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Der Israelit · 1889-10-21 · Heft 82 (21.10.1889) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
30 (1889)
Issue
Heft 82 (21.10.1889)
Date
1889-10-21
Page
– (sequence 11)
Language
German
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1407 Drysdale sprach bei Gelegenheit einer eingehenden Discussion über chronische Tuberculose der serösen Häute auch über die Seltenheit der Schwindsucht unter den Juden. Er hat durch vielfältige Untersuchungen festgestellt, daß die Juden, in London wenigstens seltener an Schwindsucht leiden, als andere Confefsionen, und daß dies von der Ausschließung tuberculösen Fleisches von ihrer Diät herrühre; genaue Inspektion des Fleisches finde nur unter den Juden statt und sei auch anderweitig sehr erwünscht. Zeitungsnachrichten und Correfpondenzen. Deutschland. Berlin, 12. Oct. In der gestrigen Versammlung der christlich-sozialen Partei gab Stöcker Namens des Vorstandes die Erklärung ab, daß er und die Partei unter dem Zwange der heutigen innerlichen politischen Lage die öffentliche Thätigkeit einstellen. Remagen. Dem Geschäfts-Bericht über das Jahr 1888 der „Chebroh Kadischoh", „Verein zur Hebung und Verbesserung der sozialen Lage der Juden", Sitz Remagen entnehmen wir: Der „Verein zur Hebung und Verbesserung der sozialen Lage der Juden" mit seinem Sitz zu Remagen, tritt unter diesem Namen zum ersten Male mit einem Rechenschaftsbericht auf. Thatsächlich ist derselbe nur eine Fortsetzung des bisher 52 Safyte zu Remagen unter dem Namen „Chebroh-Kadischoh" bestandenen „Wohlthätigkeitsvereines." Zur Namensänderung entschloß man sich, weil man der Ansicht war, daß der Zweck und das Wirken einer Vereinigung auch schon theilweise in dem Namen derselben zum Ausdruck gelangen müsse. Bereits seit einer Reihe von Jahren jedoch erblickte die Leitung des Vereins nicht mehr ihre Hauptaufgabe darin, was man im allgemeinen unter „Wohlthätigkeit" zu verstehen pflegt, nämlich das Austheilen von Geld an arme Familien, sondern sie suchte das Uebel an der Wurzel zu fassen, indem sie dazu überging, in erster Linie die Kinder armer Eltern dem Elend zu entreißen dadurch, daß man sie ein Handwerk oder sonst einen ihren Neigungen entsprechenden ehrbaren Beruf erlernen ließ. Ueber den Vorzug dieser Thätigkeit und Wirksamkeit vor dem bloßen Almosenaustheilen kann bei allen Denkenden nur ein Urtheil herrschen. Um nun vollständig alle Kraft, alle verfügbaren Mittel für diesen edlen Zweck einsetzen zu können, galt es zunächst die bisherigen Statuten, in welchen dieser Zweck wenig oder Har nicht vorgesehen war, durch neue zu ersetzen, die den Bedürfnissen unserer Zeit und insbesondere den Bedürfnissen unserer jüdischen Landbevölkerung mehr gerecht werden sollen. Im §. 3 der neuen Statuten ist dementsprechend auch die Förderung des Handwerks als Hauptzweck aufgestellt. Aber hierin erblickt der Verein noch nicht sein ganzes Streben, sondern wie §. 3 Absatz 2 und §. 5 der neuen Statuten besagen: „Daneben sucht der Verein das Band der „religiösen Gemeinschaft aufrecht zu erhalten und „zwar durch Veranstaltung von populären Vorträgen über jüdische Wissenschaft." Hiermit hat sich der Verein eine hohe kulturelle, eine reine ethische Aufgabe zu der Hauptaufgabe, der mehr materiellen, gestellt. Wer nur irgendwie die Verhältnisse der ländlichen Juden und speziell die unserer Gegend kennt, dem kann die Wahrnehmung nicht entgehen, daß Etwas geschehen muß, um nicht nur die Juden, sondern auch das Judenthum als solches zu heben und zu fördern, da die kleinen Gemeinden hierzu durchaus nicht im Stande sind. Die kleinen Ortsgemeinden sind, wo überhaupt solche existiren, nicht lebensfähig genug, schlecht organisirt, ohne Mittel und bieten das Bild einer großen Zerfahrenheit. Dieser bedauerliche Zustand der Landgemeinden hat sich in unserer Zeit durch fortwährende Ueberfiedelung wohlhabender israelitischer Familien vom Lande in die Städte noch gesteigert. Durch Veranstalung solcher Vorträge glauben wir nicht nur den tiefen ethischen Gehalt des Judenthums solchen beizubringen, denen sonst wenig Gelegenheit dargeboten ist, die herrlichen Schätze unserer Religion und unserer glorreichen Vergangenheit kennen zu lernen, sondern wir hoffen unseren armen Glaubensgenossen auf dem Lande auch ihr Dasein zu einem angenehmeren und werthvolleren zu gestalten. Jene traurige antisemitische Bewegung nämlich hat die Kluft zwischen christlichen und jüdischen Mitbürgern bedauerlicherweise erweitert, der vereinzelt wohnende Landjude fühlt sich verlassener als je. Es ist daher ein Trost und eine moralische Stütze für denselben, wenn ihm ohne besondere materielle Opfer häufiger Gelegenheit geboten wird, sich mit gleichfühlenden und gleichdenkenden Glaubensgenossen zu vereinigen, wenn er, der sich sonst

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