haus erhellen, der Geist des Festes will alle unsere Tage zu Gott geweihten gestalten, unsere ganze irdische Wallfahrt soll in gottfroher Heiterkeit sich vollziehen und der Gesammtinhalt unseres Daseins zu einem einzigen Ausdruck der Willfahrung des göttlichen Gebotes sich gestalten, zu einem einzigen Halleluja. Wenn wir es doch nur einmal wagten, das Licht des Heiligthums zu unserem einzigen Leitstern zu erwäylen und uns von der erhabenen Lebensanschauuug der Tischrifeste tragen zu lassen vom Anfang des Jahres bis zu seinem Ende, wenn wir uns doch nur zu dem Entschlüsse aufraffen könnten, ganze, wahrhafte Juden zu sein — welche Seligkeit würde dann bei uns einziehen, welches Glückes würden wir genießen! O, es hat nicht gut gethan, daß wir uns dem jüdischen Geist und Lebeu entfremdet und dem Heile nachgejagt sind, wo es nimmer zu finden. Unsere Väter und Mütter waren in den ärmlichen Hütten des düster» Judenviertels glücklicher, heiterer, sorgenfreier als ihre Enkel in den Palästen, waren froher und zufriedener im Elend und Druck als diese in der Freiheit und Gleichberechtigung. Sie schöpften die reine wahre Lebensfreude aus dem nimmer versiegenden Born der treuen Pflichterfüllung, sie konnten das schwerste Opfer freudig auf den Altar des Gottesgehorsams niederlegen, sie vermochten die Treue gegen Gott mit einem Leben voller Entbehrungen und dem matervollsten Tode zu besiegeln, sie verstanden es zu dulden und zu sterben mit einem Lächeln auf

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