Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 30 (1889)
- Issue
- Heft 76-77 (24.9.1889)
- Date
- 1889-09-24
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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1338 b. für die Speisung israelitischer Soldaten während der ganzen Osterfeiertage, zweinial täglich Frcs. 560. 57; e. für die Speisung der isr. Häftlinge im Gefängniß vonVäceres chti beiBukarest Frcs. 117.20. d. Druckkosten des Berichtes Frcs. 35; zusammen Frcs. 2816.55. Auf diese Ausgaben waren von 262 Spendern Frcs. 2743.28. eingegangen, so daß danach ein Defizit von Frcs. 73.27 entstanden ist. Die obigen Zahlen und die damit verbundenen Thaten sind wohl in schöner und des Hervorhebens werther Weise sprechend für den Wohlthätigkeitssinn der rumänischen Glaubensgenossen und für das Bestreben des Comilös der Tempelgemeinde zur Erhaltung und Förderung des Jüdischen. — „Das Kind mit dem Bade ausgeschüttet" hat der Bürgermeister von Jassy, Waßile Pogor. Ein großer Sturmwind, der dortselbst wüthete, riß einige Bretter vom Hause des I o ssi f L e i s e r K r a m er in der „Strada Arcu" los. Der Eigenthümer wollte sie einfach wieder annageln und glaubte, daß hierzu eine besondere Erlaubnißertheilung seitens der Behörde nicht erforderlich sei. Der Bürgermeister aber, dem die Sache hinterbracht wurde, befahl ohne Weiteres das ganze Haus des Kramer niederzureißen, und dies wurde auch von Stadtreinigern unter Führung des Polizeikommiffars Di m it riu unverzüglich in Ausführung genommen. Einige Nachbarn, die über dieses Borgehen empört wurden, gaben ihrer Indignation lärmend Ausdruck und verhinderten die Straßenreiniger ihr Zerftörungswerk fortzusetzen. Ob es aber damit auch endgiltig beseitigt ist! Die Frau des Kramer, die sich in anderen Umständen befindet, ist in Folge der vandalischen Thal vor Schreck und Kummer schwer erkrankt. Herr Po gor ist eines der Häupter und einer der ältesten von der „juministischen", d. h. jungrumänischen Partei, die ich voriges Jahr beim Uebergang des Ministeriums auf diese (jetzt freilich haben wir ein hochkonservatives) besungen habe; wenn ein solcher so gegen Israeliten verfährt, so haben sie auf niemand mehr zu blicken oder zu bauen. Es ist inzwischen eben alles verderbt worden bei uns. — In Baeau ist es ein anderer Stadtgewaltiger, der an unseren Glaubensgenossen so oft als möglich sein Müthchen kühlt. Es ist der Chef der heiligen Hermandad mit dem jüdisch klingenden Beinamen Awram und „Eoslake" vorher. Namentlich gibt ihm das nicht mehr in Kraft befindliche, aber trotzdem nicht abgeschaffte Hausirgesetz oft Veranlassung sich als Judenfresser zu bethätigen, und zw., wie üblich, ohne daß selbst nach dem Hausirgesetz eine Handhabe dazu vorhanden sei. Denn vor Kurzem z. B. trug ein israelitischer Schuhmacher, also nicht Händler im Umherziehen, ein paar neue von ihm gearbeitete Stiesel zu einem Kunden. Kaum hatte ihn der Polizeimeister auf der Straße erblickt, als er ihn höchsteigenhändig auf Grund (?) des besagten Gesetzes, welches — nicht mehr gilt, beim Schopf faßte, verhaftete und obendrein mit denselben heiligen Händen durchprügelte. Letzteres gehört in^Rumänien schon immer zum Einsperren, wie Butter zur Bemme. Indem dies aber das Gebühren höherer Beamten — nicht mehr unter Bratianu — ist, möchte man sich fast versucht fühlen die niederen, ob ihres Verhaltens zu entschuldigen; denn sie haben von wem zu lernen, man geht ihnen mit dem bösen Beispiel von oben voran. — In einem der Säle des Mönchsklosters „Neamtz" an der gleichnamigen Stadt ist ein in sehr großem MaßstabE angefertigtes Bild aufgehängt, welches das angebliche „Verbrechen von Tißa-Eßlar" darftellt, dessen Erlogenheit schon 1883 durch das Gericht erwiesen wurde. Was eine solche Darstellung in einem Mönchskloster und dazu noch weit weg in einem rumänischen Kloster zu suchen hat, ist unerfindlich, ganz besonders, nachdem die ganze Welt von der Grundlosigkeit der ungarisch-antisemitischen Veranstaltung sich schon vor sechs Jahren überzeugt hat. In unserem Lande sind leider alle Gesellschaftsklassen vom Gifte der Judenverfolgung durchtränkt und so allein kann cs kommen, daß Mönche, die mit der Welt abgeschlossen haben, ebenfalls antiisemitische Propaganda machen. Das Bild ist in dem angegebenen Orte um so mehr wirksam, als das Kloster vielfach zu Ausflügen von christlichen Gesellschaften, sowie als Nachtquartier von einzelnen Wanderern benutzt wird, wodurch die antisemitische Tollwuth sich in immer weitere Kreise einfrißt. Feuilleton. Waööi ßtieser Aschkenasi. v. Während Rabbi Elieser seine Glieder im Bade erquickte, beschäftigte der Gedanke ihn lebhaft, wodurch wohl die Aenderung in seiner Behandlungsweise hervorgerufen worden sei. War seine Unschuld erwiesen — warum gab man ihm die Freiheit nicht zurück? Was hatte sich ereignet, daß man ihn wie einen vornehmen Herrn behandelte und dennoch als Gefangenen festhieltd Leicht hätte er seine Umgebung ausfragen können. Allein, er verschmähte es,