Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 30 (1889)
- Issue
- Heft 73 (12.9.1889)
- Date
- 1889-09-12
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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1279 Opposition gefunden, die ihn nicht beirrte und in seinen Entschlüssen nicht wankend machte; er habe aber noch nie nach Lobeserhebungen und Anpreisungen gestrebt. Wird die galizische Stiftung ihren Zweck erfüllen, so werde er sich dadurch allein belohnt und befriedigt fühlen.. Es werde ihm eine große Freude bereiten, wenn der jüdisch-deutsche Jargon aus Galizien schwinden werde und die galizischen Juden, zu deren Wohl er seine Stiftung errichte, tüchtig arbeiten, Handwerk und Ackerbau betreiben, und jene Gewohnheiten, welche mit der Religion nicht zusammenhängen und die Juden von dem übrigen Theile der Bevölkerung unuöthiger Weise absondern, allmählich aufgeben werden. Das sei sein Ziel, sein Herzenswunsch, seine Lebensfreude. Er mische sich nie in religiöse Angelegenheiten, weder im Orient, noch im Auslande; das Einzige was er wolle, fet!, daß die Juden die nöthige Bildung erhalten und so erzogen werden, daß sie arbeitstüchtig werden, um sich durch ihre Hände Arbeit, durch Handwerk und Ackerbau zu ernähren. Herr Baron Moritz von Hirsch wird gegen Ende September auf seinem Gute St. Johann eintreffen und dann Gelegenheit nehmen, das Kuratorium in Wien persönlich zu installiren und der Regierung zu präsentiren. Prag. Am 4. Elul (31. August) hielt Herr- Ober - Rabbiner M. Hirsch in der Klaus - Synagoge seine Abschiedspredigt*), die „Stellung der Priester in Israel" zum Gegenstände seiner Betrachtung nehmend. Von dieser in kerniger Sprache gehaltenen, von echt religiösem Geiste durchwehten Rede lenkt insbesondere der Theil die allgemeine Aufmerksamkeit auf sich, welcher die hiesige Wirksamkeit des Ober - Rabbiners bespricht und die Gründe angibt, warum der Ober-Rabbiner diesen wichtigen Rabdinatsposten zu verlassen sich entschlossen hat. „Es sind nahezu zehn Jahre," heißt es daselbst , „daß ich den für mich überaus ehrenvollen Beruf erhalten habe, die Rabbinerstelle in der altehrwürdigen Prager Gemeinde zu übernehmen. Aus dieser Berufung habe ich damals gehört, wie Ihr mir zuruft: Komme her, wir haben Dich ausersehen 'n dko -iOp^> da zu stehen und im Namen Gottes zu dienen, wir überantworten Dir das Amt eines Wächters über unsere kostbarsten Kleinodien, von denen wir nichts vergeuden und wegwerfen wollen; wache Du über unsere religiösen Institutionen, daß sie in ihrem vollen Glanze erstrahlen, sei Du der Hüter der uralten religiösen Einrich¬ *) Dieselbe ist im Verlag von Jacob B. Brandeis in Prag im Druck erschienen und zum Preis von 20 kr. — 40 Pf. erhältlich. tungen, daß sie im Sinne und Geiste der traditionellen Lehre ihrer Bestimmung entsprechen sollen; leite Du das Lernen und Lehren der min in unserer Mitte, damit wir das, was wir so oft in entadelter, entwürdigter Gestalt zu sehen bekommen, in würdiger Gestalt erschauen und wieder nach Gebühr würvigen und beachten; sei Du in unserer Mitte der Dolmetsch der uralten und unverfälschten Lehre des Judenthums; ertheile Jedem, der sich mit einer Frage über die gesetzliche Vorschrift des Judenthums an Dich wendet, Auskunft, und Bescheid. Rede Du mit eindringlichen Worten zu den Herzen unserer Jugend und führe ihnen die Lehren des Judenthums, wie sie in unserem heiligen Schriftthume theoretisch ausgeprägt sind, und im religiösen Leben der Väter sich praktisch verwirklicht haben, zu Gemüthe; sei Du in unserer Mitte der Mann des Friedens, um welchen sich die Mitglieder dieser Gemeinde, die sich in mancherlei Beziehung sondern und theilen, deren Anschauungen über die ewige Verbindlichkeit der jüdischen Satzungen weit auseinandergehen, deren Andachtsbedürfnisse mannigfaltiger Natur sind, und denen sie in verschiedenartig gestalteten Synagogen Befriedigung gewähren — sich sammeln und wieder vereinigen zu einer einheitlichen, friedenvollen Gemeinde. So habe ich das Amt und die Stelle, die Ihr mir anvertraut habet, angesehen, und so dachte ich mir meine Aufgabe. Und obgleich ich die Größe meiner Aufgabe erkannte und die Verantwortlichkeit meines Amtes und meiner Stelle in ihrer ganzen Fülle erfaßte, kam ich doch hieher und ging mit Freudigkeit an die Lösung meiner Aufgabe und an die Erfüllung meines Berufes, denn ich habe, Gottes Hilfe erflehend, das zuversichtliche Vertrauen in Euere Bildung und Humanität, in Euere Einsicht und Erkenntniß gesetzt, und erwartete, daß Ihr da, wo sich meine Kraft als schwach und unzulänglich erweisen wird, zu mir sagen werdet: bo nmn nnw yxa 'wiw ciDN qhVx w V'n 'Vi8 Dyn. Du wirst ersehen aus dem Volke Männer, deren Tüchtigkeit in ihrer Gottesfurcht wurzelt, Männer, die ihre Wahrhaftigkeit bezeugen in ihrem Abscheu gegen Eigennutz, und diese zum Mitwirken aneifern. Mein Vertrauen zu Euch hat sich vollständig gerechtfertigt; dies hat mich nicht getäuscht, sondern im Gegentheil inmgst beglückt und beseeligt. Ich kam hierher als Fremder, und Ihr seid mir entgegengekommen mit warmer Liebe, mit vollem Vertrauen, mit klarem Verständniß und habt mir Euere Herzen erschlossen und mich ausgenommen in Euerer Mitte als den Eueren. O, wie bald war ich unter Euch heimisch geworden, welch' schöne Tage ver ersten Liebe, der ersten Begeisterung, der fröhlichen