Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 30 (1889)
- Issue
- Heft 73 (12.9.1889)
- Date
- 1889-09-12
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2446951-2447947-2447999--28784-2476485- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
1278 teftantischen Gottesdienste bei, woselbst der Feldpred^s, wie die gesammte Presse berichtet, sich in sein-^jsnsprache stets an die christlichen, deutschen Sol0u.s/l wandtet Zur Zeit des Oberrabbiners Dr. Landau ist stets dafür Sorge getragen worden, daß bei großen Feldgottesdiensten die jüdischen Soldaten auch ihr religiöses Gefühl dadurch befriedigt sahen, daß Dr. Landau selbst den Feldgottesdienst mit Hilfe eines Vorbeters abhielt. Jetzt aber hat sich in Dresden sehr viel geändert, die alten, ehrenhaften, glaubenstreuen Männer sind meistens verstorben, und seit der Zeit, wo Herr Rechtsanwalt Emil Lehmann das Amt eines Vorstehers inne hat, wird es mit jüdischen Angelegenheiten nicht allzu genau genommen. Wahrscheinlich hat Herr Lehmann zur Abhaltung eines jüdischen Gottesdienstes bei den jetzigen Manövern nichts gethan, denn die Militärbehörde will in solchen Dingen nur das Einmischen der geeigneten Personen. Karl Wiesenthal. Hamburg, 10. September. Heute Nachmittag 5 Uhr 20 Min. wurde Herr Oberrabbiner Hirsch in Harburg, letzter Station vor Hamburg, durch den Gesammtvorstand und seinen Schwiegersohn, Rabbiner Dr. I a c o b so h n aus Sch r i m m (geborener Hamburger), empfangen, worauf die Herren mittels Salonwagen mit dem nächsten Zuge, Stunden später, in Hamburg eintrafen und vom Bahnhofe in fünf Equipagen nach der in der Elbstraße gelegenen Rabbinatswohnung fuhren. Der Andrang daselbst war ein sehr bedeutender, so daß die Wagen, welche mit Hurrahrufen empfangen wurden, kaum durchkommen konnten. Im Saale des Rabbinates waren verschiedene Honoratioren, unter Anderen die Wahlkommission, Synagogenkommission u. s. w. versammelt. Herr Vorsteher H. Gumpertz hielt hier im Aufträge seiner Collegen die Begrüßungsrede, worin der Redner hervorhob, daß der Herr Oberrabbiner aus einer Gemeinde komme, die durch Ihre Altehrwürdigkeit und ihre Geschichte die Hamburger als eine jüngere überrage und daß Hamburg erst heut etwa 70 Jahre seit der Trennung der drei Gemeinden Altona, Hamburg, Wandsbeck i"n"N ein eigenes Rabbinat besitze. Der Redner erinnerte an die hohen Verdienste des Chacham Bernays an das rastlose Streben und energische Wirken des unmittelbaren Vorgängers Oberrabbiners A. S t e r n welche beide unserem nunmehrigen Oberrabbiner als leuchtende Beispiele dienen mögen und wie sein Ruf als Mann des Friedens, der ihm vorangegangen sei, ihm besonders für die ihm übertragene Stellung als Empfehlung gedient habe, so möge er auch hier im Amte stets für Frieden eintreten, dann wird Glück und Segen ihn begleiten, nach dem Ausspruche unserer Weisen nsd *b vbtt ^nis^ ro-o pnno rV'npn. Der Herr Oberrabbiner dankte tiefgerührt für den ihm bereiteten Empfang, der ihn derartig überwältige, daß er die geehrte Versammlung um Nachsicht bitte, wenn er nur einige Worte der Erwiderung für sie habe, worauf er bemerkte, daß er, wie der ihn begrüßende Vorredner, den Wunsch nach Frieden ausgedrückt habe, er seinerseits bestrebt sein werde, solchen zu erhalten und zu befestigen, daß aber dbw allein nicht genug sei, daß auch nvx mit ihm vereint sein müsse und nur durch diesen gewahrt sein könne on« no«n. Hierauf verbreitete sich Herr Oberrabbiner Hirsch über die Verschiedenheit in der Ausdrucksweise von itdi “jNoa nrw *71-0 nn« und 'ui nyi nnyc ‘jpiks iw 'n, weßhalb dort erst der Eingang und dann der Ausgang, hier umgekehrt stehe und schloß mit dem Wunsche eines segensreichen Zusammenwirkens. Nachdem alsdann verschiedene Erfrischungen gereicht worden waren, wurde an Ort und Stelle yiyo Udo gebetet; dann empfahlen sich die Herren und gingen wohlbesriedigt nach Hause. Morgen, Mittwoch, werden sich dem Herrn Oberrabbiner verschiedene Deputationen und Genossenschaften vorstellen. Donnerstag, Abends 6 Uhr, wird die offizielle Einführung in der großen Synagoge (Kohlhöfen) stattfinden. Zur Vermeidung von Ueberfüllung sind zu jeder Stelle zwei Karten ausgegeben worden, so daß mit den sonstigen Eingeladenen wohl an 2500 Personen anwesend sein werden. Ueber diese Feier und die na* W nam in der Synagoge, Elbstraße, werde ich mir weiter zu berichten erlauben. Oesterr.-Ungar. Monarchie. Wien. Herr Baron Moritz von Hirsch war bis gegen Ende August in Carlsbad zur Cur, und kaum hatte er dieselbe vollendet, so trat er nicht die Rückkehr nach Paris an, sondern eilte nach Wien, um seine 12 Millioncn-Stiftung für Galizien und die Bukowina persönlich zu fördern. Es beunruhigte ihn, daß die Realisirung seiner Stiftung sich dadurch verzögert, daß die Statuten derselben noch nicht von maßgebender Stelle genehmigt sind und daß die Wünsche und Anträge der Regierung ihm erst in den letzten Tagen bekannt geworden sind. Hier in Wien gelang es ihm einen Modus zu finden, der nach allen Seiten hin befriedigen dürfte, so daß die Aussicht vorhanden ist, daß die Stiftung noch im Laufe dieses Jahres in Wirksamkeit werde treten können. Herr Moritz von Hirsch legte bei dieser Gelegenheit ein besonderes Glaubensbekenntniß ab. Er habe, sagte er, vielfach in seinem Leben heftige