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Der Israelit · 1889-09-12 · Heft 73 (12.9.1889) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
30 (1889)
Issue
Heft 73 (12.9.1889)
Date
1889-09-12
Page
– (sequence 6)
Language
German
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1280 Aufgeschlossenheit der Seelen, des geistigen Austausches im Geben und im Empfangen! Wie viel habt- Ihr mir gegeben aus den Tiefen Eures Gemüthes und ich bin hinabgeftiegen in die Tiefen des eigenen Gemüthes, und habe die Schätze des Geistes, die durch Gottes gütige Waltuug hier geborgen lagen von' der Kindheit her, und die sich durch mannigfache Lebenserfahrung erhöht und vermehrt, emporgehoben an das Licht; und wie bald habt Ihr verstanden und wohl erkannt, welche meines Bestrebens Ziele sind. Und welche Ziele sind es denn, denen ich zuzusteuern mich bemühte? Ich habe von Anfang an die Mißbräuche, die sich bei der Handhabung der religiösen Institutionen eingeschlichen, zu bannen, dem Mißbrauch, den so viele mit dem ihnen geschenkten religiösen Vertrauen trieben, zu steuern, der Erscheinung, der man nur hier und sonst in keiner großen Gemeinde begegnet, daß Menschen die nvi tu freventlich den rav entweihen, in Beobachtung der Ritualgesetze Vertrauen für sich in Anspruch nehmen — ins Gesicht zu leuchten; der Begriffsverwirrung auf dem Gebiete des religiösen Lebens entgegenzuwirken und den aus denselben hervorgehenden Uebelständen abzuhelfen. Dabei hütete ich mich sorgfältig, den Frieden zu stören, die Einheit der Gemeinde zu gefährden und die wechselseitige Achtung ihrer Angehörigen zu untergraben. Ich versagte vielmehr selbst Denjenigen, die reformistischen Anschauungen huldigten, die ihnen sonst gebührende Achtung nicht. Ich setzte voraus, daß sie denn doch auch den Schaden, den das religiöse Leben in unseren Kreisen genommen, fühlen, und den Mängeln abhelfen und das Heil ihrer Brüder fördern möchten. Sie haben nach meiner Ueberzeugung in der Wahl der Mittel zur Heilung der Schäden und zur Bekämpfung der Mängel sich vergriffen und gefehlt, sie haben Fremdartiges in die jüdischen Gotteshäuser eingeführt und Unstatthaftem Thür und Thor geöffnet, und die Leere, die in denselben gähnt, doch nicht gebannt. Und wenn Andere aus Wohldienerei Alles, was die unwissende Menge als Ohrenkitzel fordert, oder aus Nachahmungssucht verlangt, für erlaubt erklärten, verkündigte ich die Forderungen des jüdischen Religionsgesetzes in ihrer ganzen Strenge, in ihrem ganzen Ernst, wie ich selbst sie erkannt, unverhüllt ohne Zweideutigkeiten und Dunkelheiten und Halbheiten, nicht in einer alten und unverständlich gewordenen Sprache, die wie aus einer fremden Welt zu uns herüber klingt, sondern in der Sprache der Gegenwart, die wir Alle kennen und sprechen, in i der wir empfinden, die der reine und volle Ausdruck j unseres Denkens und Wollens ist. Und wenn wieder Andere, Männer der Intelligenz, in edlem Eifer für das Recht der Judenheit erglühend, in ihrer Vereinigung den Juden in einer Weise zu helfen trachteten , daß sie auf dem Wege zu ihrem vorgesteckten Ziele den Lebensnerv des Judenthums zu durchschneiden den Anlauf nahmen, trat ich ihmn mit vollem Freimuth entgegen und hob mit aller mir zu Gebote stehenden Kraft hervor, daß es die oberste Pflicht Aller, die es noch treu mit dem Judenthume meinen, ist, die israelitische Jugend an den Born der Erkenntniß zu leiten, sie mit nnra dw: mm in der Ursprache vertraut zu machen, damit ihnen der Geist, der in den heiligen Worten weht, Licht und Stab werde im Leben, damit sie lerne, daß uns nicht nur min Glaubenslehren, sondern auch n'lsvrr-vi o'pn nnp Zeugnisse, Satzungen und Rechte von Gott gegeben sind, damit unsere Jugend nicht bloß keiner anderen nachstehe an Religiosität und Sittlichkeit, sondern erhoben werde zur Erkenntniß des israelitischen Berufes und ertüchtige in Selbstbeherrschung und Opferfähigkett, und sie Israeliten werden mit lebendiger Erkenntniß ihres Berufes, mit Erfassung und Beherzigung des inhaltsvollen Wortes «in 'n inVnj Gott ist ihr eigenthümliches Gut und Erbe, und mit Feuer und Liebe an dem Namen Israelit hängen sollen. Ob es an mir liegt, daß ich von all' dem, was ich erstrebt, so wenig erreicht, ob die Unzulänglichkeit meiner Kraft und Rüstung daran Schuld ist, daß die Halbheiten, die Widersprüche, die Uebelstände alle auf dem Gebiete des öffentlichen, religiösen Lebens fortwuchern, ob Mangel an Ernst, oder an Festigkeit oder an Energie der Grund dessen ist, daß meine Absichten in so geringem Maße sich erfüllt und verwirklicht haben, das richtet Gott, und zu ihm flehe ich: 28p "pi on nmi »sjnff jni wa »aa^ zni mpn .(7*3 y'D irip o’ion) nhy fna ’jrm 'a Ergründe mich Gott und erkenne mein Herz, prüfe mich und erkenne meine Gedanken und siehe, ob ein zu entsagender Weg in mir ist, uud leite mich in den Weg der Ewigkeit. Gott, der des Menschen Herz kennt und dessen Innerstes prüft, und dem nichts verborgen und unbekannt bleibt, weiß es, wie das Gefühl des Mangelhaften, Unvollkommenen uud Ungenügenden, der Schwäche und Kleinheit des Geleisteten im Verhältniß und Vergleich mit dem zu Leistenden, mitten in meiner vollständigen Zufriedenheit mit der mir verliehenen Stellung und mit dem mir Gewährten

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