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Der Israelit · 1889-10-21 · Heft 82 (21.10.1889) · page 16

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Journal
Der Israelit
Volume
30 (1889)
Issue
Heft 82 (21.10.1889)
Date
1889-10-21
Page
– (sequence 16)
Language
German
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1412 machten dem Könige Vorstellungen und verlangten den Rückzug. Gleichzeitig kamen beunruhigende Nachrichten aus der Heimath. Es war gerade so gekommen, wie der Großvezier es vorausgesagt hatte. Die Verwandten der bestraften Verschwörer suchten überall Unruhe zu stiften. Auch im Volke erhoben sich gewichtige Stimmen gegen den König. Er opfere, sagte man, das Leben seiner Tapferen seinen ehrgeizigen Plänen und nicht dem Wohle des Vaterlandes. Die heftigsten Anklagen wurden gegen den Großvezier vorgebracht. Er hätte den König bestimmen müssen, nach erlangtem Siege mit dem siegreichen Heere nach der Heimath zurückzukehren. Wohl gab es Männer, die den Großvezier vertheidigten und geltend machten, daß ein Großvezier wohl seinen Rath ertheilen, aber den König nicht zwingen könne, ihn zu befolgen. Diesen entgegnete man, daß gerade darin das Unglück bestehe, daß ein Fremder, ein Nichtperser, ein Ungläubiger, Großvezier sei. Wenn ein Perser in diesem hohen Amte dem Könige einen gewichtigen Rath ertheilt, von dessen Nichtbefolgung er Unheil für das Land befürchte, so würde er entweder die Befolgung dieses Rathes durchsetzen oder sich den Kopf vor die Füße legen lassen. Hat, so sagte man, der jüdische Großvezier dem Könige den Rath ertheilt, unsere Brüder dem Tode in Feindesland preiszugeben, so hat er den Tod verdient; nicht minder, wenn er zu des Königs unheilvollen Beschlüssen geschwiegen. Aber auch dann, wenn er dem Könige davon abgerathen, aber es nicht verstanden, seinen Willen dem des Königs gegenüber durchzusetzen, so sei er für all das Unglück, das aus der Nichtbesolgung seines Rathes entstanden, verantwortlich zu machen. Der König fügte sich endlich und befahl den Rückzug. Nun aber kamen die Feinde aus ihren Hinterhalten hervor und belästigten das rückziehende Heer derart, daß die persischen Soldaten gleich Fliehenden und nicht gleich Siegern die Heimath erreichten. Der König hatte sich durch sein unkluges Vorgehen, durch seinen tadelnswerthen Eigensinn um alle Triumphe gebracht. Wie alle schwachen Naturen wollte er sein Unrecht nicht einsehen, sondern wälzte die ganze Schuld auf den Großvezier, der es nicht verstanden hatte, seinen Willen gegen den des Königs durchzusetzen. „„Du hättest mich zwingen müssen. Deinem Rathe zu folgen, selbst auf die Gefahr hin, Dein Leben dabei zu verlieren. Ich hätte Dich nicht tobten lassen, da ich Dich für unentbehrlich hielt. Nun aber wird das Volk Deinen Kopf verlangen, und auch ich sehe ein, daß Du nicht der rechte Großvezier bist, da Du es nicht verstanden hast, mir so gegenüberzutreten, wie es Deine Pflicht gewesen wäre. Ich fürchte, ich werde Dich nicht schützen können."" Rabbi Elieser schwieg. Er sah das Verderben herannahen. Seine zahlreichen Feinde waren nicht unthätig gewesen, den Haß der Väter und Brüder der gefallenen Soldaten gegen den Großvezier zu entflammen. Schon am andern Tage zogen die Meuterer in hellen Haufen vor die Pforten des königlichen Palastes und verlangten den Kopf des Großveziers. Der König befahl, ihren Wunsch zu erfüllen, den Großvezier zu enthaupten und den Kopf desselben unter die aufrührerische Menge zu werfen. Als die Henker kamen, um den Befehl des Königs zu vollstrecken, fanden sie das Gemach des Großveziers leer; er war schon am Tage zuvor entflohen. (Fortsetzung folgt.) Auflösung des Räthsels in Nr. 80 u. 81: (West). — *>£ (Wasser). „Israelit" und „Jeschurun" erscheint wöchentlich zweimal, Montags und Donnerstags, jedesmal in mindestens 2 Bogen Preis des Jahrgangs für Deutschland und Oesterreich 12 Reichs-Mark, für'S Ausland 16 Reichs-Mark. Man abonnirt ganzjährig, halbjährig oder vierteljährig. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — Durch den Buchhandel j» bestehe« bet K. F. Steinarber, Leipzig, Uoßplah 16. — Inserate 25 Pfennige die dreigespaltene Petitzeile oder deren Raum. — Oesterreichische Banknoten laut Cours. — Directe Francozusendung unter Streifband pro Jahrgang für Deutschland und Oesterreich 14 Reichs-Mark oder 8 fl. Üsterr., für'S Ausland 18 Reichs-Mark an die Expedition franco einzusenden. Inhalt (Hanptblatt): Leitende Artikel: Perek Schirah. — Literarischer Bericht. — Zeitungsnachrichten und Correspondenzen : Deutschland: Berlin. Remagen. — Schweiz: Zürich. Bern. — Oest.-Ungar. Monarchie: 2mal Wien. Prag. Pesth. — Holland: Amsterdam. — FLktttkreich: Paris. — England: London. — Feuilleton: Rabbi Elieser Aschkenasi. — Inhalt der Beilage: Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Posen. Jnowratzlaw. — Oest. - Ungar. Monarchie: Men. Wiener Neustadt. Pesth. — Frankreich. 2mal Paris. — England: 3mal London. — Rußland: Lublin. — Palästina: Jerusalem. — Inhalt der Extra-Beilage: Spenden-Berzeichnisse. Verantwortliche Redaction: vr. Lehmann in Mainz. — Expedition deS «Israelit" und «Jeschurun" Schottstraße 9fr. 2, Mainz. Druck und Berlag der Joh. Wirth'schen Hofbuchdruckerei (Oscar Lehmann) in Main,. Hierzu zwei VeUagen.

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