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Der Israelit · 1889-09-24 · Heft 76-77 (24.9.1889) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
30 (1889)
Issue
Heft 76-77 (24.9.1889)
Date
1889-09-24
Page
– (sequence 7)
Language
German
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1339 wohl wissend, daß es seinem Ansehen schaden würde. Die Leute hielten ihn für ein höher begabtes Wesen. Da mußte er denn selbst innerhalb der Kerkermauern wissen, was draußen in der Welt vorgiug, ohne daß ihm Jemand davon Mittheilung gemacht hatte. In der Wohnung des Obersten der Gefangnenhäuser fand er seinen Diener, den Koch, der ihm ein reiches Mahl bereitet hatte. Auch an ihn richtete er keine Frage. Er beschloß, unvorbereitet den kommenden Ereignissen gegenüberzutreten und alles der Fügung des allweisen Gottes zu überlassen. Seine Seele dürstete darnach, die erhabenen Ideen, die er in der Einsamkeit der Kerkerhaft gefaßt halte, niederzuschreiben, damit sie durch die Ereignisse der kommenden Zeit nicht verwischt würden oder verblassen möchten. Nachdem er sich an Speise und Trank erquickt hatte, ließ er sich Feder, Dinte und Papier bringen und begann zu schreiben: „Gepriesen werde der Schöpfer, der da erha- - ben ist über jede Lobpreisung, dem da ist die Größe, die Herrlichkeit und der Sieg für alle Ewigkeiten, der Beherrscher des Weltalls, umgürtet mit Allgewalt, Kraft zu verleihen allen Geschöpfen, die Er erschaffen hat. Eine für jeden Vernünftigen unanfechtbare Wahrheit ist cs, daß nach des Allgütigen Willen jedes Geschöpf die größtmögliche Vollkommenheit erlangen soll, die es seiner Natur nach zu erreichen im Stande ist. Wir sind Sein Volk, die Heerde Seiner Weide, die Nachkommen Abrahams, Seines Lieblings, die Versammlung der Gemeinde Jeschuruns. In Seiner Liebe zu uns hat Er uns genannt das Loos Seines Erbtheils und zu Seinem besonderen Eigenthum hat Er uns erwählt. Er hat uns geliebt und hat uns Seinem Dienste nahegebracht, uns am Leben zu erhalten, auf daß wir Ihm zum Volke werden. Zu Seinem Dienste hat Er uns gesondert aus allen Völkern, und nachdem Er uns geschaffen, gebildet, gemacht aus dem Nichts, hat Er uns beglückt und gekrönt mit Geboten und Satzungen, die da süßer sind als Honig, in deren Erfüllung Er das ewige Leben gelegt hat. Wohl hat Er uns die Freiheit verliehen, die Freiheit der Wahl, aber Er hat uns zugleich den Weg gezeigt, den zu wandeln Er uns räth, wie es heißt: „Uno! du sollst wählen dos Leben." Nur durch die Freiheit können wir die ewige Seligkeit erlangen, da Lohn und Strafe ja erst durch die Freiheit der Wahl möglich werden. Während die übrigen Menschen nur die sieben Noachidischen Gebote empfangen haben, auf denen jede Staatenbildung und vernunftgemäße Gesellschaftsordnung beruht, hat uns, den Nachkommen Jakob's, Gott die Fülle Seiner j beglückenden Gebote und Satzungen verliehen — nicht allen Nachkommen Abraham's, nicht allen Nachkommen Jkzchak's, sondern nur den Nachkommen Abraham's, Jizchak's und Jakob's, da erst durch die dreifache Heiligung das Anrecht dazu ist erworben worden, wie unsere Weisen aus dem Ausspruche des Propheten folgern: „Sie sollen nicht weichen aus deinem Munde und aus dem Munde deines Samens und aus dem Munde des Samens deines Samens, hat gesprochen der Ewige, von nun an bis in Ewigkeit." Erst, nachdem der Glaube an den einzigen Gott, den allmächtigen Weltenschöpfer, in drei einanderfolgenden Geschlechtern festgewurzelt, hat er für die Ewigkeit Dauer erlangt, wie es heißt: „Und der dreifach geschlungene Faden wird sobald nicht zerrissen werden." Daher umgibt uns, die Söhne Seiner Diener, immerwährend die Liebe Gottes. Wie der Adler sein Nest bewacht, seine Jungen stets umschwebt, so wacht über uns die göttliche Fürsorge und Liebe. Stets schickt Er uns Seine Boten, uns zu führen auf die Pfade der Tugend, uns zu hüten vor jedem Strauche!, um zu zeigen den Weg, den wir wandeln sollen. Seine Propheten haben uns stets gewarnt, Seine Zeichen und Wunder sind uns die Merksteine des Lebens. Er hat uns die denkende Seele verliehen, auf daß wir schauen die Herrlichkeit Gottes unb uns erquicken an dem Glanze Seiner Offenbarung, auf daß wir wahren unsere Füße vor dem ausgespannten Netze, auf daß wir uns nicht hinreißen lassen von den Lüsten und Begierden, die uns von frühester Jugend an verfolgen und uns vom rechten Wege abziehen wollen. Nur zu sicher würde die Seele unterliegen im Kampfe, wenn nicht Gott durch die Offenbarung am Sinai ihr den Sieg ermöglicht hätte. Die Cherubim, welche einst eingesetzt wurden, zu hüten den Weg zum Baum des Lebens, sie gerade sind es, die da die Fittige ausbreiten über die Lade des Zeugnisses, zu lehren, daß jeder bereitwilligst ausgenommen wird, der da kömmt sich zu heiligen. Durch die Lehre Gottes wird die Seele geläutert. Das Feuer der göttlichen Lehre verbrennt alle Schlacken, die der Seele durch des Körpers sinnliche Lüste oder durch die falsche Lehrmeinungen anderer Wissenschaften anhaften. Und das Licht Gottes, das die Seele erleuchtet, das ist die mündliche Lehre. Sie ist das Werkzeug, das da die Flammen entwickelt, die uns aus der schriftlichen Lehre erwärmend und erleuchtend entgegenstrahlen." „Die große Menge der Menschen, die in der Thora lesen, vermeinen, diese wolle uns Geschichten erzählen, wie jedes andere Gcschichtswerk. Das ist ein großer Jrrthum, und schon Rabbi Schimeon

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