Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 30 (1889)
- Issue
- Heft 74 (16.9.1889)
- Date
- 1889-09-16
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2446951-2447947-2448000--28801-2476503- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
1298 lange zu führen sich erkühnen könnte, — dennoch aber ist der von uns gegen den U. O. B. B. aufgenommene Kampf in seinem Geiste begonnen. Das weiß der Gegner gleich uns. Und darum eben meint er sein Werk nur halb gethan zu haben, wenn er es nur bei der Verunglimpfung unsrer Person bewenden läßt. Darum schreckt er nicht vor dem Ungeheuerlichen zurück, an den noch frischen Grabhügel heranzutreten, der die Gebeine dieses Großen umschließt, um ihn, Samson Raphael Hirsch ö"an zu verlästern! Wie erbärmlich muß es um die von Herrn Ellinger vertretene Sache stehen, welche durch einen solchen Frevel gerettet werden soll, und wie tief gesunken ist der Anwalt, der vor einem derartigen niedrigen Gebahrrn nicht zurückschreckt. Möge der in dem Gefilde der Seligen weilende herrlich Große, von dessen erhabenen Geist vielleicht cin Funken in dem Sohne waltet, es verzeihen, wenn wir hier das Attentat bloslegcn, das gegen sein geheiligtes Angedenken verübt worden. DJn nwt? „Grundloser Haß", wie es in dem gegnerischen Pamphlet wahrscheinlich zu Nutz und Frommen der gelehrten Ordensbrüder in Uebersetzung wiederholt wird, entblödet sich der Ordensanwalt mit seinem die Jahrhunderte überdauernden Namen in Verbindung zu bringen, — wagt es, ihn den „Vertreter der Intoleranz" zu schmähen und sein ruhmvolles, segensreiches Wirken in seinem bewegenden Prinzipe mit demjenigen der furchtbarsten Wüthriche auf eine Stufe zu stellen. Der entsetzliche „Henker ohne Gleichen", der erste Generalinquisitor Thomas de Torquemada, welcher an 9000 Menschen während seines Schreckenregiments lebendig verbrennen lieh, und sein Helfer Peter Arbues, der in der Handhabung der blutigen Inquisition ihm wenig nachstand, die Namen dieser mit dem Fluche unschuldig gemordeter Tausender behafteten Männer beschwört der Ordensanwalt herauf, um das Wirken Samson Raphael Hirsch's mit all' dem Entsetzlichen zu umgeben, das noch nach Jahrhunderten in der Erinnerung der Menschen die Namen Torquemada und Arbues brandmarkt! Wahrlich mit Abscheu und Verachtung wendet sich ein Jeglicher, dem Anstand, Sitte, Gerechtigkeit kein leerer Schall ist, von solcher Erbärmlichkeit ab. Der Anwalt hat sich damit ausgeschlossen aus der Reihe der Gegner, denen man Rede und Antwort stehen kann, die Sache, für welche kein Anderer als ein solcher Helfer in die Arena eintritt, ist rettungslos, verloren. Versündigung an dem geheiligten Andenken' des großen Meisters in Israel, um den die Thräi^en noch nich. getrocknet sind, wäre es, wollten w>lr auf diesen fluchwürdigen Ausfall ein Wort er>' widern.- Nur noch einige kurze Bemerkungen zu dem ferneren Inhalte dieser fanatischen, sich selbst den Stab brechenden Vertheidigungsschrift des B'ne- V'rith-Ordens. Dieselbe schließt mit der auf auf uns zielenden Frage: „»NW tvn und bhn rra standen sich diametral gegenüber; was die eine Schule verbot, erlaubte die andere, und doch entschied die Stimme Gottes, der Sage nach: rrcnjjn v"n '*r6« nm rta* rncny n"rü ,meny. Mag es nicht wohlgethan sein, wenn einige Eiferer für die vermeinte Gottessache dieses etwas beherzigen würden?" Diese Frage, welche uns zu Boden schmettern soll „in unseres Nichts durchbohrendem Gefühle" ruht auf dem Unterbau einer langathmigen und viele Alotria heranziehenden Betrachtung über.den erhabenen Geist des Ordens, vor dessen Größe und Hoheit die armselige Orthodoxie zurücktreten muß. Diese Erwägung hebt aber mit der Hervorkehrung des großen Ordensprinzips an: „Ob der Orthodoxe recht hat oder der Reformer, ob der Anhänger des Chassidismus oder des Karäisnus, das kümmert uns nicht als Mitglied des Ordens, wenigstens nicht innerhalb der Loge. Aber das kümmert uns, und das wissen wir, daß das Judenthum die heilige Mission hat, die Leuchte der Völker in Moral, Sittlichkeit, Bildungsstreben, Familienreinheit und im Führen eines menschenwürdigen Lebens zu sein, wo sie auch leben, welcher Richtung innerhalb der Religion sie huldigen, auf die Höhe der Lebensanfchauung zu bringen, ein gemeinsames Streben in dieser Richtung auzubahnen, unbeirrt um das Gezanke der Schulen und ihrer Vertreter." Der berufene Anwalt des Ordens hat damit aller Maßen bestätigt, was wir auf Grund thatsächlicher Beweise dargelegt haben, nämlich daß das für Juden von Juden begründete und vorgeblich das höchste von dem Judenthum zu verwirklichende Ideal nicht in der unverbrüchlichen Treue und dem unwandelbaren Gehorsam gegen das Gesetz erkennt, sondern diese Treue und diesen Gehorsam als eine völlig gleichgiltige Nebensache betrachtet, mit welcher ein Jeglicher sich nach seinem Gutdünken abfinden kann. Ob der Jude als Rabbanite, die Göttlichkeit ' der mündlichen Lehre anerkennt oder als Karäer