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Der Israelit · 1889-10-21 · Heft 82 (21.10.1889) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
30 (1889)
Issue
Heft 82 (21.10.1889)
Date
1889-10-21
Page
– (sequence 7)
Language
German
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7 zu eröffnen, wie sie allein berufen sein kann, neben der mehr für die s e p h a r d i s c li e Bevölkerung berechneten, unter der energischen Leitung des Herrn Nissim Bechar stehenden Schule der Alliance Israelite Universelle, die auf der niedrigsten Stufe verharrende aschkenasische Bevölkerung immer mehr dem Almosenempfangen zu entreissen und in ihrer jüngeren Generation sittlich zu heben. Dazu kam eine hochherzige Unterstützung von der Alliance Israelite Universelle, die uns durch die Bewilligung einer Subvention von jährlich 2500 Frcs. die freudig übernommene Pflicht auflegte, fünfundzwanzig neue Schüler aufzunehmen. Dass die Alliance Israelite Universelle auch unserer Schule ihre Unterstützung gewährt und zwar in hervorragender Weise, gereicht uns zur besonderen Genugthuung und wird wohl dazu beitragen, immer neue Begeisterung für ihr heiliges Werk zu wecken und immer weitere Kreise von der wirklich universellen Art, wie sie überallhin den Segen ihrer Thätigkeit ausbreitet, zu überzeugen. Zu erstreben bleibt, was uns bisher unsere Mittel noch immer nicht erlauben, die Anstellung eines weiteren seminaristisch gebildeten Lehrers, damit wir die neu eintretenden Kinder in 2 Klassen theilen können. Man darf eben an unsere Schule nicht den Massstab einer deutschen Elementarschule anlegen, in welcher vielleicht — und gewiss nicht zu ihrem Nutzen — 70 Schüler in mehreren Abtheilungen unterrichtet werden. In Jerusalem müssen die Kinder zuerst den Gebrauch der rein deutschen Sprache und ein gesittetes Benehmen sich aneignen, und schlechte Gewohnheiten verlernen. Von dem Verständnisse und der Anwendung der reinen deutschen Sprache hängt der Fortschritt in sämmtlichen Lehrgegenständen ab. Die Kinder müssen zum Denken angehalten, ihre oft verworrenen Begriffe geordnet, die richtige Anschauungsweise ihnen gelehrt werden. Deswegen ist der Anschauungsunterricht (nicht bloss als gesonderte Disziplin) dort die Hauptsache; stille Beschäftigung innerhalb der Unterrichtszeit muss auf ein Minimum reduzirt werden. Dann hat es die Schule in der Unterklasse meist mit 10—11 jährigen Knaben zu thun; die Fortschritte müssen, weil, der Wichtigkeit des Hebräischen und Arabischen wegen, kaum die Hälfte der Unterrichtszeit auf Deutsch und die Elementarfacher verwandt werden kann, entsprechend schneller sein. Aus der im Jahresberichte gegebenen Uebersieht der während des Schuljahres absolvirten Pensen geht hervor, dass der Lehrplan streng eingehalten wurde. Was geleistet worden ist, zeigte die öffentliche Prüfung, welche am 28. März abgehalten wurde, und die dieser vorangegangenen Examina. Dieselben bewiesen, dass das Durchgenommene wirklich Eigenthum der Schüler ist. Der hebräische Unterricht nimmt denjenigen Bang in der Schule ein, der ihm speziell in Jerusalem gebührt. Schon die Unterklasse versteht, wenn hebräisch zu ihr gesprochen wird, und ist auch im Stande, sich in der hebräischen Sprache verständlich zu machen. Die Oberklasse spricht hebräisch geläufig, bewältigt die Grammatik und schreibt oft fehlerfreie Aufsätze. Ganz dasselbe gilt vom Arabischen. Ein hervorragender mohammedanischer Geistlicher, der Imam Scheck Jussuf gab, wie uns mitgetheilt wird, sein Urtheil dahin ab, dass die Leistungen diejenigen in allen dortigen mohammedanischen Schulen, worunter sich eine Art von Hochschule befindet, übertreffen. Ueberdie Leistungen im Deutschen und den Elementargegenständen verweisen wir auf die in „II.“ abgedruckten Urtheile sachkundiger Männer. Was den fakultativen Unterricht im Englischen und Französischen, an dem die ganze 0 berklasse sich mit Eifer betheiligt, anbetrifft, so hat sich am Schlüsse der Prüfung ein angesehener Mann dahin geäussert, er wäre, als er das Gymnasium absolvirt hatte, nicht im Stande gewesen, sich der beiden Sprachen so zu bedienen, wie es unsere Kinder thun. Herrn- Henry A. Franklin in London, unseren* Verwaltungsrathsmitgliede, sind wir für die Zuwendung von 27 englischen Lesebüchern zu Dank verpflichtet. Der Turnunterricht, - der sich im vorigen Jahre auf Frei- und Ordj nungsübungen beschränken musste, umfasst jetzt / in Folge der Aufstellung von Reck und Barren l auch Geräthübungen. Von Interesse dürfte sein, dass die Schüler der Oberklasse am Purim das Schauspiel „Esther“ von Racine in deutscher Uebersetzung mit überraschendem Erfolge aufführten. Das Lehrerpersonal erlitt insofern eine Veränderung, als Herr Mejuhas, welcher nahezu 5 Jahre an der Anstalt wirkte, am 1. December seine Stelle an unserer Schule aufgab. An seiner Stelle übernahm Herr J e 11 i n, früher Lehrer an der Schule des Herrn Nissim Bechar, den arabischen, sowie auch einen Theil des hebräischen Unterrichtes, und zwar bis zum 1. Januar, dem Termin seiner Anstellung, unentgeltlich, für welche Aufopferung wir ihm unseren besten Dank aussprechen. Ferner schied Herr A. M. L u n c z aus dem Lehrerkollegium aus; seine Stunden gingen auf Herrn Chajim Hirschensohn über. Für die Beköstigung und Kleidung der ärmeren Tagesschüler sorgten wiederum edle Menschenfreunde theils durch Baarspenden, theils durch Geschenke in Naturalien. Speciell die

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