Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 30 (1889)
- Issue
- Heft 82 (21.10.1889)
- Date
- 1889-10-21
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
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1410 Holland. Amsterdam. Vor den hohen Feiertagen ließ die Gooische Steam Tramway Company Extra-Züge mit bedeutend ermäßigten Preisen nach Muiderberg abgehen, um den hiesigen Juden den Besuch ihres in jenem Platze liegenden Friedhofes zn erleichtern. Frankreich. Paris. Monatsbericht. (August) der „Alliance Jsraölite Universelle." (Israeliten von Marokko). Die Revvil du Maroc vom 7. August gibt folgenden Bericht über einen Vorfall, der sich in Saffi ereignete: Am 6. Juni sah ein Israelit, Namens Moses ben Moujal, als er aus seinem Hause trat, wie ein Eingeborener, Touizi ben Mohamed ben H'ima, ein jüdisches Weib schlug und an den Haaren zerrte. Ben Moujal verweist Touizi seine Handlungsweise, und darauf stürzt sich dieser statt aller Antwort auf den Israeliten, schlägt und mißhandelt ihn und zaust ihm den Bart. Die Frau des Ben Moujal will ihrem Gatten zur Hilfe eilen, der Eingeborene aber wirft sich ihr entgegen und prügelt sie ebenso wie ihre Dienerin. Nun kommt der Vater von Ben Moujal mit seinem Sohne Samuel, um Moses zu helfen, indessen kaum sind sie zur Stelle, so stürzt sich eine Menge von 300 Eingebornen auf sie. Es gelang den anwesenden Israeliten T. zu zwingen, ihnen zum Caid zu folgen, trotz der feindseligen Menge, die mit Steinwürfen und Stockschlägen auf sie eindrang. Der Sohn des Caid empfing sie und sagte ihnen, daß sein Vater mit der Sache nichts zu thun haben wollte. Einige einsichtsvolle Eingeborene erklärten dem Sohn des Caid, daß Touizi eher strafbar wäre. Die Israeliten begaben sich darauf zu Ben Monjal und erfuhren dort, daß dessen Frau infolge der erlittenen Mißhandlungen eine Fehlgeburt gehabt hatte. Am nächsten Tage ging Judah Levy, der Vater von Ben Moujal mit seinem andern Sohn zum Gouverneur, der ein Vetter von Touizi ist. Ihre Bitten und Klagen waren vergeblich; dem europäischen Beamten, der den Gouverneur aufgefordert hatte, den Angreifer zu strafen, wurde die Antwort, daß man seiner nicht habhaft werden könnte. Dieser Einwand war vollkommen falsch, indem der Gouverneur selbst Touizi mit einem Briefe an den Hof des Sultans entsandt hatte. Touizi kam dann auch nach Saffi zurück als Träger einer Botschaft, deren Inhalt unbekannt geblieben. Judah Levy ben Hamon war zu der Zeit abwesend, sein Sohn Samuel wurde zum Gouverneur entboten, und von diesem ins Gefängniß geschickt. Samuel lehnte sich mit aller Macht dagegen auf, erklärte, daß den Opfern von Touizi Gerechtigkeit und nicht Gefängnißstrafe gebührte; indessen auf der Straße wurde er von Soldaten festgenommen, in entsetzlicher Weise geschlagen, in das elende Gefängniß des Dahlis geschleppt und dort mit Ketten beladen. Es wird sogar davon gesprochen, daß die Fußschellen erhitzt wurden und tiefe Brandwunden verursacht haben. Als seine Mutter hiervon hörte, wollte sie sich ins Mittel legen, wurde aber halbtodt geschlagen. Der andere Sohn, Ben Moujal und sein Vater wurden rechtzeitig gewarnt und flüchteten nach Zaouia von Rabat, wo sie noch weilen. Von Mogador wird dem Central-Comitö geschrieben: Hier lebt ein Mann Namens Jsaac Souessia, der lange Zeit in der kleinen Stadt Jleg, in der Provinz Sous gewohnt hat. Da Souessia in Jleg, aller Art Leiden erdulden mußte, hat er sich nach Mogador begeben, wo er gegenwärtig sein Geschäft betreibt, und wo sich Dank der Anwesenheit der Consule unsere Glaubensgenossen einer verhältnißmäßigen Sicherheit erfreuen. Seine Familie aber, die aus seiner Frau und fünf Kindern besteht, hält der Caid von Jleg zurück, um auf diese Weise Souessia in seiner Gewalt zu behalten. Es steht zu fürchten, daß der Sultan, falls nicht von einflußreicher Stelle Fürsprache für Souessia bei ihm erhoben wird, dem Gouverneur von Mogador Befehl ertheilt, diesen festnehmen und nach Jleg zurückbringen zu lassen. Dies wäre ein schweres Unglück für ihn; denn es läßt sich voraus sehen, daß der Caid von Jleg ihn den Versuch und den Wunsch, sich seiner Macht zu entziehen, hart würde büßen lassen. Das Central-Comits hat die zeitige Aufmerksamkeit von H. Patenotre, dem französischen Minister in Tanger aus das Geschick dieses Unglücklichen zu lenken gesucht. Smyrua. — Seit Anfang August herrscht im israel. Stadtviertel eine Fieberepidemte, die fast Niemanden verschont. Mehr als 3,000 Menschen sind davon befallen worden. Es hat keine Opfer gegeben, aber die Krankheit ist sehr schmerzhaft und läßt eine große Schwäche zurück, die eine zeitlang an jeder Arbeit hindert. Die ganze Schulbevölkerung, Lehrer und Schüler war eine zeitlang bettlägerig. Man schreibt diese Krankheit gewissen Wegebauten und den anhaltenden Regengüssen zu,