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Der Israelit · 1889-09-30 · Heft 78-79 (30.9.1889) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
30 (1889)
Issue
Heft 78-79 (30.9.1889)
Date
1889-09-30
Page
– (sequence 2)
Language
German
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1358 und Wissen, weil er sich auflehnt gegen jedes göttliche Gebot, weil, wie er sagt, für ihn kein geschriebenes göttliches Gebot existirt, er nur das für göttlich geboten hält, was seine Vernunft ihn für recht und wahr halten läßt. Wir wollen heute nicht rechten mit diesen absurden Anschauungen. Aber selbst diesen wissentlich sündigenden Menschen — wenn auch sie sich nicht als Sünder betrachten — kommt doch auch einmal der Gedanke, es beschleicht sie doch zuweilen ein Gefühl, als könnte die Wahrheit doch anderswo liegen, der rechte Weg der Erkenntniß doch ein anderer sein. Sowie es unter den Menschen immer solche gibt, die sich absichtlich stemmen gegen die reine Ueberzeugung, die gleichsam stößig und stutzig sind, wenn man an sie die Anforderungen stellt, welche die Mehrzahl der Menschheit anerkennt und danach ihr Leben regelt; wie aber gerade ein 'ww, ein Bekenner des Einen Gottes, durch diese Feindseligkeit gegen Gottes Gebot schlimmer sich versündigt, wie jeder Andere: so ist unter allen reinen Thieren der v'w ->'M das bösartigste. Wilden Thiere, die mit dem Menschen stets auf feindlichem Fuße leben, verargt man nicht ihre Feindseligkrit. Die Ziege aber lebt stets als Hausthier bei den Menschen und bleibt dennoch bösartig, stößt gerne auch den, der ihr -as Futter reicht. Und deßhalb soll gerade ein ony tjw als Verkörperung dieser unserer feindseligen Gesinnung gegen Gott und Sein Gebot als Sühnopfer gebracht werden. Damit aber nicht der Einzelne zurückgehalten werde, wenn von ihm ein solch es Opfer verlangt wird, er also dadurch, auch wenn er jetzt bereut, an seine frühere schlimme Absicht erinnert werde, soll die Gemeinde der Kinder Jisroel diese d'tjw bringen, Es soll Keiner sich besser und reiner dünken, wie '>r Andere; der Eine sündigt auf diese Weise wissentlich, der Andere nach einer anderen Richtung, ue „Und man nehme die beiden Sündenböcke und stelle sie vor den Ewigen." Wenn wir mit uns wahr sein wollen; wenn wir ohne sündhafte Absicht unsere Aufgabe im Leben, unserem Gotte gegenüber unser Verhältniß und unsere Stellung richtig auffassen wollen: dann dürfen wir uns nicht dagegen stemmen, Widerstand leisten dem Führer; vielmehr muß man sich selbst nehmen, sich selbst führen, sich selbst Zureden und vor Gott hintreten. Nur dann, wenn wir diese Scheu, diese Feindseligkeit die in unserer zur Sünde geneigten Natur liegt, überwinden, diese Scheu vor einem ausgesprochenen göttlichen Gebote, diese Scheu vor einem göttlichem Verbote, das uns nicht erlaubt, unserer Neigung, unserer Natur freien Lauf zu lassen; wenn wir uns unterordnen einer höheren Macht, wenn wir ein höheres Gesetz über uns anerkennen; nur dann sind wir auf dem Wege, der zur Aussöhnung führt. „An den Eingang des Stiftzeltes" wurden die gestellt. Sie durften ins Heiligthum gebracht werden, so lange nicht unterschieden war, ob der eine für Gott und der andere für Asosel war und so lange sie nicht ihrer Bestimmung übergeben waren. Und diese Entscheidung wurde durch das Loos herbeigeführt. Gleichgiltig war es, ob der eine oder der andere yjrw, der zur Rechten oder zur Linken des;,-d stehende, 'nb „für Gott" war oder für Asosel. So lange wir noch mit uns in Unklarem find, ob wir unrecht gethan, ob wir gesündigt, oder uns für gut oder sündenfrei halten; so lange stehen wir noch außerhalb, haben wir die Thüre zum Heiligthum noch nicht überschritten, können wir nicht die Schwelle überschreiten. Es ist noch nicht einmal entschieden, welcher Unterschied und ob ein Unterschied existirt zwischen dem, der nur nach einer Seite hin absichtlich sündigt und dem, der aus Grundsatz, aus Ueberzeugung, wie er behauptet, gegen jedes göttliche Gebot sich verschließt. Beide stehen noch auf gleicher Stufe, so lange das Loos nicht geworfen, so lange über Keinen bestimmt, ob künftig der Eine „für Gott" ist, der Andere für Asosel. Das Loos allein soll und kann hier bestimmen. In unserer Hand liegt unser LooS. Wir können unsere sündhaften Gedanken und Triebe beherrschen, können uns herausreißen aus unserer feindseligen Gesinnung gegen Gottes Gebot. Wir können Herr werden über uns, auch wenn wir grundsätzlich und nach Ueberzeugung, wie wir uns einreden, ein geschriebenes göttliches Wort ableugnen, und können durch Nachdenken, durch Erfahrungen, durch Thatsachen und Vorkommnisse im Leben eine bessere Ueberzeugung gewinnen. Wer nur auf seine Ueberzeugung pocht und dabei stehen bleibt, sich absichtlich verschließt einer möglichen anderen besseren Ansicht, der will ja keine Ueberzeugung. Und das ist an sich schon eine schwere Sünde gegen sich selbst. Greifen wir hinein in die Urne, wo die zwei Loose liegen, die entscheiden; ob rechts oder links das Loos fällt „für Gott", das ist gleichgiltig. Nur überlassen wir uns dann dieser Bestimmung, bessern wir uns, und lassen wir das andere Loos, das auf Asosel gefallen, gleichfalls bestimmend sein, schicken wir den zweiten nach der Wüste;

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