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Der Israelit · 1889-09-12 · Heft 73 (12.9.1889) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
30 (1889)
Issue
Heft 73 (12.9.1889)
Date
1889-09-12
Page
– (sequence 11)
Language
German
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1285 leben, daß jede Gutlljctt, jedes mackere Wort, jeder wahre Gedanke, jede edle Regung, die sie in den Schooß der Zeiten gestreut nicht verloren, sondern von Gottes mächtiger Liebe treu bewahrt, im Leben der Kinder und Enkel bis zum tausendsten Geschlcchte Wurzel faßt und Blüthen und Früchte treibt, kurz die ergreifende, göttliche Wallung, die sich in dem den Kindern und Enkeln zu gute kommenden rvoT rvQN bewährt, das ist die laute Manifestation der göttlichen Treue an den im Staube Schlafenden. Welch einen Schatz von Liebe, Trost und Reichthum jeder Art, birgt doch diese eine einzige Gotteswaltung für alle diejenigen, die sich von ihr getragen wissen. Von ihr durchdrungen verliert der Prunk des mit gewissenlosen Mitteln reich gewordenen Reichen seinen Glanz, und die Armuth des Armen, der lieber redlich bleiben als reich werden wollte, ihr düsteres Aeußcre. Wie sind doch die reichsten Erben so arm, wenn sie nur Geld und Gut, wenn sie nur eine Erbschaft von Dingen anzutreten haben, welche ihnen die Wechselfälle des Lebens jederzeit wieder entreißen können, und wie reich sind doch die verlassensten Waisen, deren Eltern im schweren Kampf ums Dasein bei bescheidenen, widrigen Verhältnissen, mit jedem Schritt, den sie auf ihrem schmalen, steilen Lebensweg vorwärts thaten, mit jeder Versuchung, die sie mieden, mit jeder Pflicht, die sie übten, mit jeder Treue, die sie bewährten, ihren Kindern in diesem rra« ro einen geheimen von Gottes Liebe verwalteten Schatz hinterließen, dessen unermeßliche Bedeutung nun in jeder Lebensäußerung zu Tage tritt. Wenn alle überzeugt sind, daß man Gott vertrauen darf, daß er derruivu ist, dann bewahrt sich dieses Vertrauen nirgends glänzender, als in diesen geheimen Schätzen, die Gott prüft und hervorsucht. rrnnDj ’iw pnui inan jna heißt das Prüfen einer Sache auf ihren Werth, und indem unser Machsor hier diesen Ausdruck gebraucht, will es uns zum Bewußtsein bringen, wie die unermeßlich bedeutsame Tragweite gerade dieser göttlichen Liebeswaltung nur von Gott selber in ihrer ganzen Tiefe erkannt und „gewürdigt" werden kann. Noch bezeichnender aber ist hier der Ausdruck p*a. Dieser erst in späterer Zeit vorkommende Ausdruck, bezeichnet ein Suchen und Forschen nach etwas Minutiösem, an und für sich wenig Wesentlichem.*) *) mprn (V. B. M., Cap. XIII, 15) gibt der Targum durch pNVNI wieder. Sanhedrin 40. a. wird jedoch zwischen m“l’pn und mp’ID in dem Sinne unterschieden, daß erstere im Erforschen wesentlicher Momente und letztere nur untergeordnete In diesem Zusammenhänge sagt er: Wenn auch diejenigen, für welche diese verborgenen Schätze aufbewahrt wurden, derselben nicht würdig wären, wenn Kinder selbst ihre „altmodischen" Eltern und was ihnen heilig war, verachten und verhöhnen könnten, wenn Leichtsinn und Schwäche, wenn Jrrthum und Trotz das nna noi zu überwuchern und so dem menschlichen Bewußtsein zu entrücken drohen, Gottes Liebe sucht diese Schätze hervor, und bleibt ton hdh -di* der elterlichen Liebesthaten eingedenk, wenn sie auch der Erinnerung derjenigen,! denen sie zu Gute kommen, längst entschwunden, ja! wenn sie ihnen auch niemals zum Bewußtsein gekommen sind. > Wenn aber Gottes mächtige Vaterliebe Genej rationen hindurch über jede edle Regung wacht und! sie zum einem großen, geheimen Schatze für die? Zukunft zusammenhält, wie muß denn schon in ' der Gegenwart jede Regung, jedes Wollen, jedes Streben und Denken schwer auf der Wage wiegen, mit der Gott unser Geschick abwägt, wir müssen dann alle von der prüfenden Werthschätzung durchdrungen sein, mit welcher Gottes richtender Blick auf unsere geheimsten, innersten Seelenregungen herabschautl flTO K'iniP OWDND hl (Fortsetzung folgt.) Zeitringsnachrichte« und Correspoudenze«. Oesterr. - Ungar. Monarchie. Wie«, 9. September. Bet der heutigen Landtagswahl in Leopoldstadt erfochten die Liberaj len einen glänzenden Sieg: Professor Sueß wurde mit 2286 Stimmen gewählt. Im Ganzen wurden 3488 Stimmen abgegeben, wovon außer dem Ge-! nannten der klerikal-antisemitische Kandidat Schneider 845 und der deutsch-nationale Antisemit Pabst 379 Stimmen erhielt. Auf den Czechen Gregr fielen 2 Stimmen. Die Verkündigung des Wahlresultates wurde mit Hochrufen auf Sueß und die lieberale Partei begrüßt; einige Hochrufe auf Schönerer wurden niedergezischt. Der Platz vor dem Wahllokale war von der Polizei abgesperrt; im Ganzen wurden 15 Verhaftungen wegen Widerstands vorgenommen; Die liberalen Wähler zogen nach der Verkündigung des Wahlrefultates vor die Wohnung Sueß' und Nebenumstände zum Gegenstände haben. So ist z. B. bei PQN np’-Q und po np’“73 das zu suchende pon und die zu constatirende DD’JD verschwindend klein, im Vergleich zu den nach ihnen durchsuchten Objecten.

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