Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 30 (1889)
- Issue
- Heft 78-79 (30.9.1889)
- Date
- 1889-09-30
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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1362 sind bittet daher Herrn F. seinen Antrag zurückzuziehen. Fernbach will die Ansicht des Berichterstatters durch einen Beschluß festnageln, um dadurch alle öffentlichen Versammlungen vor einem Abirren auf dieses Gebiet zu schützen. Sanitätsrath Dr. Boas glaubt, daß man stillschweigend die Ausführungen des Berichterstatters acceptirt habe. Der Vorsitzende der Iber Commission Herr I. Weinberg ergreift hierauf das Wort und betont, es müsse Jeder den Muth haben, seine Meinung freimüthig, ohne jede Rücksichtnahme, zu äußern. Ein Beschluß wäre auch für die Abwesenden bindend, vr. Boas: Der Takt der Vorsitzenden in den Gemeindeversammlungen müsse solche Fragen wohl zu beseitigen verstehen. Salinger bittet den Beschluß als § des Statuts des Wahlvereins aufzunehmen. Dieser Antrag wird abgelehnt, dagegen der Antrag Fernbach, dem der Berichterstatter zustimmt, einstimmig angenommen. Hierauf wird die einheitliche Tagesordnung für die einzuberusenden Gemeindeversammlungen festgesetzt: 1. Berichterstattung. Dieselbe erfolgt durch einen von dem Sektionsvorstande zu «nennenden Referenten. 2. Wahl eines Cassenrevisors. 3. Besprechung der Maßnahmen für die bevorstehenden Wahlen. Es wurde besonders betont, daß der Centralvorstand es sich zur Aufgabe stelle, die Wünsche der Gemekndemitglieder entgegenzunehmen, um denselben Geltung zu verschaffen, und daß ein Beeinflussen von Oben herab, selbst bei Nominirung der Candidaten für die Repräsentanz ausgeschlossen sei. Bei der Verhandlung über den Termin der öffentlichen Gemeindeversammlungen betont Herr Löwinsohn, daß während der Bußtage die Stimmung für die Behandlung religiöser Angelegenheiten sehr günstig sei, und die meisten Wähler in Berlin anwesend seien. Scheyer fügt dann hinzu, daß die unangenehmen Erfahrungen in den Privatbetlokalen so manchen Wähler in die Versammlung treiben werden, vr. Löwenthal will vorläufig die Personenfragen ausgeschlossen wissen. Oppenheim schlägt den Sonntag, 29. September vor, damit man nicht mit einer Verletzung der Statuten in die große Oeffentlichkeit trete. W. Goldschmidt ist gegen den Sonntag, da die bevorstehende dreitägige Feier den betr. Sonntag zu einem reichbesetzten Arbeitstage erhebe. Lewinsohn will das Gros der Wähler, die Handwerker und Arbeiter berücksichtigt wissen, die Sonn- Vorm. nicht erscheinen können. Der Berichterstatter stellt schließlich in Aussicht, daß bei der Berathung in den öffentlichen Gemeindeversammlungen noch andere hochwichtige Maßnahmen für die bevorstehenden Wahlen in Vorschlag zu bringen seien. Nachdem der Vorsitzende den Versammelten für den regen Eifer und die Einmüthigkeit in dem einem großen Ziele mit herzlichen Worten gedenkt, schließt derselbe die erste Sitzung mit der Bitte, die Agitation für den Wahlverein kräfttgst ins Werk zu setzen. Leipzig. Durch das königliche Friedensrichter- Amt Hierselbst wurde heute festgestellt, ich habe in der Zeitschrift „Israelit und Jeschurun" folgende Erklärung abzugeben: „Anläßlich des jüngst im „Israelit und Jeschurun" gebrachten Berichtes, habe ich heute zu erklären, daß der seiner Zeit in den Vorstand des neugegründeten antisemitisch deutsch-sozialen Vereines aufgenommene Herr Postsekretär Lück, nicht, wie ich schrieb, aus dem Amte entlassen sei, sondern ist vielmehr der genannteHerr Hierselbst beim kaiserlichen Postamte I bedi enftet. Ich bitte Herrn Sekretär Lück für die Unrichtigkeit des Berichtes nicht nur um Verzeihung, sondern erkläre gleichzeitig, daß ich antragsgemäß eine Sühne von zwanzig Mark berichtet und bei Abfassung der Notiz nicht absichtlich eine Verleumdung zu verbreiten die Absicht hatte, sondern vielmehr nach mir zugegangenen Mittheilungen eine Thatsache festzustellen glaubte. Ich erkläre also nochmals, daß Herr Lück, Mitgliedsvorstand des antisemitisch deutsch-sozialen Vereins ist, sich aber beim kaiserlichen Postamt I im Amte befindet. *) Karl Wiesenthal, Schriftsteller und Redakteur. Leipzig, am 18. September 1889. Frankreich. Paris. Bei seiner Anwesenheit in Wien hatte Baron Moritz von Hirsch eine dreistündige Audienz beim Staatsmintster Grafen Taaffe wegen seiner galizischen Millionenstiftung. Die Verhandlungen berechtigen zu der Hoffnung, daß die Stiftung bald ins Leben treten werde. Unter den offiziellen Besuchern der hiesigen Weltausstellung befindet sich auch ein Rabbiner, Herr A. Blum, aus Los Angelos (Californien), welcher vom Senate von Texas als Commissär der Ausstellung ernannt worden. *) Anmerkung. Die geehrten Leser dieser geschätzten Zeitschrift werden einsehen, daß dieser Jrrthum keine beabsichtigte Verleumdung noch Beleidigung war, sondern vielmehr eben eines jener Versehen, die so oft beim Berichterstatter sich einfchleichen. Von meiner Seite ist die angeblich beleidigende Bemerkung überhaupt nicht ausgegangen, ich habe nur auf Grund mir zugegangener Mittheilungen Das berichtet, was ich für Thatsache hielt. Der Kläger hätte sonst nie die Ehre gehabt in diesen geschätzten Blättern erwähnt zu werden, aber weil er eben der einzige Beamte ist, der im Vorstandsmitgliede der Judenhetzgesellschast sich befindet, darum zog man berechtigter Weise Erkundigungen über seine Person ein. Es ist nicht meine Sache viel Geschichte aus dieser geringfügigen Angelegenheit zu machen, Herr Lück ist jedenfalls im Rechte, wenn er gegen mich klagbar wurde, aber ebenso ist die öffentliche Meinung im Rechte, wenn sie sich darüber anshält, daß ein kaiserlicher Beamter die Judenhetze fördert, daß wir, eine kleine Zahl überzeugungstreuer Israeliten, gekränkt, durch das tiefverletzende Gebühren der persönlichen Freunde und Gesinnungsgenossen des Herrn Lück uns mit Vieltausenden von Unterschriften an das Ministerium wenden werden, um Beschränkung dieser Hetzereien, welche bereits derartigen Verwüstungen angerichtet haben, daß der kräftige Arm des Staates sich schnellstens in's Mittel legen muß. Ich habe nie die zahlreichen Angriffe, die gegen meine Person gerichtet waren, einer Behörde übergeben; die Obrigkeit mit persönlichen Sachen dieser Art zu belästigen, halte ich unter meiner Würde und ich hoffe, daß die am 30. September a. c. nach Dresden abgehende Beschwerdeschrist ihre Wirkung nicht verfehlen wird, auch Herrn Lück von seiner öffentlichen Thätigkeit zu Gunsten seiner Partei abbringen wird. D. O.