Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 30 (1889)
- Issue
- Heft 82 (21.10.1889)
- Date
- 1889-10-21
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
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1414 Pesth. Am 23. v. M. wurde der Rabbiner der Status guo-Gemeinde in S. A. Ujely, Herr Leopold Bermann, auf öffentlicher Straße von dem antisemitisch gesinnten Rechtspraktikanten Thuransky mißhandelt. In der Begleitung des Letzteren befanden sich zwei Stuhlrichter; ob auch diese sich bei dieser Heldenthal betheiligt, ist noch nicht constatirt. Der Obergespan hat seine Entrüstung und sein Bedauern über diesen Vorfall ausgesprochen. „Sie können versichert sein", sagte dieser hohe Beamte zu den Gemeindedeputirten, „daß ich dem mißhandelten Herrn Rabbiner und seiner Gemeinde Genugthuung verschaffen werde, falls ein Comitatsbeamter in dieser Angelegenheit sich etwas zu Schulden hat kommen lassen. Ich werde auch in Zukunft bestrebt sein, den isr. Mitbürgern gegenüber jene aufrichtige und wohlwollende Freundschaft zu bekunden, welcher sie sich bei jeder Gelegenheit in so hohem Maße würdig machen." Frankreich. Paris. Eine interessante Gedenktafel wurde am Donnerstag, anläßlich der jüdischen Neujahrsfeier in der neuen Pariser Synagoge Rue Buffault enthüllt. Die aus schwarzem Marmor bestehende Gedenktafel enthält inmitten der Namen der berühmtesten Juden folgende Inschrift: „Aux grands citoyens frangais, dMenseurs du judaisme Malesherbes , Mirabeau l’abbe GrSgoire, de Seze, Clermont-Tonerre, Duport. (D6cret de l’Assemblee nationale 28. janv. 1790). (Den großen französischen Bürgern, Vertheidigern des Judenthums Malesherbcs, Mirabeau, Abbä Gregoire, de Seze, Clermont Tonerre, Duport. Dekret der Nationalversammlung vom 28. Januar 1790.) Die Kosten zur Erbauung der Synagoge hat Herr Osiris, ein bekannter Philanthrop, gespendet, derselbe, derdie Musset-Statue errichten läßt und dem französischen Ministerium 100,000 Francs zur Verfügung gestellt hat, als Preis für das bedeutendste Werk für Kunst und Industrie auf der ganzen Ausstellung. Paris. Außer den bereits erwähnten jüdischen Dcputirten Bischofsheim und Reinach wurden bei der Stichwahl am 6. October noch drei Israeliten, Alfred Naquet, Camille Dreyfuß und David Raynal gewählt, so daß also in der neuen Kammer fünf Israeliten (die vorige Deputirtenkammer zählte deren, vier) Sitz haben werden. Der Deputirte Bischofsheim hat auf das Neujahrsfest der jüdischen Gemeinde in Nizza 10.000 FrcS. zur Deckung ihrer Schulden geschenkt. England. London. Unter Wahrung der althergebrachten mittelalterlichen Formen hat die City am Sonnabend, wie bereits gemeldet, in würdiger Weise, die Wahl des Lordmayors und des seine Stelle vertretenden Sheriffs für das kommende Jahr getroffen. Unter Vorantritt der Herolde begab sich der Lordmayor, von seinem Schwertträger und Szepterträger begleitet, in seiner vergoldeten Staatskarosse nach der festlich geschmückten Gildenhalle, wo ihn bereits die sämmtlichen Aldermänner undGildenmeister erwarteten. Wenn man die Herren in ihren Talaren und Baretten, mit den schweren goldenen Amtsketten um den Hals, sah, konnte man sich ins Mittelalter zurückversetzt denken. Die althergebrachten Formen ihrer Verhandlungen trugen weiter dazu bei, die Täuschung zu vervollständigen. Unter Fanfaren der City-Trompeter in ihrer schönen Tracht aus der Zeit Heinrich VII. bestieg der Lordmayor seinen Thronsitz und eröffnete mit einer passenden Ansprache die Verhandlungen. Der^ „Stadtschreiber" (er hat ein Gehalt von nur 6200 Pfd. Sterling und ist kein kleines ThierJ") verlas sodann die Liste der für die Würde des Lordmayors wählbaren dienftältesten Aldermänner. Die Vertrauensmänner der wahlberechtigten Gildeumitglieder zogen sich daun in ein anstoßendes Gemach zurück und erschienen bald darauf mit der Meldung, daß die Wahl auf ihren lieben und verehrten Mitbürger Aldermann Jsaac gefallen sei — eine Bekanntgabe, die mit enthusiastischen Beifallsrufen ausgenommen wurde und keinen Zweifel über die Popularität der Wahl und des Gewählten aufkommen ließ. Aldermanu Jsaac ist der dritte Israelit, welchem die Würde des Lordmayors von London im Verlaufe der,700 Jahre, die seit der Gründung des Lordmayorats verflossen, zugefallen ist. Er ist Theilhaber der von seinem Großvater gegründeten Firma (Früchte und Dörrobst) und Mitglied der Gilde der Gold- und Silberdrahtspinner. Schon als junger Mann hatte er sich die Achtung und das Wohlwollen seiner Mitbürger in so hohem Grade erworben, daß er zu einer Zeit ins Parlament erwählt wurde, wo Israeliten noch gesetzlich als nicht wählbar galten. Jsaac wurde darum nicht zugelassen und nahm nun den Kampf mit dem Parlament auf; immer und immer wieder gewählt, bestand er trotz aller Verfolgungen, wozu auch die Einsperrung im Thurm des Parlaments gehörte, auf der Ausübung seines Rechtes und erzwang schließlich dieselbe, ebenso wie auch die Abnahme der Angelobung anstatt der Eidesablegung auf das „Neue Te-