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Der Israelit · 1889-09-24 · Heft 76-77 (24.9.1889) · page 20

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Journal
Der Israelit
Volume
30 (1889)
Issue
Heft 76-77 (24.9.1889)
Date
1889-09-24
Page
– (sequence 20)
Language
German
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1352 heit unseres Bekenntnisses zu erfüllen, das Heranwachsende Geschlecht sür den Glauben, die Sprache und die Geschichte der Väter zu entzünden, für die Erhaltung aller religiösen Institutionen und für die Würde und Andacht im Gotteshause zu wachen, die Gebeugten aufzurichten und die Thränen zu trocknen, mit den Heiteren sich zu freuen und die Trauernden zu trösten. Freudig wolle er seine Kraft dem geistigen Wohle seiner Gemeinde weihen und die Friedenspalme in Haus und Schule tragen. Treue um Treue und Liebe um Liebe! Die Zuneigung seiner Gemeinde werde der Pulsschlag seiner Arbeit, die Zufriedenheit der Mitglieder der Lohn seiner Mühen sein. Der Redner schloß seine zündende, in Form und Inhalt überaus eindrucksvolle Reden mit den Worten des Gebetes: „Schaue herab von deinem heiligen Sitze und segne Israel dein Volk und den Boden, welchen du mir gegeben!" An die ergreifende Feier schloß sich der Minchagottesdienst. Eine größere Festlichkeit zu Ehren unseres neuen Rabbiners gedenkt der Vorstand nach den Feiertagen zu veranstalten. Mit stolzen Hoffnungen schaut die Gemeinde in die Zukunft; ein großes Feld harrt des Arbeiters, voll freudiger Zuversicht blicken wir zu unserem neuen geistigen Führer empor. Möge der Allmächtige seine Kraft und feine Arbeit segnen! Der neue Tempel wird, da die innere Einrichtung leider bis zum Fest doch nicht mehr fertig gestellt werden konnte, erst in etwa zwei Monaten eingeweiht werden. r. Leipzig. Man schreibt aus Gera: Der bekannte Schwindler, der frühere Realschuldirektor K. Eh. L. Horche aus Leisnig, hatte im November v. I. auch Gera für seine Thätigkeit ausersehen. Als „Missionsinspektor" Seifert-Leipzig logirte er in einem Gasthaus und bezahlte die Zeche nicht. Die Versuche, sich bet hiesigen Geistlichen Reiseunterstützungen unter falschen Vorspiegelungen zu verschaffen, schlugen dem sonst so erfahrenen Jndustrieritter fehl. Das Landgericht Hierselbst erkannte auf 7 Monate Zuchthaus, 300 M. Geldstrafe oder weitere 2 Monate Zuchthaus zu den Zuchthausstrafen, die in diesem Jahre von den Gerichtsbehörden in Altenburg, Chemnitz und Magdeburg verhängt sind. Horche hat auch vielfach, ehe er so tief gesunken, antisemitische Artikel geschrieben und eine Zeit lang versucht mit der öffentlichen Hetze gegen die Juden Geschäfte zu machen. Das haben die Herren Antisemiten wohl noch nicht vergessen. Karl Wiesenthal. Schweiz. Aarau. Der bernische Negierungsrath hatte bekanntlich das Schächten verboten. Um aber den Israeliten Gelegenheit zu geben, sich mit den nach der neuen Schlachtverordnung erforderlichen Einrichtungen zu versehen, wurde dieses Verbot bis auf den November suspendirt. Feuilleton. Eine jüdische Aorschungsreise in Arabien.*) (Forrsetzung.) In Bareida verweilte nun die Karawane einige Tage, da sie hier mehrere Kameele und Reitpferde, die durch die lange Reise schon abgenützt und schwach waren, durch neue ersetzen mußte. Sie war daher auch genöthigt, da ihre Mitglieder nicht das nöthige Baargeld besaßen, um die erforderlichen Thiere nachzuschaffen, auch einen Theil ihrer mitgebrachten europäischen Maaren zu veräußern und so eine Art Ausverkauf zu veranstalten. Um aber mit diesem Ausverkäufe ein bischen schneller fertig zu werden, ließ sie denselben durch gedungene Läufer auch in der Umgegend ankündigen und zur Benützung desselben einladen. Die Reisenden kamen daher täglich immer mit neuen Kundschaften zusammen und machten sie so immer neue Bekanntschaften. Eines Tages fand sich auch ein Kaufmann aus dem nur eine Tagereise entfernten Dorfe Kauara ein, der hauptsächlich Fulful (Pfeffer), dann Saibek (Quecksilber) und Kirset (Zimmt) — im nördlichen Arabien gedeiht der Zimmt nicht — kaufen wollte. Die ersteren zwei Artikel befanden sich jedoch nur in geringen Quantitäten bei der Karawane und noch dazu nur bei den zwei jüdischen Reisenden allein vor, weßhalb dieser Kaufmann sogleich an die zwei Juden gewiesen ward. Dieselben merkten nun bald, daß der Fremde viele arabische Wörter wie das Hebräische aussprach und hie und da sogar ein rein jüdisches Wort in sein Gespräch einflocht. So nannte er Feigen statt „Tin", „Teinah", das Ei statt „Bedha" „Beizah" und Braut statt „Arus" „Arussah", während er die Gabel statt „Schaukah" „Mislag", Schüssel statt „Zachtah" „Kaarah", Ring statt „Chatim" „Tabaat" 2C. nannte. Sie machten ihn nun auf diesen Umstand aufmerksam und erkundigten sich zugleich auch nach seiner Abstammung und seinem Glauben. Derselbe zögerte nun anfangs!) Siehe Nr. 39.

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