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Der Israelit · 1889-09-24 · Heft 76-77 (24.9.1889) · page 19

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Journal
Der Israelit
Volume
30 (1889)
Issue
Heft 76-77 (24.9.1889)
Date
1889-09-24
Page
– (sequence 19)
Language
German
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1351 Wir haben wiederholt gesehen, daß beschränkte Gesellen, statt das Thier rasch durch einen Axthieb zu betäuben, die zu der Schlachtmaske gehörige Sonde — gewöhnlich ein dünner Rohrstock oder starker Draht — welche dazu dienen soll, durch die von dem Schlagbolzen gemachte Oeffnung in der Schädeldecke das Rückenmark zu zerstören, nahmen und damit dem angstvoll brüllenden Thiere in der Wunde herumwühlten, in der irrigen Meinung, dasselbe dadurch zum Fallen zu bringen! Ein falsches Anlegen der Schlachtmaske bereitet dem Thiere weit mehr Qual, als wenn es mit der bloßen Axt schlecht geschlagen wurde. Dasselbe ist bei Verwendung der Schußmaske der Fall, ganz abgesehen davon, daß letztere auch noch andere recht angenehme Eigenschaften hat, indem es vorkomnit, daß die Kugel anstatt in die Wirbelsäule in das Halsfleisch dringt und einen Theil desselben blutig und unbrauchbar macht. Ja sogar schwere Unglücksfälle sind bei Anwendung zu scharfer Patronen oder bei unrichtigem Aufsetzen der Masken vorgekommen; so wurde erst in vorigem Jahre in der Schweiz ein Militärschlachter auf diese Weise getödtet. Man übt Thierschutz auf Kosten des Menschcnschntzes! Man wende nicht ein, daß ein solches Unglück bei Verwendung geeigneter Patronen ausgeschlossen seil Die Verschiedenheit in der Härte und Dicke der Schädeldecke bei alten und jungen Ochsen, Bullen und Kühen erfordert eine Verwendung verschieden starker Patronen, und wie leicht können dabei Mißgriffe oder auch Ver-; Wechselungen Vorkommen!" Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Natibor, 16. September. Unter großen Ehrenbezeugungen seitens der Vertretungskörperschaften der hiesigen jüdischen Gemeinde trat heute unser neuer Rabbiner, Herr Dr. A d o l f B l u m e n t h a l aus Berlin, sein Amt an. Auf Beschluß der Eollegien fuhren die VorftandsmiLglieder Herren Bartenstein, Bloch und Hugo Schück, Herrn Blumeuthal vier Meilen bis Kose! entgegen; vom Bahnhofe, wo sich eine dichte Menschenmenge angesammelt hatte, ging die Fahrt in mehreren Kutschen nach der Wohnung des Rabbiners. Die Einführungsfeierlichkeit mar mit dem Rachmittagsgottesdienste verbunden und fand in der zweiten Gemeindesynagoge statt, wo sich des beschränkten Raumes wegen neben dem Vorstandsu. Repräsentantencollegium nur Deputationen aller hiesigen jüdischen Vereine und WohlthätigkeitsanstalLen als geladene Gäste eingefunden halten. Nachdem Herr Dr. Blumenth'al, von emerDeputation geleitet, dasmitGuirlanden festlich geschmückte Gotteshaus betreten hatte und allen Anwesenden vorgestellt worden war, sang der Chor unter Leitung des Cantors Herrn Rosenthal den Psalm 150, woraus der Vorsteher des Repräsentantencollegiums Herr Stadtrath Tarlau in bewegten herzlichen Worten den neuen Rabbiner begrüßte. Die Gemeinde schätze sich glücklich, als geistlichen Führer einen Mann gefunden zu haben, der nicht allein in weitesten Kreisen sich schon einen hochgeachteten Namen erworben und durch seine Charakterfestigkeit sich die Herzen aller gewonnen habe , sondern dessen Befähigung auch die sichere Gewähr leiste, daß er die Gemeinde einer beglückenden friedlichen und erfolggesegneten Zukunft entgegenführen würde. Tiefergriffen dankte Herr Dr. B lumenthal für den so freudigen Empfang und die aufopfernde Theilnahme, die ihn bisher auf jedem Schritte geleitet habe und entwickelte sein Programm, anknüpsend an das Schriftwort des letztvergangenen Wochenabschnittes Deutoronium Cap. 26, Vers 1—2: „Wenn du einst kommen wirst in das Land, welches der Ewige dein Gott dir gibt zu Besitzthume, und du hast es dir erworben und wohnest darin, so sollst du von den Erstlingsfrüchten deines Ertrages nehmen und sollst hingehen an die Stätte, die der Herr dein Gott erwählt hat, auf daß sein Name darauf ruhe!" Der Redner verglich sich mit jenem Pilger, der Vater und Mutter und Freunde in heimatlicher Gau zurückließ uud zur Tempelstätte wallfahrtete, um die ersten und schönsten Gaben seiner Flur dem Heiligthume zu weihen. Gleich dem gewissenhaften Gärtner wolle auch er seine sorgsam schützende Hand über allen Theilen der ihm anvertrautcn kostbaren Pflanzungen halten, ohne nach der Farbe oder dem Duft der einzelnen Blumen zu fragen, hoch erhaben über allen 'religiösen Richtungen und gesellschaftlichen Rangunterschieden. Auf die Frage (Josua V, 13): „Gehörst du zu uns oder zu unseren Gegnern?" kenne er nur die eine Antwort: „Als ein Herold des Himmels bin ich heute zu Euch gekommen; der Boden, auf dem ich stehe, ist heilig!" Und sollte er einst in seinem Garten auf hartes Felsgeftein stoßen, so wolle er auf den Felsen nicht schlagen, sondern zu ihm reden, und sprudelndes Wasser soll aus dem Steine guellen. Aus diesem jedem Parteiwefen entrückten Standpunkte werde er seine verantwortungsvollen Ausgaben zu lösen sich bemühen: jedes Herz mit Stolz und mit Begeisterung für die Ho-

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