Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 30 (1889)
- Issue
- Heft 80-81 (8.10.1889)
- Date
- 1889-10-08
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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1385 Also auch in die geweihten Hallen des Todes steigen die Furien, um ihrem unseligen Haß Ausdruck zu geben. N. v. Berlin. Das Testament des fei. H. Löwenheim wurde dieser Tage beim hiesigen königl. Amtsgericht I eröffnet. Der Verblichene setzte das Berliner orthodoxe Rabbiner-Seminar als Universalerben ein und bestellte die Herren Professor Barth und Dr. H. Hildesheimer als Testamentsvollstrecker. Eine Versiegelung des Jnventariums und eine Abordnung einer Gerichtsperson hatte sich der sel. Erblasser testamentarisch verbeten. Einer Schwester, die übrigens nicht mehr am Leben ist, hinterließ L. 600 M. — Vorläufig konnte noch kein klarer Ueberblick über den Werth der hinterlaffenen Vermögensobjekte gewonnen werden. Die hiesige jüdische Gemeinde mußte, wie wir vernommen, das in der Lindcnstraße behufs Errichtung einer Synagoge erworbene Terrain wieder veräußern, da sich nachträglich herausstellte, daß die Baufläche nicht hinreicht, um eine den Anforderungen des Polizei-Präsidiums entsprechenden Synagogenbau aufführen Zu können. Der Vorstand beabsichtigt nunmehr ein größeres Grundstück auf dem Döhnhofplatz zu erwerben. — In der Synagoge, Kaiserstraße 29 wird die Sabbat-Maariw-Andacht mit einem deutschen Gebet eingeleitet, das mit den Worten: „Vorüber sind die Tage der Arbeit" beginnt. Die „Männer der großen Synode" s. A. haben gewiß von dieser Einrichtung keine Kenntniß gehabt, sonst hätten sie den Herren Vorbetern für diejenigen Sabbate, welche unmittelbar auf einen Feiertag folgen, einen andern Text empfohlen, da doch die Festtage keine Arbeitstage sind, und die Arbeitstage schon am Erew Jaum tauw vorüber waren. — Bei dem Recitiren der Minchah-Schemoneh-Eßreh beschließt der Vorbeter mi nnb mit tcmpn "pon »*N3 ohne sich um die Einschaltung des ■pns ]n pai zu kümmern. Rabbinat und Vorstand lassen diese Freiheit unbeanstandet passiren. — Um solcher Kleinigkeit willen keine Störung der rührenden Harmonie. A. Mademoiselle Boretius, — die berühmt gewordene ältliche Dame, ist wirklich nicht so schlecht, wie die hiesigen liberalen Tagesblätter in die große Welt hinausposaunen. Sie hat ja nur die jüdischen Schülerinnen abgelehnt, ihr Geld nimmt sie auch ferner dankbarst an. Sie macht die jüdischen Eltern, die ihre Töchter abmelden, daraus aufmerksam, daß ihre Schülerinneu nur am 1. September bezw. 1. März abgemeldet werden dürfen, andernfalls zur Ableistung des Schulgeldes verpflichtet seien. — Sie will nach berühmten halbasiatischen Mustern 334/3 Procent Jüdinnen gern dulden, allerdings in der Voraussetzung, daß dieselben diese hohe Ehre auch zu würdigen verstehen werden. — Nun sind wieder die jüdischen Eltern so halsstarrig und sträuben sich diese Wohlthat anzunehmen. Es geht doch nichts über die Findigkeit dieser klugen Alten, die es mit Jedermann halten will, die mit einem Aeuglein nach den Antisemiten und mit dem andern nach den zahlungsfähigen Israeliten schielt. — Vergebliches Mühen und Spekulireu auf die Charakterlosigkeit der Eltern. Wir paktiren nicht mit den blöden Judenhassern. N. D. Hannover. Die hiesigen Israeliten haben sich noch immer nicht beruhigt über die Zurücksetzung, die sie in den Kaisertagen hier glauben erduldet zu haben. Es sind nämlich 'alle Geistlichen zur Vorstellung befohlen worden, nur der Rabbiner nicht und es sind alle hiesigen Geheimen Eommerzienräthe geladen worden, nur der eine jüdische nicht. Sehr, sehr viele Auszeichnungen sind ertheilt worden, aber keinem Juden ist eine solche zu Theil geworden. Auffällig ist dies allerdings, wenn wir auch nicht der hier verbreiteten Meinung zustimmen wollen, daß jene Thatsachen in der antisemitischen Stimmung der maßgebenden Kreise begründet seien. Hannover, 30. Sept. Gestern ist hier das weitbekannte und altrenommirte israel. Gasthaus „Spaniers Hotel" cingegangen. Das Haus wurde einem Architekten verkauft. Merzweiler i. G., 1. October. Diejenigen, die sich ein Denkmal bei Lebzeiten setzten, das zum Heil ihrer Mitmenschen dient, soll man immer als nachahmungswürdig der Oeffentlichkeit nennen. Die hier (in ihrem Heimathsorte) weilende Madame Meyer aus Rheims hat uns zu m zum Neubau einer Mikwe 1500 Francs gespendet. Oesterr. - Ungar. Monarchie. Wien. In Mödling ist vor einigen Tagen der Privatier Herr Ignaz Singer im Alter von 72 Jahren gestorben, und der Tod des alten Herrn wurde damit in Zusammenhang gebracht, daß er am letzten Sonntag von einem Bicyclisten überfahren worden war. Herr Singer, der ein Sonderling und unverheirathet war, hatte sehr sparsam gelebt und hinterließ nebst einer Villa in Mödling ein Vermögen von etwa einer halben Million. Obwohl er arme Verwandte hatte, bestimmte er testa-