Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 30 (1889)
- Issue
- Heft 80-81 (8.10.1889)
- Date
- 1889-10-08
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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1383 Der zehnte Tischri, Jaum Hakippurim heischt vor Allem die strengste, unbestechlichste Selbstprüfung, Erkcnntniß und Bekenntniß der Schuld der Vergangenheit, um der sittlichen Wiedergeburt, der Sühne und Reinheit thcilhaftig zu werden, d. i. das Ringen nach wahrer Selbsterkenntnis, ist des großen Tages wesentlichste Forderung. Und zum frischen gottfreudigen Leben uns zu ermannen, das unabhängig sich weiß von dem Mehr oder Minder der äußeren Güter und frei sich fühlt von den irdischen Gewalten, Wohlwollen oder Mißfallen, das sich auf den Gottesschutz allein stützt und jeden schaffenden und genießenden Augenblick im Hinblick auf Gottesgebot, im vertrauenden Aufblick zu Gott vollzieht, ladet uns Sukkauß. npis will es uns lehren, die höchste Lebensweisheit, die vollkommenste Lösung des Menschenberufs: die Weihe des ganzen Daseins, die Bethätigung einer jeden Lebensäußerung nach dem Gebote der Pflicht. Wie Wurzel, Stamm und Frucht verhalten sich diese drei das Jahr einleitenden Feste zu einander, m die Wurzel, z>"v der Stamm, mvD die Frucht. Die wahre rawn bewirkt die m&2, und dieser erblüht als reife Frucht .-inv^, die unverwüstliche Heiterkeit der Seele, die Freude vor Gott, aus dessen Händen das durch nawn geläuterte und durch Theo verjüngte Menschenwesen, die Güter der Erde aufs Reue empfängt, um mit ihnen ein Leben in npix, in treuer Pflichterfüllung vor Gott zu beginnen und dadurch der nnzw theilhaftig zu werden. Das Lied des gottbegeisterteu Sängers spricht es darum aus: ujn nvb 71022 isw onro ij?pn, wie der Schofar des Neumonds dem Feste des vollen Lichtes gilt, wie die Freude des Suckauß des ernsten Rausch Haschonoh Ziel ist, wie aber auch nur aus dem Ernste des Rausch Haschonoh des Suckauß herzinnige Freude erblühte. Ist es nicht ein trauriges Zeichen der Gegenwart, daß so viele unserer Brüder sich dieser Erkenntniß verschließen? Die Zähre der Andacht weihen sie Gott, aber die Freude suchen sie nicht bei Ihm, sie gedenken wohl des ersten und zehnten Tischri, aber der fünfzehnte verrinnt ihnen spurlos im Taumel des Gott abgewandten Lebens. Von dem herrlichen, herzerhebenden, gemütherfreuenden Judenthum, welches den ganzen Menschen in allen seinen Beziehungen erfüllen will, ist ihnen nichts verblieben, als ein Paar Stunden der Rührung und Feier, welche sie an den beiden ernsten Tagen des rvn und 2'V im Gotteshause zubringen. Sie glauben mit diesem Opfer sich mit ihrer jüdischen Pflicht abgefuuden zu haben und denken selbst in diesen einzigen der Andacht gewidmeten Minuten nicht j daran, daß, wenn sie nicht in gedankenlsser Einfalt gebetet und gefastet, oder gar ein heuchlerisches Spiel vor Gott getrieben haben wollen, es ihre heiligste Pflicht sein müsse, Gottes Gebote zu erfüllen. Und deßhalb bleibt ihnen die wahre Freude, die aus dem Genüsse der irdischen Güter vor Gott; die aus dem Bewußtsein treuer Pflichterfüllung quellende Freude n«» bv nno», die in dem unerschütterlichen Gottvertrauen wurzelnde heitere Ruhe ewig fremd, und darum hören sie nicht auf den Ruf Gottes, der uns zu sich ladet: nehmet euch der Erden Früchte und freuet euch vor Meinem Angesichtes TDD und 2^*6 sind die Symbole des Suckaußfestes; sie predigten uns tuidn und nnöip, Gottvertrauen und Freude. d’D' nya«? ubti tdd2 In „Hütten" sollen wir wohnen, deren Bedachung das Gepräge des ’toj/, des Nichtbefestigten, des Zufälligen trägt, nicht von Menschen für Menschenzwecke künstlich gestaltet ist, nicht in der Erde wurzelt, das den Durchblick zu dem Himmelszelt gestaltet, damit alle Geschlechter Israels es wissen, daß Gott in Hütten ihre Vorfahren hat wohnen lassen, da Er sie aus Egypten durch die Wüste nach dem heiligen Lande geführt. Als Gott Israel zu einem Volke erstehen lassen wollte, da ließ Er es in die Wüste ziehen pan bb' mm, in die Oede, wo die Wildniß heult. Dort umgab Er es mit Seiner Gnade Schutz, ließ dort ihm die wahre Lebenserkenntniß reifen, daß der Mensch keinen anderen Beschützer und Hüter habe, als Ihn, den Allmächtigen und Allgütigen, der seiner wartet, wie des Auges Sternpuntt, der wie auf Adlers Schwingen es trägt und keine andere Macht neben Ihm. Da sollte Israel das felsenfeste Gottvertrauen lernen, das unbekümmert um des Dräuen der Natur, selbst in der Wüstenei die Hütten heiteren Sinnes anfschlagen lehrt, die Hütte, die sich allein unter Gottes Schutz stellt und nicht von irdischen Mächten, Sicherheit und Schutz erhofft. üib onnp^i Und nehmen sollen wir uns nach dem Willen Gottes in redlichem Erwerb, ein jeglicher zu seinem vollen Besitz von den Gütern, die Gott reifen läßt und mit ihnen die Freude gewinnen vor Gott. Und nicht in selbstsüchtiger, nur sich kennender Gesinnung, sollen wir sie genießen. Wir haben die Brüder in Ost und West und Süd und Nord daran theilnehmen zu lassen, haben sie erst dem Himmel zu reichen, ehe wir sie der Erde weihen: 'n *xh onnoisn. Wenn so der Schofar des Neumonds im Volllichte der Suckaußwoche zur vollen Geltung bei uns gelangt ist, wenn wir gelernt haben, wie Gott