Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 30 (1889)
- Issue
- Heft 82 (21.10.1889)
- Date
- 1889-10-21
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/2446951-2447947-2448004--28883-2476589- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
6 Bericht des Vereins zur Erziehung jüdischer Waisen in Palästina (Sitz: Frankfurt a. Hain.) für das Jahr 1888. ■-*•-— — Frankfurt a. M., im Juli 1889. I. Das verflossene Jahr bezeichnet einen weiteren Schritt vorwärts auf dem Wege, den wir seither mit Erfolg gewandelt sind. Nicht fruchtlos haben wir uns im vorigen Jahre an unsere Glaubensgenossen gewandt, damit uns die Mittel zur Aufnahme neuer Waisenknaben gewährt werden mögen. Dank den Zuwendungen, die uns von verschiedenen Seiten gemacht wurden, haben wir die Zahl unserer Waisenzöglinge bereits auf 25 erhöhen können. Es drängt uns, vor Allem dem hochwürdigen Exekutivcomite des Unabhängigen Ordens der Bne Brith in N e w - Y o rk unseren Dank für seine grossartige Unterstützung auszusprechen Genannte Behörde gab uns sowohl im Jahre 1888 als auch in diesem Jahre eine Subvention von je Mk. 4000, mit der Aussicht, dass uns der gleiche Betrag alljährlich zu Theil wird. Ausserdem haben uns die einzelnen Logen dieser so segensreich wirkenden Verbrüderung eine stattliche Anzahl neuer Mitglieder zugeführt. Eine edle Wohlthäterin in Frankfurt a. M., die nicht genannt sein will, hat den Unterhalt eines Knaben auf vier Jahre bestritten. Ebenso haben edle Damen Cölns und Herr Selig Goldschmidt in Frankfurt a. M. den Unterhalt je eines Knaben übernommen. Letztgenannter Menschenfreund stattete ausserdem die Synagoge unseres Waisenhauses mit einer Gesetzesrolle nebst kostbarem Zubehör aus. In dem begonnenen Jahre hat sich zu unseren Wohlthätern das Berliner Comite für die verfolgten russischen Juden mit einer Spende von Mk. 2000 zur Verwendung für .Waisenkinder russischer Abstammung gesellt, und die Herren N. M. von Rothschild & Söhne in London haben uns mit einer Gabe von L. 50 erfreut, deren jährliche Spendung an Bedingungen geknüpft wurde, welche wir stets erfüllen zu können hoffen. Aus London sandte Herr B. Birnbaum 25 Regenmäntel, aus Berlin die Harren Grumach Shawls, warme Strümpfe und Handschuhe für die Waisen. — Allen Gebern bringen wir aus tiefstem Herren den Dank im Namen unserer so hilfsbedürftigen Zöglinge dar. Nicht unterlassen wollen wir jedoch, ausdrücklich unseres Ehrenmitgliedes, des Herrn Bezirksrabbiners Dr. Salvendi in Dürkheim zu gedenken, der, gleich wie in früheren Jahren, unermüdlich im Interesse unseres Vereins gewirkt hat. Zum Berichte über die Schule übergehend, haben wir zunächst einen Fortschritt zu verzeichnen, der schon längst von uns angestrebt wurde. Die räumliche Trennung der Schule vom Waisenhause, die schon aus Gründen der Disziplin immer mehr als Bedürfniss sich herausgestellt hatte, und nur durch die Unzulänglichkeit unserer Mittel immer aufgeschoben werden musste, war durch die vergrößerte Schillerzahl und durch den Umstand, dass die obere Klasse für die hebräischen Unterrichtszweige in zwei Abtheilungen getheilt werden musste, zu einer unabweisbaren Nothwendigkeit geworden. Nach Schluss des Sommersemesters, welcher am 2. September statt hatte, mietheten wir ein Haus in gesunder Gegend, von dem Waisenhause etwa 6 Minuten entfernt und der Stadt ebenso nahe gelegen wie dieses, und liessen es zu Schulzwecken herrschten. Es liegt nicht an der Strasse, ist mit einem grossen Garten und Spielplatz versehen und enthält einen sehr geräumigen Saal und zu dessen beiden Seiten je drei Zimmer, von denen jedes jedoch nicht mehr als 22 Kinder aufnehmen kann. Zum Wintersemester traten 40 neue Schüler ein, zahlreiche spätere Anmeldungen konnten, weil mitten im Semester erfolgt, mit nur wenigen Ausnahmen nicht berücksichtigt werden. Gegenwärtig ist die Schülerzahl 105, darunter 80 Externe, und zählt die Unterklasse über 50 in 8 Abtheilungen. Dieses erfreuliche Ergebniss ist zum wesentlichen Theil das Verdienst des verehrlichen Vorstandes der israelitischen Cultus-Gemeinde zu Wien, der als Curatorium der v. Lämersehen Stiftung sich nicht nur, wie im letzten Berichte bereits dargestellt wurde, mit uns vereinigt, sondern auch in dem abgelaufenen Jahre durch verständnissvolles Zusammenwirken aller massgebenden Persönlichkeiten und vor allem des hochverdienten Kaiserl. Königl Oesterreich- Ungarischen Konsuls, des Herrn Ritter von Strautz, es möglich gemacht hat, eine Schule