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Der Israelit · 1889-09-30 · Heft 78-79 (30.9.1889) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
30 (1889)
Issue
Heft 78-79 (30.9.1889)
Date
1889-09-30
Page
– (sequence 4)
Language
German
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1360 Gott ist es, der uns das Leben verlieh, Er, . der Allmächtige, Einzige ist es, der uns wiederum die Freiheit schenkt, mit welcher Er uns ausgerüstet, da wir in's Dasein traten, die Freiheit des Entschlusses zum Guten. Wenn wir der Stimme der Leidenschaft und des Sündenreizes gefolgt und damit diese Freiheit eingebüßt haben, wenn wir blind geworden waren für die Erkenntniß der Wahrheit und taub für die Gebote Gottes, wenn unser Herz stumpf geworden war, so daß wir die Sünde nicht scheuten und nichts in unserm Innern sich regte, wenn wir vom Pfade unserer Pflicht abwichen, dann vermag nur Gott uns die verlorene Reinheit aufs neue zu gewähren als das freie Geschenk Seiner gnadenreichen Huld mön 'n »jb*, nur vor Ihm, nur vor dem Angesichte des allmächtigen über Seiner Welt schaltenden Gottes, können, sollen und werden wir diese Reinheit und Freiheit wiedererlangen. Keines Mittlers bedarf es zwischen Gott und dem Menschen, der sich Ihm in dem Bewußtsein seiner Verirrung und seines Fehls in anfrichtiger Reue naht, um vor Seinem Angesichte das Gelöbniß abzulegen, fortan in Gott allein sein Licht, seinen Herrn, König und Vater zu erkennen, fortan nur von Gottes Gebot sich leiten zu lassen, das Schlechte zu meiden und das Gute zu üben. pnD’D onx 'v Däner«. „Heil Euch, Israel! Vor wem sucht Ihr rem zu werden, wer gewährt Euch Reinheit — Euer Vater im Himmel. Er hat es verheißen: Ich gieße über Euch Wasser hin und Ihr werdet rein. Der Läuterungsbrunnen Israels ist Gott; wie die Quelle die Unreinen reinigt, so verleiht Gott Israel stets auf's neue die Reinheit." Aber nicht unbedingt vollzieht sich am Jom- Kippur diese Wiedergeburt und Verjüngung. ->222 anspxrrH nsav u»*n dob6 «in. Nur Denen wird mnDi msa, die wahrhaft rawn üben, denen am n"-i Gott in Wahrheit das einzige Licht geworden! ist, die in voller Aufrichtigkeit über sich zur Klarheit gelangt und zu Gott zurückgekehrt sind mit dem festen Entschlüsse und dem ernsten Gelöbniß der Treue und des Gehorsams. anpn pn« «2' nxra Der Hohepriester, der der Repräsentant Israels in seinem höchsten Lebensideal der vollendetsten Unterordnung aller Beziehungen des Lebens unter das Gebot Gottes, hatte am Jom Kippur vor Gott hinzutreten, in der heiligen Stätte, die dem Gottesgesetze geweiht war, unter Vergegenwärtigung der vollen Verpflichtung zur Erfüllung desselben und des Abstandes, in welchem sich das vergangene Leben zu dieser Verwirklichung der einzigen Lebensaufgabe vollzog. pv 'n führt dieses an der vorhin erwähnten Midraschstelle weiter aus: Tina nw nV*D non; mmn nun ,min.n jydo .'ui D’oaer man jo^enr nwo jnuer non Nur unter Beherzigung des vollen israelitischen Lebensberufs durfte der Hohepriester im Namen des Volkes von Gott msa erhoffen. So kann auch jeder Einzelne von uns nur auf Gottes Gnade hoffen und von Ihm das Heil erwarten, wenn er vor Gott sich gelobt, fortan ein treuer Sohn der jüdischen Pflicht zu sein, die Thora in allen ihren Anforderungen an sein Thun und Lassen als das Gesetz seines Lebens zu beobachten, Gott zu weihen alle Kräfte seines Leibes, Gott zu bekennen als seinen Herrn durch die Heiligung des Sabbats und sich zu bewähren als Träger des Priesterberufs für die Menschheit, als Verkünder des Gottesreichs, als Erbe der Bundcspflicht, die Gott den Vätern auferlegt. Wehe, wenn wir Gott in Leichtsinn und Heuchelei nahen, wenn wir den heidnischen Gedanken hegen, Gott und unsere Pflicht mit dem Fasten und Kasteien eines Tages abfinden zu können, um das alle in Gotteutfremduug und Pflichtverletzung vollbrachte Leben fortzusetzen, daß wir auch ferner im Verkehr mit unseren Mitmenschen sträflichen Eigennutz, Unwahrheit und Täuschung zu unserer Lebensregcl erwählen, von Lieblosigkeit, Neid und Haß uns leiten lassen, daß wir auch ferner in unserem Genuffesleben Gottes Gebot mißachten, auch ferner den Sabbat entweihen, auch ferner den Götzen dienen, die unsere Leidenschaft und unfern Selbstdünkel auserwählen lassen, aterst «on« idinh 'rotm n»a pp»coa p« atew «ans. Wer also denkt, der ist der Möglichkeit beraubt wahrhafte rotten an sich zu vollziehen, an dem geht der Jom- Hakippurim spurlos vorüber, der gewinnt nicht mrto und mea, der häuft zu der früheren Sünde nur neue. Gott ist der Gott der Wahrheit, Er ist pon nnnw 'M pmai Er prüft und durchforscht des Verborgensten Verborgenes. Er kennt jede Falte unseres Herzens, jede Regung unseres Hirns — wehe, wenn wir Ihm mit heuchlerischer Lippe nahen, wenn unsere Lippen ein Bekenntniß stammeln, von welchem unser Herz nichts weiß, wenn wir Ihn zu täuschen den wahnwitzigen Muth haben, wenn wir Sühne für die Vergangenheit und Heil für die Zukunft erhoffen, ohne wahrhaftige Theschuwa! Wohl uns, wenn wir in Aufrichtigkeit und Ernst zu Ihm zurückkehren! Dann spricht Er auch über uns'nni>D „Ich habe verziehen!", dann dürfen wir Ihm entgegenjauchzen: cm* 'DD—'yem nt« 'nt

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