Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 30 (1889)
- Issue
- Heft 82 (21.10.1889)
- Date
- 1889-10-21
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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1406 vor, daß diese Schrift ein noch viel höheres Alter habe; in der That berichtet uns der Verfasser des Werkes Eliah Rabbah, im Namen des Maharam Mitrani, daß die Autorschaft des Perek Schirah dem Könige David zugeschrieben wird. In der That hat diese Ansicht etwas für sich, da David es ja ist, welcher im 19. Psalm die Himmel und das Firmament, den Tag und die Nacht gleichsam redend uns vorsührt. Aus diesem 19. Psalm lernen wir auch den Grundgedanken kennen, auf welchem Perek Schirah aufgebaut ist. Dort heißt es: „Die Himmel erzählen die Ehre Gottes, und Seiner Hände Werk zeigt an das Firmament. Ein Tag strömt dem andern Tage Rede zu, und eine Nacht lehrt die andere Nacht Erkenntniß. Keine Rede, keine Worte, ohne daß vernommen wird ihre Stimme, geht durch die ganze Erde ihre Saite und bis an das Ende der Welt gehen ihre Aussprüche." — Der heilige Sänger verwahrt sich gleich gegen das Mißverständuiß, wie wenn Himmel und Erde, Lag und Nacht gleich den Menschen reden möchten. Die Himmel erzählen die Ehre Gottes, jedoch nicht mit vernehmbarer Stimme. Durch die Betrachtung des Himmels und des Firmaments können wir Menschen dazu gelangen, der Herrlichkeit Gottes inne zu werden, und in diesem Sinne erzählen die Himmel die Ehre Gottes. In diesem Sinne haben wir auch den ganzen Perek Schirah aufzufassen. Nicht der Hahn spricht und nicht die Spinne und nicht die Weizenähre; die Worte werden vielmehr den genannten Geschöpfen in den Mund gelegt, und wir können dadurch die Allmacht und Weisheit des Schöpfers bewundern, der jedes Geschöpf Seinen heiligen Zwecken entsprechend erschaffen hat. Aus diesem Grundgedanken kann man auch den Namen Perek Schirah erklären. Das Wort Perek bedeutet so viel wie Capitel und braucht uns hier nicht weiter zu beschäftigen. Schirah übersetzen wir gewöhnlich mit Lied, Gesang. Die Grundbedeutung des Wortes ist eine doppelte. Es hängt zusammen mit nw, schauen — das, was das geistige Auge des Dichters erschaut. Ferner liegt in dem Worte die Bedeutung des Zusammenfassens; so heißt in der Mischna der Halsring, den die Thiere tragen O’nsi»)/ ferner heißt in der heiligen Schrift die Mauer, welche die Stadt umgibt w (*w jHn ,w "hy myx nua). Wenn wir diese beiden Grundbedeutungen zusammenfassen, so können wir das Wort Schir oder Schirah mit „Harmonie" wiedergeben. Es lehrt uns demnach Perek Schirah die Harmonie der ganzen Schöpfung von den leblosen Wesen bis zu den Pflanzen, den Thieren und den großen Himmelskörpern — bedeutender und größer als die Harmonie der Sphären, von der die griechischen Denker uns erzählen. Um diesen erhabenen Gedanken näher auszuführen, müßten wir schon jetzt zu viel aus dem Inhalte des Perek Schirah herausgreifen; wir müssen uns daher für's Erste damit begnügen, ihn angedeutet zu haben. Wir werden uns bemühen, bei der Erklärung der einzelnen Theile wieder und wieder darauf zurückzukommen. Ueber Perek Schirah ist in unserer großen und umfangreichen Literatur noch wenig geschrieben worden. Der Verfasser des Werkes oma*^ non und, in späterer Zeit, R. Jakob Emden, haben kurze Eommentarien gegeben und zwar in kabbalistischer Auffassung. Der einzige, umfangreiche Commentar des Perek Schirah ist von Rabbi Chanoch Sunde l L u r i a, einst Magid zu Nowrhodog in Rußland. Es ist selbstverständlich, daß wir diesen vorzüglichen Commentar bei unsren Darlegungen fleißig benutzen werden. (Fortsetzung folgt.) Literarischer Wericht. X. Die Lehrer der Mischna, ihr Leben und Wirken für Schule und Haus nach den Quellen bearbeitet von Dr. M. Braunschweiger. Frankfurt a. M. Kauffmann 1890. Die Bekanntschaft mit den geistigen Heroen des jüdischen Volkes aus der Epoche des Tannaim weiteren Kreisen zu vermitteln ist der Zweck dieser fleißigen und verdienstvollen Arbeit. Diesem Plane entsprechend ist das reiche Material in knapper Gedrängtheit zu kurzen Artikeln verarbeitet worden, welche die Namen der in der Mischna vorkommenden Persönlichkeiten als Ueberschrift tragen. Ueber zweihundert solcher Aufsätze bilden den Inhalt des Buches. Es sind kurze Lebensbilder, zu welchen in den umfangreichen Noten in ausgiebiger Weise die Quellen angeführt sind, aus welchen der Verfasser die einzelnen Züge geschöpft. Außer den Mischnalehrern werden auch einzelne Persönlichkeiten behandelt, welche nicht zu ihnen zählen, aber in der Mischna erwähnt werden. Wir schließen uns dem Wunsche des Verfassers, daß sein Buch in weiten Kreisen freundliche Aufnahme finden möge, von ganzem Herzen an. Dem Berichte der Jahresversammlung der British Medical Association, welche im August d. I. zu Leeds tagte, entnehmen wir nach dem neuesten Hefte der „Deutschen Medicinischen Wochenschrift" vom 3. October folgende Notiz: