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Der Israelit · 1889-10-24 · Heft 83 (24.10.1889) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
30 (1889)
Issue
Heft 83 (24.10.1889)
Date
1889-10-24
Page
– (sequence 2)
Language
German
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1422 des Kalbes, das Wiehern des Pferdes, das Geschrei des Esels, das Rauschen der Bäume, das Gemurmel des Baches, der Thautropfen, der am Grashalm hängt. Wer in dieser Weise die Herrlichkeit Gottes sich stets vergegenwärtigt, der wird sobald nicht sündigen. Den eindringlichen Lehren und der Mahnung der Naturbetrachtung kann sich sobald Niemand verschließen. So ruft uns der Prophet Jesaias zu: „Hebet gen Himmel eure Augen und schauet, wer diese erschaffen." Nur die Leidenschaften machen den Menschen blind gegen die eindringliche Lehre der Natur. So mahnt auch derselbe Prophet (Cap. 5, V. 11): „Wehe denen, die des Morgens früh aufstehen, um dem berauschenden Getränke nachzujagen, die des Abends spät verweilen, auf daß der Wein sie durchglühe! Harfe und Psalter, Pauke und Flöte haben sie beim Weingelage, aber das Wirken des Ewigen werden sie nicht schauen und das Werk Seiner Hände haben sie nicht gesehen." Ebenso beklagt es David ,n n^iys hu wa» ab »a rr ntc^D ton, „daß so viele Menschen nicht merken auf das Wirken des Ewigen und das Werk Seiner Hände." Welch' ein Meisterwerk der Naturschilderung ist der 104. Psalm! In der ganzen Weltliteratur gibt es nichts Aehnliches, das in so engem Rahmen und in so meisterhafter Schöne das Universum beschreibt. Schon bei der Schöpfung ist der Gedanke ausgesprochen, daß jedes Wesen einen besondern Begriff darstellt. Durch diese Erwägung können wir einen anscheinend sehr schwer verständlichen Ausspruch der heiligen Schrift erklären. Es heißt im 1. Buch Moses, Cap. 2, V. 19: „Und es bildete der Ewige, Gott, von dem Erdboden alle Thiere des Feldes und alle Vögel des Himmels und brachte (jedes Geschöpf) zu dem Menschen zu sehen, wie er es benennen werde." — Es sind namentlich die Worte „zu sehen" schwer verständlich. Sie werden uns erklärt durch eine Erzählung der Weisen im Midrasch Rabbah zur Stelle. Als Gott, so erzählen die Weisen, sich mit den Engeln wegen der Schöpfung des Menschen berieth, da widersprachen einige der Engel. Nach der Schöpfung des Menschen sprach Gott zu diesen: Seine Weisheit ist größer als die eurige. Und Gott führte den Engeln die Thiere und die Vögel vor, und sie vermochten ihnen keine Namen zu geben. Aber der Mensch gab jedem einzelnen Wesen den ihm passenden Namen. Dann fragte ihn Gott: Wie soll dein Name sein? Und er sprach: Mir ziemt es, Adam genannt zu werden, denn von der Adamah (Erde) bin ich erschaffen worden. — Und Ich, welchen Namen wirst du mir geben? fragte Gott. Und Adam sprach: Dir ziemt es, der Herr genannt zu werden, denn Du bist der Herr aller Deiner Geschöpfe. — Und so heißt es auch (Jesaias, C. 42, V. 8): Ich, der Herr, das ist Mein Name, Mein Name, den der erste Mensch Mir gegeben hat." — Aus dieser Erzählung der Weisen geht hervor, daß die Namengebung eine Bethätigung großer Weisheit war, und daß diese Namengebung nicht nach Willkür geschah, geht aus den zwei Beispielen hervor, bei denen die Begründung angegeben ist. Wir dürfen daraus schließen, daß auch bei den andern Namen jedesmal ein Begriff zu Grunde liegt. Wenn auch die neuere Sprachforschung vielfach meint, daß der Sprachenbildung oftmals Willkür zu Grunde liegt, so macht doch, selbst zugegeben, daß das so richtig sei, jedenfalls die hebräische Sprache eine Ausnahme. Sie ist nicht willkürlich gebildet; ihre Benennungen entsprechen stets den Begriffen und Gegenständen; es bezeichnen in ihr die Namen der Geschöpfe die Begriffe derselben; aus den Begriffen hat der erste Mensch die Gattungsnamen der lebenden Wesen gebildet. So verstand also schon der erste Mensch zu prüfen und zu unterscheiden die Natur und das Wesen und den Zweck der Geschöpfe. So nannte er den Namen eines Vogels Chaßidah, weil dieser so fromm und so liebevoll mit seinen Genossen verkehrt — ein Beispiel für ihn, liebevoll mit seinen Genossen zu verkehren; so nannte er den Hund Keleb (av £ia), weil die Treue gegen seinen Herrn sein Herz erfüllt — ein Beispiel für den Menschen, die Treue zu bewahren im Leben. Es ward ihm also die Natur gleichsam ein Lehrbuch des Glaubens und der Sitte. (Fortsetzung folgt.) Wach den Arsten von Jsaac Hirsch. Die Festwochen sind vorüber. Sollten sie spurlos entschwunden sein? Sollten wir nur in den gehobenen Tagen des Jahresanfangs, nur in dem Gotteshause vor Gott gestanden haben und nun in die gewohnten Geleise des Lebens einlenken, ohne von dem Ernst des ersten, ohne von der sittlichen Wiedergeburt des zehnten, ohne von dem Gottvertrauen und der Heiterkeit des fünfzehnten Tischri getragen, zu der Arbeit, der Sorge, den Mühen, des Jahres zurückkehren? Weh uns, wenn dem also wäre: Der Segen der Feste wäre uns nicht zu Theil geworden, wir hätten ihn verscherzt durch Gedankenlosigkeit und •'li^aTiiWiiV i' '

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