Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 30 (1889)
- Issue
- Heft 73 (12.9.1889)
- Date
- 1889-09-12
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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1284 Herolde werden, das ist und bleibt der höchste Preis der dem Allerheiligsten gezollt werden kann, nw D’ttmpD -ixe ennxH. Dcßhalb geht in diesen gehobenen Weihestunden der höchste Lebensvorsatz eines ganzen Volkes in die eine Sehnsucht auf «npn* pm ■pr, daß alle und alles sich vereinige zu diesem Kiddusch Haschcm, zu einer solchen Heiligung Gottes auf Erden. Hierfür wird das Gedächtniß der Väter und-ihr hehres Beispiel wachgerufen und aus dieser Heiligung die Hoffnung geschöpft, daß wenn sich auch nirgends ein fürsprechender Anwalt Denjenigen gegenüber fände, der uns des sündigen Trotzes zeiht, Gott selber für uns das Wort des Rechts und Gesetzes führen, und der König des Rechts uns zu unserem Rechte verhelfen werde, der in feiner Hand den Maßstab des Rechts hält! vvVv rno tu inwn. Dieser Nachsatz ist in unserem Machsor so gruppirt, daß die neue bedeutsame Gedankenreihe, welche er einleiten will, sofort in die Augen fällt, daß Gott Herr der Welt ist, daß sein königlicher Wille dem ganzen Universum Recht und Gesetz vorschreibt und die ganze Natur danach lenkt, ist uns eine geläufige Wahrheit. Daß aber dieser König des.Rechts auch unser König ist, daß er auch uns die Norm unseres Lebens vorschreibt, daß seine Hand und sie allein den Maßstab hält, 'für alles was Recht und Unrecht ist, diese direkte, naheliegende Consequenz ist es, welche die übliche Vortragsweise zum Ausdruck bringen möchte, wenn sie in demselben Athemzuge nach vOL-vn sofort die Wahrheit vvlM mo tu 5mxn folgen läßt. Was die Welt so gerne trennen möchte, kann unser Machsor geflissentlich nicht genug verbinden. Daß Gott der König des Rechts ist, bleibt ein transcedentaler, unfruchtbarer Begriff, so lange ihm nicht die Wahrheit beigegeben wird, daß seine Hand allein den Maßstab von Recht und Unrecht festfteUt. Wo Menschen mit oder ohne Absicht fehlen, liegt eine Trübung dieser Wahrheit vor. Wer lügt und stiehlt, wer aus seinem Leben die von Gott gestifteten Tage der Ruhe und Weihe streicht, der läßt sich den Maßstab für das, was Recht, nicht vom König des Rechts, sondern von seinem eigenen sogenannten Vortheil und Nachtheil vorschreiben. Der Lüsterne, der die Gesetze der Reinheit und Keuschheit, die Satzungen über Speis und Trank mit Füßen tritt, läßt sich von seiner Sinnlichkeit, seinem Gaumen und Magen den Maßftab bestimmen für das, was recht und unrecht ist. Der Habsüchtige, der Lüstling gibt sich aber dabei immer noch dem Glauben hin, das was man so die höheren Güter der Menschheit nennt, Treue,! Sittlichkeit, Humanität, alles dieses werde davon nicht berührt, ob der einzelne für sich ausschließlich Gott den alleinigen Maßstab für Recht und Unrecht zuerkennt oder ihn anderen Potenzen zuweist. Und doch sind dabei die Grundfesten in Frage gestellt, auf denen das Heil der Gesammrmenschheit ruht! Wenn Gottes starke Hand nicht den Maßstab des Rechts hält, wenn das was Recht und Unrecht ist, jedem nach seinem eigenen Nutzen und Schaden, Genießen und Verzichten zu bestimmen überlassen bleibt, ei, dann handelt der ja thöricht, der seinen Nutzen nicht mit allen Mitteln ausbeutet. Wenn das was mir nützt, recht ist, dann ist Lug und Trug recht, sobald sie meinem Nutzen dienen, daun ist Treue ein leerer Wahn, der nur so lange vorhält als er Vortheil bringt; dann ist Menschlichkeit, dann ist jede Hilfsleistung an den Schwächeren, Aermeren eine Unbegreiflichkeit, sobald meinem materiellen Interesse damit ein Abbruch geschieht, dann aber wird es begreiflich, warum das Vertrauen geschwunden in unserer Zeit. Dieses kann nur erblühen, wo das Recht in Gottes mächtiger Hand einen Vertreter hat, wo aber Gottes Wille nicht als der ausschließliche Maßstab für Recht und Unrecht gilt, wo man Gott nicht mehr bestimmen läßt, was Recht ist, läßt auch Er md)t mehr das Vertrauen, läßt er nicht länger den treuen Glauben erblühen, mit dem der eine aus die Brüderlichkeit des andern baut. Nur wenn Gott der König des Rechts ist, dürfen die seinen Maßstab des Rechts Anerkennenden auch der beglückenden Ueberzeugung sich hingeben, daß er der Gott des Vertrauens ist. xntp ü’j’bnd ^21 hjiön 'n. Wenn uns dieses Vertrauen, diese Treue Gottes, wenn uns die Thatsache, daß Gott der iinvx ist, dem man vertrauen darf, so recht zum Bewußtsein gebracht werden soll, so werden wir daran erinnert, daß diese Treue nicht nur auf die Lebenden, sondern noch über das Grab hinaus auf die den Todesschlaf Schlafenden sich erstreckt, daß Gott der -isy injiöN D’pD ist. Die in diesen Worten gefeierte, an den im Staube Schlafenden bewährte Treue kann wohl nicht in deren Auferstehung zum ewigen Leben bestehen, da diese in den Worten btiö nvnrb nnx besonders betont wird. Es muß eine Treue sein, die an den Schlafenden nicht erst mit dem Erwachen, sondern während sie noch schlafen, derart geübt wird, daß sie eben ruhig schlafen können. Es ist die treue Vaterltebe, die das Band zwischen den Entschlafenen und den Ueberlebenden weiter spinnt, das der Tod zerrissen hat. Daß sie eben nicht gestorben, daß sie nur entschlafen sind, daß sie wie das Saatkorn im Boden fort-