Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 30 (1889)
- Issue
- Heft 78-79 (30.9.1889)
- Date
- 1889-09-30
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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dort in einsamer, unfruchtbarer Gegend mag er enden. Der eine, aus den das Loos ,mb gefallen, den sollst Du zum Sündopfer darbriugen. Ohne Gebet, ohne w wurde er dargebracht. Wer bereut und sich bessern will, der bedarf keiner werteren Warte. Gott verzeiht und vergibt ihm, ohne daß er noch weitere Bekenntnisse ablegt. Aber bei den lyv heißt es: „Ahron lege seine zwei Hände auf den Kopf des lebenden Bockes und bekenne darüber alle Verschuldung der Kinder Israel und alle Vergehung in allen ihren Sünden und übertrage sie auf den Kopf des Bockes und schicke ihn durch einen bestimmten Mann nach der Wüste." Wer bis jetzt aus Ueberzeugung und mit Absicht Gott gegenübergestanden, der soll die ganze Schuld auf sich nehmen, diese bisherige widerstrebende, falsche Ansicht fahren lassen, soll sie dorthin schicken, wohin sie gehört, in die Wüste. War der towy? nw in der Wüste angelangt, ward er seiner Bestimmung zugeführt, den Berg hinabgestürzt, so daß sein Widerstand gebrochen war, dann, so heißt es, verblaßte die rothe Schnur, deren eine Hälfte ihm um die Hörner gewunden, deren andere am Eingänge des Heiligthums angebracht war, und wurde weiß wie Schnee, so uns die Worte Gottes thatsächlich vor Augen führend: ird* jVra O’Jtso DD’NBn ivr dm, so uns Gottes Verzeihung und Vergebung offenbarend. Wir sind gar oft widerspenstig, widerstrebend, als gälte es sich eines Feindes zu erwehren, als wollten wir uns vor Gefahren schützen, vor Schaden bewahren, sind zäh und hartnäckig, verschließen uns der besseren Erkenntniß. Ist es denn so beschämend einzugeftehen, daß wir gefehlt, daß wir geirrt? Ist es denn so beschämend, seinen Vater im Himmel um Verzeihung zu bitten? Ist es denn so gering, niit seinem Gotte sich Eins zu fühlen, unfern wahren Wohlthäter anzuerkennen, Ihm zu Liebe und uns zum Wohle zu denken und zu leben? Möchte Gott unsere thörichten widerstrebenden Herzen friedlicher, weicher stimmen, auf daß Sein Wort sich an uns erfülle: »ja my rtoi pimbo oyn »a Dainn -nn n^i! Z>ie Wückkeyr zu Holl. Von Jsaac Hirsch. ym ’ti» *i „Gott ist mein Licht und mein Heil!" Nur bei Gott suche und finde ich die wahre Erkenntniß, Er erleuchtet meinen Geist, daß ich mich begreife, daß ich meines Lebens Aufgabe erkenne, um ihr gerecht zu werden in jedem Augenblicke meines Erdenwallens, mit jeder Regung meines Wesens. Und wenn also meines Geistes Erleuchtung in Gott ihren Quell hat, dann begründet Er meines Lebens Glück, dann gewährt Er mir wahrhaftiges Heil. Wie auch immer die äußere Gestaltung meines Geschickes ist, ich bin des beseligendesten dauernden Glücks theilhaft, das mir keine irdische Macht streitig machen kann; — ntn »dd , ich habe nichts zu fürchten. D'TiEon dv) ruaa a»ioa snp pr© *pjan heißt es in ‘d jop 'd nan amo zu diesem Psalmenwort : DHisan ora »jwn nwn ewaa nw, diese wahrhaftige Erkenntniß „mein Licht" am Rosch-Haschono, mein Heil am Jom-Kippurim. pa^ri'?jb nwa "i nynn »yr oyn na«. Im steten Fortschreiten zum Heile ist nur der Kreis begriffen, welcher den Therua-Ruf versteht, der im Lichte Gottes Angesichts wandelt. Gott ist es, der uns am ersten Tischri zu Sich ruft. Der Schofar des Rosch-Haschana hat Ihn uns erkennen lassen wollen als unseres Lebens Hirten, als den Lenker unseres Geschicks, als unfern Herrn und König, dem wir unverbrüchlichen Gehorsam schulden und Rechenschaft abzulegen haben für jede Minute unseres Daseins, als unfern Vater, der in unendlicher Huld und Liebe uns nahe und stets bereit ist, dem an Ihn sich wendenden Kinde Seine Gnade und Sein Erbarmen angedeihen zu lassen. Wenn wir also den Therua-Ruf verstanden und wir im Lichte dieser Erkenntniß fortan zu wandeln ernstlich entschlossen sind, wenn so in Wahrheit u*i»n Gott allein unsere Leuchte ist und wir uns abgewendet haben von den Irrlichtern, die der Sterblichen Wahn nur allzuoft als die Leitsterne für ihres Lebens Bahn sich erkoren, dann wird uns am Jom-Kippur ya” „wirkliches, wesenhaftes Sein", wahrhaftiges Heil zu Theil. Dann gewährt uns Gott die Kraft des Strebens zur höchsten Vollkommenheit, zur Vollendung des vollen Inhalts der Aufgabe, für welche Er uns ins Dasein rief, *a Da’by asa» n:n ova. Denn an diesem Tage, dem zehnten des Tischri. am Jom-Hakippurim, bringt Er Sühne über unsere ganze Vergangenheit, hebt hinweg alle Schranken, die wir in thörichter Verblendung zwischen uns und unserer Pflicht, zwischen uns und Gott errichtet, gewährt Gott uns Schutz vor den Folgen unseres verfehlten Lebens, hält Er auf den Lauf des Verderben und Untergang bringenden Geschickes, dem wir durch eigene Schuld verfallen wären und legt den neuen Grundstein für ein reineres, besseres Dasein, das unser harret, so wir es ernst und aufrichtig wollen.