Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 30 (1889)
- Issue
- Heft 80-81 (8.10.1889)
- Date
- 1889-10-08
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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1382 Hüttenfeste auf dem Altäre Gottes dargebracht; wurden — 18 am ersten, 12 am zweiten, 11 am dritten, 10 am vierten, 9 am fünften, 8 am sechsten und 7 am siebenten Festtage, im Ganzen 70 — wurden zum Heile der Nationen geopfert, deren Anzahl nach der Völkertasel in Paraschath Noach 70 beträgt. Das Hüttenfest ist vorzugsweise ein Freudenfest, und die Freude ist der Zustand der höchsten Vollendung. So hat das Hüttenfest einen symbolischen Charakter und stellt den Zustand dar, von welchem der Prophet in der Haphtarah sagt: An jenem Tage wird der Ewige als der einzige Gott anerkannt werden. Die Weisen der Völker sind von jeher dem Götzendienste feindlich gewesen. Schon bei den Griechen zieht der weise Plato gegen die griechischen j Götter zu Felde. Auch sein großer Schüler Aristoj teIe§ war dem Götzendienste abgeneigt. So verhielten j sich auch während des ganzen Mittelalters die Ariftoteliker, welche dem Beispiele ihres großen Lehrers j folgten. In unserer Zeit, in welcher die Natur-! Wissenschaften vorherrschen, sind es die Naturfor- I scher, welche Vorurtheile und Aberglauben bekämpfen. Aber alle diese Weisen und alle diese Forscher find zur wahrhaften Gotteserkenntniß nicht vorgedrungen. Nur Israel ist im Besitze der wahren Gotteserkenntniß und daher der wahren Gottesj furcht. Die Thora erhält uns die Gotteserkennt- \ niß und die Mizwoth bewähren sie stets wieder! und wieder. So ist es das Hüttenfest, welches uns! hinweist auf die Schöpfung des Weltalls durch Gott,! auf die Offenbarung der Thora durch Gott, auf j die Lenkung der Geschichte durch Gott. Bis heute! ist die Feier des Hüttenfestes nur für Israel vor-! behalten; aber einst wird kommen die Zeit, da alle! Völker alljährlich nach Jerusalem wallen werden,! um anzubeten vor dem Könige, dem Ewigen Zeba-! oth und zu feiern das Hüttensest. Dann wird j Gott auch anerkannt werden als nrun König j der Völker, denn als König von Israel, wird Er schon seit Jahrtausenden anerkannt. Dann wird man auch von allen Weisen der Völker und in allen ihren Neichen vernehmen: 7122 pxv „Niemand gleicht Dir." Der Sinn des oben citirten Ausspruches des Propheten Jirmijahu ist also nicht der, daß unter allen Weisen der Völker und in allen ihren Reichen Niemand dem allmächtigen Gotte gleiche; das ist selbstverständlich, das brauchte der Prophet nicht erst auszusprechen. Der Sinn ist vielmehr der, daß all die Weisen der Völker und all die Mächtigen der Erde zu der Erkenntniß gelangen und es aussprechen werden, daß Niemand ist wie unser Gott. < Wie bevorzugt sind wir Israeliten doch, daß wir die Wahrheit, welche den Nationen vielleicht erst in ferner Zeit wird zugänglich werden, schon seit vielen Jahrtausenden besitzen, daß wir sie bewähren können, durch die Uebung der heiligen Gottesgebote! So wollen wir uns denn bemühen, das Hüttenfest und die Gottesgebote, die sich daro knüpfen, in sorgfältigster Weise zu begehen r auszuführen. In der Festhütte wollen wir u u stets vergegenwärtigen, daß diese ist ein Symbol der ganzen Welt und des sie erleuchtenden Gotteslichtes, der Thora; wenn wir die vorgeschriebenen Pflanzenarten zur Hand nehmen, so wollen wir unfern Geist erheben zu dem einzigen Gotte, dem Gotte Israels, den einst alle Völker verehren werden. Im Mußaphgebete, da wir der Festopfer gedenken, wollen wir uns vergegenwärtigen, daß der allmächtige Gott es ist, der die Geschicke aller Völker lenkt. Dann wird die wahre Festesfreude unsere Herzen erfüllen, wie es heißt: my-a bw nn.DBQ 't n« roy Dienet dem Ewigen in Freude, dann könnt ihr frohlocken, wenn Andere erzittern müssen. Der Jestcyclus des Jahresanfangs. Von Jsaac Hirsch. Am der Schwelle des beginnenden Jahres grüßt uns das hehre Dreigestirn der Feste wo nmn, -in» üv und n?2D, dessen Lichtstrahlen alle Tage des Jahres erhellen. Wie der Dreiklang des Schofar, also sind diese drei Feste auf's innigste mit einander verbunden und bilden den entzückenden Akkord, in welchem alle Saiten des Menschenwesens austönen, ja sie sind im tieferen Grunde nichts anderes, als die Erläuterung des Schosarrufs am ersten Tischri. Ein- und Aufkehr. Selbstprüsung und Ermahnung ist der Inhalt dieses Rufes, *) der am Rausch Haschonoh unser Wesen mit mächtiger Gewalt angreifen will, um es zu der Höhe der uns gestellten Lebensaufgabe emporzuheben. Der Einkehr, dem rückschaueuden ernst prüfenden Blick auf unser zurückgelegtes Leben, der Aufkehr und Rückkehr zu Gott, dem Entschlüsse, unfern fernern Lebensweg nach dem Gebote unserer Pflicht vor Gottes Angesicht zu wandeln ist Rausch Haschonoh geweiht. ... Es ist der Erste der m»y rD'.pn '12', und nawn ist das Signum des ersten Tages des Jahres. *) Siehe Hirsch's 8 230.