Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 30 (1889)
- Issue
- Heft 80-81 (8.10.1889)
- Date
- 1889-10-08
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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1384 unseren Hüttenbau von uns heischt und uns zu einem glücklichen, heitern, freudenvollen Leben geleiten will, dann naht der achte Tag als myy, als ein Fest, welches alle die Wahrheiten, die der Festcyclus des Tischri in unseren Lcbenspfad pflanzen will, noch einmal zusammcnfaßt, uns noch einmal alle die erhebenden Momente der vor Gott in Festesfeier verlebten Tage vor die Seele führt, auf daß sie uns zu bleibenden Genoffen werden, auf der Wanderung, die wir durch des Jahres Bahn anzutreten im Begriffe sind. Und die Thora ist es, die wir jubelnd umziehen, der wir zujauchzen, als dem theuersten heiligsten Schatze, den Gott unfern Händen anbertraut. Sie ist das Erbtheil der Gemeinde Jakobs, sie ist der König in Jeschurun — ihrem Dienste weihen wir uns, unsere Häuser, ihr entquillt unsere Freude, aus ihr schöpfen wir Kraft und Trost: ■pty v» 'na ytcnj oy -poa »d toner -pw „Heil Dir, Israel", wer gleicht Dir, Volk, im Heil durch Gott, den Schild Deines Beistandes!" Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Berlin. Bon einem heimathlosen Preußen, der, in Rußland geboren, von beiden Ländern ausgewiesen ist, ohne daß ihm eine Stätte zur Gründung eines Broderwerbes angewiesen wird, meldet das „Berl. Volksbl." : Es ist der Kaufmann Fernb a ch; die Vorfahren des F. sind sämmtlich Preußen, sein Urgroßvater ein Berliner. Der Vater zog nach Rußland und dort wurde ihm nach 4jährigen Aufenthalt ein Sohn geboren, welcher daselbst den Kaufmannsstand erlernte. Als der letztere 18 Jahre alt war, starb der Vater, der sich nie als Russe hatte naturalisiren lassen, sondern bis zu seinem Tode preußischer Unterthan geblieben war. Der junge F. zog bald darauf nach des Vaters Heimath, Preußen, zurück, errichtete in Breslau ein Geschäft, verheirathete sich mit einer Preußin und zog später nach Qels i. Schl., wo er viele Jahre hindurch lebte. Vor etwa drei Jahren traf F. unerwartet ein Ausweisungsbefehl; er mußte sein Geschäft verkaufen und zog nach Rußland. Aber auch hier war kein Verweilen für ihn, als Preuße wurde er von den Russen ausgewiesen; während seine Familie daselbst zurückblieb, wurde er selbst über die Grenze gebracht, aber von der preußischen Behörde nochmals als Russe ausgewiesen. Nunmehr begab sich F. nach Süddeutschland, aber auch hier konnte ihm kein Aufenthalt gestattet werden. F. war früher wohlhabend, ist aber jetzt völlig auf die Mildthätigkett Anderer angewiesen. Er hält sich gegenwärtig hier auf und ist bei dem Ministerium des Innern um Niederlaffungs-Erlaubniß eingekommen. Die Familie Fernbach, die hier zu den achtbarsten — noch glaubenstreuen — Gliedern der Gemeinde zählt, hat sich wohl des fernen Verwandten brüderlich angenommen, jedoch ist ein zerstörter Wohlstand und ein gebrochener Lebensmuth nicht so leicht wiederherzustellen. N. D. Berlin. An den Anschlagsäulen Berlins prangen wieder ellenlange Plakate, welche dem begierigen Volke „Das Volk" anpreisen. „Das Volk", ein Organ des Brand- und Racheapostels, steigt tief unter das Volk herab. Es bewegt sich im Schmutze des fluchsäenden Menschenhasses. Es preist sich als Stütze des deutschen Kaiscrthrones, während es sich bestrebt Feuerbrände in diejenigen Gesellschaften zu schleudern, welche die anerkannten Stützen des friedlich blühenden Staates sind." Während die Helden des „Volkes" ihre Moral (?) anpreisen, fällt einer ihrer Obern unter dem Richtschwert der ahndenden strengen Gerechtigkeit. Die „Voss. Ztg." meldet: „Berlin. Gegen einen hiesigen Anwalt, der in früherer Zeit während der Hochfluth der antisemitischen Bewegung öfter als Wortführer auftrat und genannt wurde, ist am letzten Sonnabend von der hiesigen Anwaltskammer aus Ausschließung aus dem Anwaltsftande erkannt worden." Merkwürdig und sehr bezeichnend ist hier wieder der Umstand, daß der betreffende Vertreter des Rechtes gegen d i ej e ni g e Eorruption am lautesten eiferte, welcher derselbe, — allerdings nur in einer schwachen Stunde — verfallen ist. Wessen sich übrigens der Träger einer Kaiserkrone zu versehen hätte, wenn er den verwerflichen Bestrebungen des Antisemitismus das Recht des Daseins absprechen würde, das ersehen unsere Leser aus einer andern sehr traurigen und eine tiefe, sittliche Verkommenheit verrathenden Thalsache: „Berlin. Im Garten des Wirthshauses „Seebad Wilmersdorf" ist an dem dort aufgestellten Kaiser Friedrich-Denkmal ein Bubenstreich verübt worden. Wiederholt ist in der letzten Zeit während der Nacht das um die Büste aufgerichtete Gitter niedergerissen und zum Theil zertrümmert worden. Der Besitzer, Herr Otto Schramm hat auf die Ergreifung der Buben eine Belohnung von 100 Mark ausgesetzt.