Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 30 (1889)
- Issue
- Heft 76-77 (24.9.1889)
- Date
- 1889-09-24
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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1336 Menfchentrotz nicht zu. Er denkt, ja stoch wieder zu steigen. Der Andere, der trotz seiner niedrigen Stellung in der menschlichen Gesellschaft sein Menschenthum stets hoch hielt und sich nicht beirren ließ; er steigt oft ebenso unerwartet in die Höhe, findet oft unerwartet rasch und überraschend den entsprechenden Lohn, als —gäbe es doch eine höher Macht, die ihr Auge überall hat und auch den Geringsten und Niedrigsten beachtet. Und wie sreut er sich und ist beglückt, daß er dadurch bestärkt wird in seinem Gottvertrauen und daß auch Anderen, daß auch den Zweiflern dadurch der Beweis geliefert ist, wie recht er, und wie unrecht sie gedacht. Nur etwas Geduld im Leben, ein bischen ausharren, muthig ertragen, was uns aufgeladen wird — die Zukunft wird es uns Alle klar und deutlich erkennen lassen, daß Gott richtet und waltet. „Dieser wird erniedrigt, Jener wird erhöht." Gar oft trifft es sich, daß man erniedrigt wird, um später erst zu steigen. Das ist der natürlichere Weg, auf dem die Menschen an Geist und Körper gesunden und erstarken, um einst, auf der Höhe des Lebens und seiner Aufgabe, den an sie herantretenden Pflichten und Prüfungen gewachsen zu sein. Wer bescheiden isi in seinen Ansprüchen, wer immer sich bemüht seine Pflicht zu erfüllen, auch wenn der Lohn nicht immer deutlich in Aussicht steht; wer seiner besseren und höheren Ueberzeugung gerne ein Opfer bringt, der fühlt sich immer belohnt, immer gehoben. Es ist derselbe Mensch, der scheinbar tiefer gestanden und nun zur Höhe steigt. Nicht sein Unwerth war es, der ihn auf so niedrige Stufe gestellt hatte, sondern so soll der Mensch sich entwickeln, von der Tiefe zur Höhe. Es ist leichter für den Menschen, diese Stufenleiter im Laufe seines Lebens durchzumachen, als sich auf der Höhe, die man durch äußere Verhältnisse, vielleicht schon durch die Geburt eingegenommen, zu erhalten. Und wer gewöhnt ist emporzusteigen, dem wird es leichter, immer nach der Höhe seine Blicke zu richten, nach der Höhe auch zu streben; der erblickt in jedem Schritte, den er nach Oben zu macht, einen Schritt nach vorwärts. Auf- und abwärts steigen sehen wir auch .in dem nun zurückgelegten Jahre die Menschen und vielleicht, wenn wir darauf geachtet, erkennen wir darin die leitende und richtende Hand Gottes. Ob wir aufwärts gestiegen, ob wir im kommenden Jahre weiterschreiten werden, oder abwärts; ob wir nach dem Wahren und Hohen gestrebt, oder die Blicke nicht nach der Tiefe gerichtet; ob das ein Aufwärtsstreben oder Niedersteigen ist, was wir oft sehen, wie wir es auffassen: das Alles am Jahresschlüsse und -Beginne sich vorzuführen, d a s zu prüfen, dazu fordert uns der n"-» auf, dazu ist er bestimmt. Einmal im Jahre wenigstens müssen wir unserem Leben eine Richtung vorschreiben, ob unser Weg auf- oder abwärts führen soll. Bestimmen, sichern können wir das freilich nicht. Aber wenn uns unser Weg aufwärts führt auf die sonnige Höhe des Glückes, so sollen wir uns nicht erheben und stolz sein auf unser Können, auf unsere Macht, stolz uns abwenden von unserem Gotte; wenn unser Weg anfangs beschwerlich ist, wir nur langsam und unter übermäßiger Kraftanwendung vorwärts kommen, so dürfen wir nicht verzagen, nicht muthlos werden, nicht an den waltenden, richtenden, gerechten Gott verzweifeln »3 D'T rm ni böw D’P^n „Denn Gott ist Richter, Diesen erniedrigt, Jenen erhöht Er", den Einen läßt Er von der Tiefe zur Höhe steigen, und das ist der richtige natürliche Weg. Möge Gott uns auch im neuen Jahre aufwärts steigen lassen! — Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Berlin. Die hiesigen politischen Blätter berichten von einer Sitzung der Städtischen Schuldeputation, in welcher die Handlungsweise der hiesigen Schulvorsteherin M. Boretius (Potsdamerstr. 113) ernstlich gerügt wurde. Dieselbe soll die Aufnahme jüdischer Schülerinnen verweigert und dies den Eltern derselben schriftlich mitgetheilt haben. Eine Anzahl von Briefen lagen der Deputation vor und kamen zur Verlesung. Es wurde beschlossen in eine nähere Prüfung der Angelegenheit in einer der nächsten Sitzungen einzugehen. Die Informationen, die Ihr Correspondent auf Grund der obigen Miltheilung einzog, ergaben, daß die Anstalt der genannten Schulvorsteherin z. Z. von jüdischen Schülerinnen besucht wird, und daß die Ablehnung wohl jüdische Eltern getroffen hat, doch sei hier nicht der gräßliche Antisemitismus der Beweggrund der Zurückweisung gewesen, — da der liberale Charakter des Frl. B. sich einer allgemeinen Anerkennung erfreut und eine urplötzliche Metamorphose nicht anzunehmen ist. — Angenehmeres habe ich von einer andern Schule zu berichten. Herr Eh. Chazyn Bevollmächtigter der Rabbinerschule zu Lomza beehrte uns mit einem Besuche. Den glaubwürdigen Berichten des Genannten entnehmen wir, daß vier