Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 30 (1889)
- Issue
- Heft 76-77 (24.9.1889)
- Date
- 1889-09-24
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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1337 Lehrer an der erwähnten Talmudschule ihre Vorträge halten. Es wird, wie uns geschildert wurde, — Erstaunliches geleistet. Da wir im Jnlande nur einen geringen Bruchtheil unserer Zeit dem Talmudstudium widmen können, so werden die Thorasreunde sich wohl befleißigen die Talmudschule zu Lomza mit milden Gaben zu bedenken. Herr Chazyn, den ich bei meinen Talmudvorträgen in der K-an—D"t? [t. V. des beurlaubten Dr. D. Hoffmannnj als gründlichen Kenner unseres halachischen Schriftthumes schätzen lernte, macht durch sein bescheidenes Wesen einen angenehmen Eindruck. Dr. Deutschländer. Oesterr. - Ungar. Monarchie. Wie«. In der Sonntagsnummer der „Deutschen Zeitung" ergreift der Dichter Rosegger das Wort für seinen verstorbenen Freund Robert Hamerling, um das Andenken des Todten in Schutz zu nehmen — gegen die antisemitischen Lobredner des Heimgegangenen Dichters. „Die Antisemiten", schreibt Rosegger, „machen in ihren Organen heftige Anstrengungen, der Welt weiß zu machen, daß der Dichter Robert Hammerling einer der Ihren wäre. Nun weiß ich es aber, daß Hamerling kein Deutschnationaler und kein Antisemit im Sinne der sattsam bekannten Partei war. Er war es nie und es lag ihm sehr daran, zu manifestiren, daß er es nie war, nie sein wollte, nie sein konnte." Und nun führt P. K. Rosegger eine Reihe von Aussprüchen des verstorbenen Dichters an, theils aus persönlichen Unterredungen, theils aus den Schriften desselben, welche es den Herren Antisemiten denn etwas schwer machen werden, mit Robert Hamerling als einem der Ihrigen zu prunken. Wir können nur die wichtigsten Stellen hier wiederholen. So sagte Rosegger: „Als ich mich im Jahre 1885 gegen rohe und verlogene Antisemitenaugriffe um meine persönliche Ehre zu wehren hatte, stand Hamerling an meiner Seite als guter Kamerad. „Was Sie erleben", schrieb er mir damals nach Krieglach, „das ist ein Zeichen der im Parteileben überhandnehmenden Gemüthsrohheit. Auf Ehrenerklärung und Widerruf von Seiten Ihrer Gegner würde ich an Ihrer Stelle nicht sonderlich dringen. Wer solche Dinge gegen Sie vorzubringen vermag, wie daß Sie Ihres „Judenzeitungsruhms" wegen die Juden nicht angekränkelt, tief gesunken sind", der kann Ihre Ehre nicht rauben, folglich auch nicht zurückgeben. Er hat damit der Sippe die Satisfactionssähigkeit abgesprochen." Ferner: Als ich im „Heimgarten" mein Bekenntniß über den Antisemitismus ablegte, welches den Antisemiten zu judenfreundlich und den Juden zu antisemitisch vorkam, sagte Hamerling: „Hier verstehe ich Sie das erstemal nicht. Sie sprechen da von einer natürlichen Abneigung gegen semitisches Blut! Lassen Sie sich von dieser Modethorheit des Antisemitismus nicht anstecken! Oder glauben Sie wirklich, daß der Jude soviel schlechter ist als der Christ? Ich habe mit manchen Juden sehr gute und mit manchen Christen sehr schlechte Erfahrungen gemacht. Ging es Ihnen mit den Letzteren beffer, so ist nur zu gratuliren." — Ich pflegte die wichtigeren Aussprüche, die er mir gethan, nachher in mein Tagebüchlein einzutragen, obige Bemerkung finde ich unter dem 1. November 1855." Im Folgenden berührt Rosegger die bekannte antisemitische Adresse an Hamerling anläßlich des „Homunculus", sowie das Antwortschreiben Hamerling's, welches zu veröffentlichen sich die Antisemiten wohl hüteten. In Bezng auf das letztere äußerte sich Hamerling am 3. Oktober 1888 zu Rosegger, es scheine ihm, daß die Antisemiten von den bedeutendsten deutschen Dichtern doch wenigstens Einen auf ihre Parteifahne hängen möchten, und er sehe daher wohl, daß er mit diesen Leuten deutlicher sprechen müsse. Und er sprach deutlich am 9. April, nach einem antisemitischen Schimpfbrief gegen seinen Vorleger: „Man ist wahrlich manchmal versucht, sie für von einer Zeitkrankheit erfaßte Tollhäusler zu halten." Rosegger schließt seinen Artikel mit den Worten: „Hamerling war nicht deutsch-national in ihrem Sinne und nicht Antisemit nach ihrem Herzen. Er verabscheute ihr Treiben und nannte es undeutsch. Wer mehr Beispiele dafür wünscht, dem kann gelegentlich damit gedient werden. Man sieht der steirische Poet versteht es, eine schneidige Klinge zu führen für seinen Freund. Daß er in dessen Namen und dem ganzen Tone nach auch für sich selbst jenen Leuten eine solche Abfertigung zutheil werden läßt, kann unschwer auf eine rückläufige Bewegung des ganzen antisemitschen Unsinnes gedeutet werden; es zeigt wenigstens, daß die besten Geister sich schämen würden, mit diesem das Geringste gemein zu haben. Rumänien. Dr, C. Bukarest, 15. September. Etwas verspätet zwar, aber vielleicht doch noch willkommen, ist mir etn Bericht zugegangen, der selber schon verspätet ausgegeben, über die seitens der hiesigen Tempelgemeinde an die .bedürftigen Israeliten der Hauptstadt zu Peßach vertheilten Gaben an Geld und Mazzoth Rechnung ablegt. Ich entnehme demselben folgende Zahlen und Angaben: a. An 253 A r m e 1493 Frcs. 28 Bani baar und 2035 Kilogramm Mazzoth im Werthe von 6i0Frcs. 50 B.;