Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 30 (1889)
- Issue
- Heft 82 (21.10.1889)
- Date
- 1889-10-21
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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XXX. Jahrgang. Beilage )u^82dk8„IsrllM"L„Ieschurun". ZeLtuttgsnachrichten und Correspondenzeu. Deutschland. Posen. Dem einundfünfzigsten Bericht über den Stand und die Verwaltung der israelitischen Waisen Knaben-Anftalt zn Posen (Jahr 1888) entnehmen wir: Im verflossenen Jahre haben wir das der hiesigen Synagogengemeinde gehörige, unserem Hause angrenzende Grundstück erworben, um uns die Möglichkeit für den in Aussicht stehenden Erweiterungsbau freizuhalten. Unsere Mittel reichen hierzu vorläufig noch nicht aus. Allein wir hoffen auf 'den göttlichen Beistand, der keinem guten Werke fehlt, und rechnen auf die Hochherzigkeit edler Menschen, welche wir bisher niemals vergebens angerufen haben. Aus der beabsichtigten Erweiterung wird in erster Reihe die Provinz Nutzen ziehen; der Plan hierzu ist vorzugsweise in ihrem Interesse gefaßt worden. Zahlreich sind die Gesuche, die aus den Provinzialgemeindcn bei uns einzugehen pflegen; obschon wir die meisten ihrer gar oft überaus traurigen Nothlage wegen als berechtigt anerkennen müssen, können doch nur verhältnißmäßig wenige bei der Aufnahme berücksichtigt werden. Infolge dieser Erkenntniß haben wir uns entschlossen, soweit es angeht, zunächst durch Vergrößerung unserer Räumlichkeiten Wandel zu schaffen. Wir richten daher an die Glaubensgenossen unserer Provinz die ernstliche Bitte, unserem Vorhaben nach Kräften ihre Unterstützung angedeihen zu lassen, vor allem dadurch, daß sie durch Zuwendung regelmäßiger Jahresbeiträge als Mitglieder unserer Anstalt beitreten. Zöglinge aus der Stadt Posen sind 11 und aus der. Provinz 22 zu verzeichnen. Aus der Anstalt wurden 3 entlassen; zwei traten in die Lehre im Laufe des Jahres; außerdem subventionirte die Anstalt 3 Lehrlinge. Sieben wurden neu ausgenommen. Jnowratzlaw, 8. Oktober. „Vor einigen Tagen erhielt ich aus Jerusalem von einem Freunde Herrn Rabbiner Aron Lewi die Trauernachricht, daß dessen Vater, der hochberühmte Rabbi Jakob I. L. Lewi am Sonnabend den 7. September c. um die Minchazeit den Weg alles Fleisches 'gegangen ist. Vor 46 Jahren wanderte derselbe mit seinen beiden großen Brüdern aus dem Gouvernement Kalisch nach Jerusalem aus, um, daselbst sich einzig und allein dem Dienste Gottes, der Thora und den edlen Werken zu ergeben. Er war auf jedem dieser Gebiete einer der hervorragendsten Rabbinen der heiligen Stadt und unzählig sind die Wohlthaten, die er in seinem langen werthvollen Leben geübt. Er hinterläßt eine zahlreiche Nachkommenschaft i"rp in leider sehr dürftigen Verhältnissen. Darunter befinden sich gröfeefmin yyb und ttnp Wir ersuchen alle edle Wohlthäter, die bisher ihre Gelder für Palästina an Rabbi I. I. L. Lewi sandten, von nun an diese an den Sohn desselben!, Herrn Rabbiner Aron Lewi in Jerusalem zu senden. Derselbe wird fie mit derselben Gewissenhaftigkeit wie sein seliger Vater nvW?i vertheilen!" l'n tDDiy nin -ann Dr. H. Tietz. O Oesterr.-Ungar. Monarchie. Wie«, 24. Sept. Der hiesige von Schönerer begründete deutschnationale Verein wurde behördlich aufgelöst. Die Auflösung wird damit begründet, daß der Verein durch die Beglückwünschung des Abg. Türk zu dessen landesverrätherischer Aeußerung anläßlich der Wehrdebatte im Reichsrathe,?'sowte auch sonst sich offen auf einen, der österr.-ungar. Monarchie feindseligen, sohin unpatriotischen und staatsgefährlichen Standpunkt gestellt habe. Ebenso habe der Verein der Verbreitung des Antisemitismus den regsten Vorschub geleistet, welcher geeignet sei, die Bevölkerung durch Verhetzung und Verschärfung der nationalen, sowie der konfessionellen Gegensätze aufzureizeu. Ferner hat der Verein durch Uebersendung eines Begrüßungsschreibens an den Antisemitentag in Bochum seinen statutenmäßigen Wirkungskreis überschritten. Wiener Neustadt, 1. October. Der Erzieher des die hiesige Militärakademie besuchenden Erzherzogs Joseph von Toskana, ein Hauptmann der Artillerie, hat bet seinen Antrittsbesuchen bei den Honorationen auch unserm Rabbiner seine Aufwartung gemacht, was bei der hiesigen Bevölkerung mit allgemein großer Befriedigung ausgenommen worden ist.